Von Claudia Bötsch Auggen. Richtig geknallt hat es in der jüngsten Sitzung des Auggener Gemeinderats. Auslöser war der im Grunde wenig spektakuläre Punkt „Bildung des Gemeindewahlausschusses“ für die am 25. Mai stattfindenden Kommunalwahlen.Eine Sache, die in anderen Gemeinden in aller Regel anstandslos über die Bühne geht. In Auggen sorgte der Punkt indes für eine lautstarke Eskalation. Die Emotionen kochten hoch. Dazu gehörten auch Beleidigungen. Helene Franken bezeichnete ihren Ratskollegen Johannes Abel beispielsweise als „kommunalpolitisches Schnullerbaby und kommunalpolitische Flasche“. Woraufhin dieser fragte: „Sind wir jetzt etwa im Sandkasten gelandet"“ Antrag auf geheime Wahl Entzündet hatte sich der Streit an dem Antrag von Helene Franken, über die von der Verwaltung vorgeschlagenen Personen für den Gemeindewahlausschuss in geheimer Wahl abzustimmen. Das em­pfanden viele der Räte als „Provokation“ und, wie Dr. Herwig Boeckle es mit Blick auf den zusätzlichen Aufwand bezeichnete, als „Schikane“. Ingo Ehret fand es eine „Frechheit denjenigen gegenüber, die ehrenamtlich einen solchen Dienst im Gemeindewahlausschuss übernehmen“. Man brauche sich nicht zu wundern, wenn sich künftig niemand mehr für ein solches Ehrenamt bereiterkläre, schob er nach. Außerdem warf Ehret Helene Franken vor, dass sie das Ganze nur tue, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Mehrere Räte monierten, dass der mit einer geheimen Wahl verbundene Aufwand lächerlich und unnötig sei. Das Hin und Her glich einem Pulverfass, das von einer Sekunde auf die andere hochging. Die Nerven einiger Räte lagen blank. Helene Franken verwies ihrerseits lautstark auf die Gemeindeordnung und ihr Recht als Gemeinderat, einen Antrag auf geheime Abstimmung stellen zu können, dem in jedem Fall stattgegeben werden müsse. Auf Frankens Wunsch hin wurde denn auch über den Vorsitzenden und die beiden Stellvertreterposten einzeln und geheim abgestimmt. Für den Vorsitz hatte Franken alternativ Wolfgang Scheurer vorgeschlagen. Dieser hatte der Verwaltung gegenüber im Vorfeld allerdings schon erklärt, dass er sich im Wahlausschuss engagieren werde, jedoch nicht den Vorsitz übernehmen könne. Das Ergebnis der Wahl deckte sich am Ende mit dem Vorschlag der Gemeinde. Demnach wird Johannes Abel den Vorsitz des Gemeindewahlausschusses übernehmen. Abgesehen von einer Stimme für Wolfgang Scheurer wurde er vom Gremium einstimmig gewählt. Die Stellvertreter-Posten übernehmen Hartmut Schmidt und Verena Gamb. Sichtlich gekocht während des gesamten Prozederes hat auch Hauptamtsleiter Dirk Ehret. Er lasse sich nicht vorwerfen, gegen das Gesetz zu handeln, betonte er mehrfach. Darum lasse er, wenn nötig, zusätzlich auch über alle 18 Beisitzer und deren Stellvertreter abstimmen. Fakt sei jedoch, „dass die gängige Praxis in allen anderen Gemeinden, die ich kenne, anders aussieht. Alle stimmen offen und en bloc ab“, monierte er den „unverhältnismäßigen Aufwand und das langwierige Prozedere“. Bei einer Schulung vor einer Woche bezüglich der Kommunalwahlen hätten ihm das 60 Kollegen und auch der Seminarleiter zudem bestätigt. Franken entgegnete darauf: „Wenn alle bei minus 20 Grad von der Brücke springen, macht ihr das dann auch"“ Die Äußerungen der Räte gingen wild durcheinander. Helene Franken brüllte, ihre Ratskollegen hätten „keine Ahnung von Kommunalpolitik“. Die Szenerie hatte etwas vom „Kasperletheater“, wie einer der Räte sich empörte. So konnte sich auch kaum einer der Bürger, die als Zuhörer die Sitzung verfolgten, das Lachen verkneifen. Keine Frage: Die Sitzung hatte Unterhaltungswert.