Auggen Gesalzene Büttenreden und viel Tanz

Albert Gamb als Till Eulenspiegel Foto: Weiler Zeitung

Auggen - Sie sind ein Schlusspunkt und zugleich ein I-Tüpfelchen der Fasnacht in der Region. Die Zunftabende der Auggener Schlawinergilde. Tolle Tanznummern, Musik und vor allem richtig freche Büttenreden sorgten für zwei kurzweilige Abende in der voll besetzten Sonnberghalle.

„Wer do noch lache cha, isch immer no besser dra“, lautete das Motto aus der Feder von Beate Golay der diesjährigen Burefasnacht im Winzerdorf.

Den Auftakt bestritt mit dem närrischen Prolog der frühere Rathauschef Albert Gamb als Till Eulenspiegel. In geschliffenen Versen ließ er das vergangene Jahr Revue passieren. Den erneuten Führungswechsel bei der SPD von Martin Schulz zu Andrea Nahles, Horst Seehofers Sommertheater oder das für den CDU-Vorsitz kandidierende närrische Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau – Till hielt allen den Spiegel vor.

„Ohne EU, was soll das Gewinsel, wäre England nur eine weggespülte Nordseeinsel“, nahm Gamb den Brexit ins Visier. Oder auch das Abschneiden der Nationalelf bei der Fußball-Weltmeisterschaft: „Sogar die Schweizer kamen weiter, das macht gar nicht heiter.“

Thema Bahnausbau

Lokal war der Bahnausbau Thema: „Auggen und Hügelheim wurden kaltgestellt. Drum frag ich als Narr ganz geschwind, ob wir nur Bürger zweiter Klasse sind“. Und natürlich gab’s auch aus dem Narrenmund Kritik an den Worten des Rathauschefs bei der Bahndemo: „Lieber den Mund halten als Schwachsinn labern“, lautete Tills Rat.

Frech und spritzig der Auftritt von Neu-Schlawinerrätin Theresa Kiefer in der Bütt. „In Zitte vu Handy un Internet hesch ruck zuck eine im Bett. Das Zauberwort heißt Tinder, aber des isch nix für Kinder“, erklärte sie. Ihre Mission für den Elferrat sei ein neues Kostüm für die Frauen. Eigentlich seien es auch zwei: eines U- und eines Ü 50-Kilogramm.

Sie sind die Jüngsten in der Bütt, aber dennoch schon alte Hasen: Amy und Lou Golay begeisterten als Stadt- und Dorfkind und ließen sich darüber aus, was im Winzerdorf fehlt: „E Metzgerei! Git’s z’Schlienge, z’Neibag oder z’Mülle“, oder „Bestattungswünsche lehn sich erfülle: z’Schlienge, z’Neibag oder z’Mülle“.

Kein Auge trocken blieb auch beim Auftritt von Mike Muser als italienischer Pizzabäcker „Luigi Longo“, der sich mit der Auggener „Wirtschaftskrise“ beschäftigte, von einstmals einem Dutzend Gaststätten seien nicht mehr viele übrig geblieben.

Der Spruch des Bürgermeisters bei der Bahndemo, dass es in Auggen nur eine Tieflage – in 1,80 Metern auf den Friedhof – gibt, fand Muser so überflüssig wie das Rot und das Blau in der französischen Flagge. Deutschmann sei aber wenigstens da gewesen, anders als die rheinische Schlechtwetterfront Astrid Siemes-Knoblich aus Müllheim. Die habe lieber im Eichwald „Mein Freund der Baum ist tot“ gesungen.

Gänzlich unpolitisch doch mit viel Humor war der Auftritt von Patrick Gaess und Sebastian Hurst an der Belchen-Bar: „Die Ski werden nicht gewachst – die stehen eh nur vor der Aprés-Ski-Bar.“

Die „Gelbwesten“ Manuel Muser und Sebastian Falk forderten nicht nur eine Schorlepreisbremse oder schnelles Internet fürs Winzerdorf. „Zwei Dönerläde schön un guet, doch kei Metzger im Dorf – des sorgt für Wuet“. Auch sie griffen das Thema Bahnausbau auf und hoffen: „Eine bedrohte Tierart lässt sich doch finden.“

Blick aufs Dorfgeschehen

Zu den Glanzlichtern zählte einmal mehr Gerda Reineckers Blick auf das Dorfgeschehen. Neben Missgeschicken mit der Mikrowelle, Handwerkern, die sich am falschen Haus zu schaffen machen oder einem Hund, der sich mit dem Taxi chauffieren lässt, nahm sie insbesondere das „Wechselkarussell“ im Rathaus ins Visier.

Die drei Nordmänner Jürgen Gugelmeier, Erich Faißt und Tobias Maier kamen mit ihrem Wikingerboot den Rhein hinaufgeschippert und begeisterten mit einem witzigen musikalischen Auftritt. „Sind die Gags nit zum Brülle, warst uff em Zunftobe z’Mülle“, kommentierten sie den ausgefallenen Zunftabend im Nachbardorf.

Zur Melodie des NDW-Klassikers „Da Da Da“ sangen sie „Wo trinkt ma denn de beschte Wii, wo wenn denn alli immer hii“ und sorgten damit ebenso für Begeisterung wie mit dem auf die Auggener Fasnacht angepassten „Aloha he“ von Achim Reichel.

Zu den Glanzlichtern der Auggener Fasnacht zählen die Tanzauftritte sowohl der Mini-/Teenie-Garde als auch der ersten Garde, die mit flotten Gardetänzen ebenso zu begeistern wissen wie mit Showtanzauftritten. Flott war auch der Hästanz der „Schoppenglasschlotzer“, und die Schlawinerfrauen entführten das Publikum mit einem feschen Tanz zu Abba-Hits in die 1970er Jahre.

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