Auggen Zugunglück in Auggen: Lokführer stirbt bei Zusammenprall mit Betonteil

Auggen - Ein schweres Zugunglück hat sich am Donnerstag gegen 19.30 Uhr auf der Rheintalbahn bei Auggen ereignet. Dabei kam der 51-jährige Lokführer ums Leben.

 

Der Unglücksort befindet sich an der Überführung Fischerpfad, wo derzeit im Zusammenhang mit dem Ausbau der Rheintalbahn eine neue Brücke gebaut und eine alte Brücke abgerissen wird. Ersten Erkenntnissen zu Folge stürzte ein rund 140 Tonnen schweres Betonteil von der im Rückbau befindlichen Brücke in den Gleisbereich. Der Lokführer eines in Richtung Italien fahrenden Zugs der Rollenden Landstraße konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und kollidierte in der Folge mit dem Brückenteil, dabei entgleiste die Lok und der sich dahinter befindende Waggon. Durch den Aufprall erlitt der Triebfahrzeugführer tödliche Verletzungen, teilte die Polizeisprecherin Laura Riske am Unfallort mit.

 

Im Waggon hinter der Lok befanden sich insgesamt zehn Lkw-Fahrer. Einer war eingeklemmt und musste von der Feuerwehr aus den Trümmern befreit werden. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Zwei weitere wurden leicht verletzt und vom DRK-Rettungsdienst versorgt. Sieben weitere Lkw-Fahrer blieben unverletzt. Sie wurden von Hilfskräften des Roten Kreuzes betreut. Zudem waren Dolmetscher angefordert worden.

 

Durch die Vermittlung von Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann konnten die betroffenen Lkw-Fahrer im Gasthaus "Bären" untergebracht und verpflegt werden, das im Zuge der Corona-Pandemie geschlossen ist.

 

Rund 130 Hilfskräfte im Einsatz

 

Die Hilfsdienste sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. Rund 130 Einsatzkräfte befinden sich vor Ort, darunter 70 Wehrleute der Feuerwehren aus Auggen, Müllheim und Neuenburg am Rhein, 40 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie 20 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) Ortsverband Müllheim.

 

Verantwortliche des Eisenbahnbundesamts, Kriminaltechniker der Kriminalpolizei Freiburg sowie Experten des Landeskriminalamts befinden sich vor Ort und haben die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen.

 

Zeitintensive und schwierige Bergung


Die Helfer rechnen mit schwierigen und zeitintensiven Bergungsarbeiten, hieß es am Freitag. Laut Angaben der Feuerwehr müssten Betonteile sowie der verunglücke Güterzug mit Kränen und Spezialmaschinen von den Schienen geholt werden.

 

ICE passierte wenige Minuten vorher die Unfallstelle

 

Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann war noch am Unfallabend vor Ort und zeigte sich zutiefst betroffen. Er spricht von einer Verkettung unglücklicher Umstände und das im Zuge des Rückbaus der Brücke etwas fundamental falsch gelaufen sein müsse. Das Betonteil sei laut Augenzeugen unmittelbar vor dem Güterzug heruntergestürzt. "Es ist schon schlimm genug, nicht auszudenken wäre jedoch, wenn ein ICE in die Unglücksstele gefahren wäre", stellt der Bürgermeister fest und erinnert daran, dass sich auf Höhe von Auggen normalerweise Güterzüge und ICE begegneten. Berichten zufolge soll erst wenige Minuten vorher ein ICE die Unfallstelle passiert haben.

 

"Unsere Gedanken sind bei der Familie des verunglückten Lokführers und wir wünschen den verletzten vollständige Genesung", sagt der Rathauschef und bedankte sich zugleich bei allen Helfern und Rettungskräften, die Hand in Hand zusammengearbeitet hätten. "Da sieht man wie wichtig die Rettungskräfte für die Bevölkerung sind". Ein Glücksfall sei die aktuell laufende Blutspendeaktion in der Sonnberghalle, so dass das Rote Kreuz bereits die Infrastruktur für die Versorgung und Verpflegung der Hilfskräfte aufgebaut hatte.

 

Rückbau der Brücke war am Wochenende geplant

 

Der eigentliche Rückbau der Brücke hätte in der Nacht von Samstag auf Sonntag stattfinden sollen, wie die Bahn in den vergangenen Tagen mitgeteilt hatte.

 

Rollende Landstraße von Freiburg ins italienische Novara

 

Der Zug der Rollenden Landstraße von SBB Cargo International fuhr von Freiburg im Breisgau in Richtung Basel und wäre weiter nach Italien mit Ziel Novara verkehrt. Gezogen wurde der Zug von einer Lokomotive der BLS; verantwortlich für den Bahnverkehr bis Basel ist allerdings SBB Cargo International. Im Auftrag von Ralpin – der Rollenden Autobahn – fahren BLS Cargo und SBB Cargo International die Züge der Rollenden Landstraße gemeinschaftlich, wobei die SBB Cargo International die deutschen und italienischen Streckenabschnitte betrieblich verantwortet.

Sven Flore, CEO von SBB Cargo International, ist tief betroffen: 2Ich bin bestürzt und bedaure dieses tragische Zugunglück zutiefst. In Gedanken sind wir beim verunglückten Lokführer und seinen Angehörigen – mein aufrichtiges Beileid. Den Verletzten wünschen wir rasch gute Besserung.2 SBB Cargo International unterstützt die deutschen Behörden bei der Ermittlung der Unfallursache.

Schienenersatzverkehr

 

Durch die Komplettsperrung der Rheintalstrecke zwischen Basel und Freiburg im Breisgau kommt es zu Zugausfällen und Verspätungen. Züge im Fernverkehr der Deutschen Bahn aus/in Richtung Norden enden/beginnen in Freiburg, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Bahn. Zwischen Müllheim und Schliengen wird ein Busersatzverkehr eingerichtet. Von dort besteht mit dem Regionalverkehr Anschluss nach Basel beziehungsweise Freiburg. Die Reisezeit verlängert sich hierdurch um bis zu 90 Minuten. Die Beeinträchtigungen werden nach Angaben der Bahn voraussichtlich bis Montagvormittag andauern.

 

Erinnerung an Zugunglück im Jahr 2011 in Müllheim

 

Bei den Hilfskräften und der Bevölkerung im Markgräflerland wurden Erinnerungen an das jüngste schwere Zugunglück im Sommer 2011 wach, als ein Güterzug wegen einer schadhaften Weiche nur wenige Kilometer von der jetzigen Unfallstelle entfernt im Bereich des Müllheimer Bahnhofs entgleiste.

 

(Letzte Aktualisierung um 13.30 Uhr)

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