Auggen Lebensmittel vor der Tonne retten

Lebensmittel vor der Tonne retten: Das ist die Idee, die hinter der bundesweiten Initiative „Foodsharing“ steht. Seit kurzem gibt es auch in Auggen eine sogenannte „Fairteil“-Station: in der heimischen Garage von Matthias Runge.

Von Claudia Bötsch

Auggen. Zwei bis dreimal die Woche ist der Familienvater ehrenamtlich unterwegs, um Lebensmittel von Betrieben abzuholen, die sonst weggeworfen würden. In seinem Wagen landen vor allem Obst und Gemüse, Brot, aber auch (Tief)Kühlware oder süße Teilchen – „und das oft in Mengen und in Bio-Qualität“, berichtet Runge. Überproduzierte Lebensmittel, die nicht mehr verkäuflich sind.

Eher seltener gibt es abgepackte Fleisch- und Wurstwaren, die meist zum Ablaufdatum von den Betrieben abgegeben werden. „Das muss natürlich sofort verbraucht werden.“

Seine Touren führen ihn nach Müllheim, Bad Krozingen und ins Hexental. Die meisten Betriebe, die mit „Foodsharing“ kooperieren, wollen nicht genannt werden, sagt Runge. „Wir kommen quasi durch die Hintertür“, schmunzelt er. Dahinter stehe die Befürchtung, dass manchem Kunden sauer aufstoßen könnte, dass er „vorne die Ware bezahlen muss und hinten wird sie kostenlos rausgegeben“.

Quer durch die Bevölkerung

Über eine WhatsApp­Gruppe, die bereis über 30 Mitglieder zählt, informiert Runge, wann und welche Lebensmittel abgeholt werden können. Das Angebot werde von Auggenern, aber auch Auswärtigen genutzt, zum Beispiel Schliengenern, die über Mund-zu-Mund-Propaganda davon erfahren haben. Weitere Interessenten sind willkommen. Wer in die Gruppe aufgenommen werden möchte, schreibt eine WhatsApp mit seinem vollen Namen an Matthias Runge mit Bitte um Aufnahme (Tel. 0179/5943201).

Die Nutzer seien ein Querschnitt der Bevölkerung, „von der Hausfrau bis zum Arzt, vom Mechaniker bis zum Hochschullehrer“. Die Akademikerquote sei hoch.

„Hier und da auch mal was wegschneiden“

Bei dem Projekt gehe es weniger darum, Geld zu sparen, sondern um Nachhaltigkeit, macht Runge deutlich. „Im Mittelpunkt steht das Ziel, möglichst wenig Lebensmittel zu verschwenden“, betont er. „Wenn man mitbekommt, dass teilweise palettenweise Lebensmittel in den Müll wandern, die eigentlich noch gegessen werden könnten, dann ist das schon bitter“, beschreibt Runge seine Motivation, sich zu engagieren.

„Es heißt: Haltbar bis und nicht tödlich ab“

Sicher müsse man die geretteten Lebensmittel etwas genauer anschauen und prüfen: Beim Salat sind vielleicht nicht mehr alle Blätter gut, oder man müsse hier und da etwas wegschneiden. „Bei Kühlsachen muss man auch mal die Nase reinstecken“, weiß Runge. Aber das sei kein Problem. „Es heißt ja auch ,mindestens haltbar bis’ und nicht ,tödlich ab’“, macht er deutlich. Auf der „Foodsharing“-Homepage gebe es zudem jede Menge Tipps und Tricks zur Verwertung von Lebensmitteln – „zum Beispiel kann man nicht mehr ganz so frische Radieschen in kaltes Wasser stecken“. Und Grünzeug, das keinen Abnehmer mehr findet, landet auf dem Gnadenhof in Dattingen.

Von der Gurke bis zum Pilz wird eingemacht

Der Aufwand, Lebensmittel über „Foodsharing“ zu beziehen, sei definitiv größer, als wenn man das polierte Obst aus dem Supermarkt kauft – dafür ist es ökologisch.

Runge selbst ist ein Meister des Verwertens: „Ich mache alles ein: von der Gurke bis zum Pilz, sowie sämtliches Obst.“ Auch der Brei für das jüngste Familienmitglied wird selbst gemacht – „dann weiß ich, was drin ist“, sagt der Beamte in Elternzeit.

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll

Weltweit werden pro Jahr über vier Milliarden Tonnen Lebensmittel produziert, fast ein Drittel davon lande in der Tonne, berichtet Runge, der das Ganze als „Frevel“ bezeichnet. Der gemeinnützige Verein „Foodsharing“, der seit 2012 besteht und komplett von Ehrenamtlichen getragen wird, hat dieser Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Die Initiative versteht sich als bildungspolitische Bewegung und fühlt sich nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet.

Matthias Runge ist über eine Bekannte aus Müllheim, die selbst „Foodsharing“-Botschafterin und „Fairteilerin“ ist, dazu gekommen, sich als „Lebensmittelretter“ (Foodsaver) zu engagieren. Voraussetzung waren ein Test und eine Einführung zur Abholung der Lebensmittel.

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