Auggen Die Landwirte treibt vieles um

Jutta Schütz
Die Vertreter des BLHV zeigten in Auggen Solidarität mit protestierenden Landwirten in Stuttgart: (von links) Rainer Nußbaumer, Ulli Waldkrich, Verginiya Kaerger und Michael Fröhlin. Foto: Jutta Schütz

Auggen - „No farmers – no food“ (Keine Bauern – keine Lebensmittel) hieß es auf einem Pappschild demonstrativ. Vor dem Winzerkeller in Auggen zeigten Landwirte, die zur Kreismitgliederversammlung des BLHV Müllheim gekommen waren, so Solidarität mit den in Stuttgart protestierenden Berufskollegen.

Dem Kreisverbandsvorsitzenden Michael Fröhlin, seinem Stellvertreter Ulli Waldkirch und der Bezirksgeschäftsführerin Verginiya Kaerger sowie stellvertretend für die Landwirte Rainer Nußbaumer war der Protest wichtig. Denn: „Viele Berufskollegen sind nach Stuttgart aufgebrochen und auch wir hätten dies getan, wenn der Termin für die Mitgliederversammlung und die Einladungen dazu nicht schon im Dezember verschickt worden wären“, erklärte Fröhlin.

"Berufsstand wird nicht mehr geschätzt"

Dass es bei den Landwirten brodelt, war an der Stimmung zu erkennen. Ausgefeilt gehört noch das Eckpunktepapier zum Volksbegehren „Pro Biene“, der Volksantrag der Landwirte steht auch weiter im Raum, „die Düngeverordnung geht so für Baden und unsere Region gar nicht – all das hat uns 2019 beschäftigt“, zählte Fröhlin auf.

„Sind unsere Felder leer, kommt das Essen übers Meer“, hieß es bei einer Demonstration des BLHV, wie Fröhlin auf einem Foto zeigte. Dass Verbraucher sich eine „Bullerbü-Landwirtschaft“ – so ein Kommentar aus dem Publikum – wünschen, aber nicht dafür zahlen wollen, dass der Handel bei den Preisen für regionale Lebensmittel weiter Dumping betreibt, dass Lebensmittel aus anderen Staaten und Kontinenten eingeführt werden, die, weil viel weniger Vorschriften gelten, viel billiger und unter schlechten Bedingungen erzeugt werden – all das trieb die Bauern um. Und insbesondere, dass den Landwirten die Schuld am Insektensterben zugeschrieben und der Berufsstand nicht mehr wertgeschätzt werde.

Diese, für manche Landwirte allmählich existenzbedrohende Lage führt nun dazu, dass die Landwirte durch gut organisierte Proteste in den Städten sichtbar werden – denn auf „unseren Höfen und bei unserer Arbeit auf dem Feld merken wir das so nicht“, hieß es in Auggen.

Düngeverordnung nicht praktikabel

Insbesondere die neue Düngeverordnung bringt die Landwirte auf die Palme. Das hat viel mit den sogenannten „roten Gebieten“ und damit den Messstellen für Nitrat im Trinkwasser, die auf landwirtschaftlichen Flächen liegen, zu tun. Rot ist quasi fast die gesamte Rheinebene, in der viele Wiesen und Äcker liegen. „Angesichts der sowieso viel zu dünn gesäten Messstellen ist das eine Frechheit, wenn von 50 Messstellen zwei als rot bewertet werden, dann wird ein 20 Quadratkilometer großes Gebiet als nitratbelastet ausgewiesen – das ist doch der größte Unsinn“, machten die Landwirte ihrem Frust Luft. Denn: Ist ein Gebiet nitratbelastet, dann muss dort künftig die Düngerausbringung um 20 Prozent gesenkt werden.

Längst, so Fröhlin, gebe es auch auf ehemals nitratbelasteten Flächen viel niedrigere Werte. „Das gesamte Messpunktesystem stimmt nicht“, hieß es nicht nur von ihm, sondern auch von anwesenden Fachleuten.

Eckpunktepapier weiter ausfeilen

„Wir erleben oft eine Ohnmacht gegenüber der Politik und gegenüber NGOs (Nichtregierungsorganisationen)“, bekannte Fröhlin, der darauf hinwies, dass man nun mit den Protesten des Berufsstands hier nun vehement auf sich aufmerksam machen und auch im Eckpunktepapier festgehaltene Bedingungen, die in der Region schlichtweg nicht praktikabel seien, an die Realität anpassen wolle.

2019 habe der Berufsstand aber auch die bilateralen Verbindungen über den Rhein mit Berufstandskollegen ausgebaut und wolle auch 2020 daran festhalten. „Nach wie vor beschäftigte die Landwirte aus der Region das Vogelschutzgebiet bei Grißheim und auch der Rheintalbahnausbau und damit verbunden der Flächenverbrauch und die Bewässerung.

„Letzteres ist ein Desaster, wir wollen angesichts der Offenlage und Feststellung des Abschnitts 8.4 anständige Vorschläge von der Bahn“, so Fröhlin, der auch hier Unterstützung in Sachen Flurneuordnung für die betroffenen Landwirte vom Land einforderte.

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