Auggen Schmitz’ Handschrift ist bereits gut hörbar

Silke Hartenstein
Neu am Taktstock: Udo Schmitz (rechts) Foto: Silke Hartenstein

„Der Neue stellt sich vor“. Das war im doppelten Sinne wörtlich gemeint beim Jahreskonzert des Musikvereins Auggen am Dreikönigstag. Profimusiker Udo Schmitz hatte hier seinen ersten öffentlichen Auftritt als Dirigent des Jugend- und Aktivorchesters und erzählte, gekoppelt an das Repertoire, von Stationen seines Werdegangs.

Er erzählte, gekoppelt an das Repertoire, von Stationen seines Werdegangs. Das Interesse am „Neuen“ und am Konzert war groß, die große Sonnberghalle nahezu voll besetzt und das Publikum samt Vertretern benachbarter Musikvereine genoss ein stilistisch weit gefächertes Repertoire.

Bereits beim Jugendorchester gesellten sich gern gespielte Stücke wie das Medley von Michael Jacksons Hits „King of Pop“ zu modernen Klanggemälden mit „Moai – Song of Ancient Giants“ des zeitgenössischen Komponisten Michael Sweeney. Hier lag der Schwerpunkt auf der Rhythmik, gut umgesetzt durch die fünfköpfige Percussionsgruppe, rhythmisches Klatschen, dazu suggestive Flötentöne und exotische Melodik. Dass viele Musiker auf der Bühne das Jugendalter bereits hinter sich gelassen hatten, lag auch an den erwachsenen Quereinsteigern. Auch zum Aktivorchester gehören mittlerweile drei Quereinsteiger, erzählte Musikvereinsvorsitzender Tobias Meier.

Passend zum Feiertag eröffnete das Aktivorchester sein Programm mit Paul Dukas festlich-strahlender, impressionistisch angehauchter „La Péri Fanfare“. Weiter ging es mit James Barnes „Yorkshire Ballad“, einer Reminiszenz des Dirigenten an seine Zeit an der Musikakademie in Staufen. Bei dieser getragen-melodiösen Ballade habe er dort die Aufgabe gestellt bekommen, „Holz- und Blechbläser zu einem schönen Blumenstrauß zu vereinen“. Diese Aufgabe erfüllte er auch an diesem Abend.

Seit Oktober 2023 arbeiten Schmitz und die Musiker zusammen. In dieser kurzen Zeitspanne verschmelzen Dirigent und Orchester noch nicht zur Einheit, doch Schmitz’ Handschrift war bereits gut hörbar. Die sehr gute Dynamik, hervorragende Disziplin, punktgenaue Einsätzen und gelungene Übergänge von ruhigen zu temperamentvollen Passagen kamen auch beim modernen Klassiker, Jacob de Haans „Oregon“ zum Tragen.

Als zwölfjähriger Hornist, sagt Schmitz, habe er bei Orchesterfreizeiten etwa in der Eifel diese abenteuerliche Zugfahrt durch den Wilden Westen kennen gelernt. Und so ging es auf einen zart zurück genommenen Start in Moll mit ausgeprägtem Crescendo, mit Lokpfeifen und trappelnden Pferdehufen, schönen Wechselspielen aus hohen und tiefen Lagen und wunderbar weichen Passagen hinein in das abwechslungsreiche Werk.

Schmitz’ Vorliebe für Pop und Rock spiegelte sich wider im „Phil Collins Medley“, seine erklärte Absicht, verschiedene Konzertformate auszuprobieren, fand sich in „Gabriella’s Song“, ausdrucksvoll mit warmer Stimme gesungen von Emma Danzeisen. Beim Publikum kam das hörbar gut an. Manfred Schneider, Arrangeur des Medleys aus Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“, war Schmitz’ Banknachbar während seines Wehrdienstes im Heeresmusikkorps – und so interpretierte das Blasorchester das Musical mit fließenden Übergängen von kraftvollen Titeln zu zarten lyrischen Momenten, locker-lässigem Swing und sauberen Stakkati bis zum gefühlvollen „Somewhere“. Auf kräftigen Beifall folgten als Zugaben ein Marsch, nochmals „Gabriella’s Song“ und ein letzter, lang anhaltender Applaus.

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