Auggen Zugunglück: Strafbefehle beantragt

Claudia Bötsch
Bei dem schweren Zugunglück in Auggen ist am 2. April 2020 ein Lokführer ums Leben gekommen. Archivfoto: Volker Münch Quelle: Unbekannt

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat das Verfahren zum schweren Zugunglück in Auggen, bei dem vor zweieinhalb Jahren ein Lokführer ums Leben kam, weitestgehend abgeschlossen. Die Behörde hat jetzt gegen 14 Beschuldigte Strafbefehle beim Amtsgericht Müllheim beantragt. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässiger Eingriff in den Bahnverkehr und Baugefährdung – zum Teil durch Unterlassen – vorgeworfen.

Von Claudia Bötsch

Auggen/Freiburg. Alle Beschuldigten waren am Brückenrückbau beteiligt, im Zuge dessen ein 140 Tonnen schweres Brückenteil auf die Gleise der Rheintalbahn gestürzt war. Ein Güterzug war mit dem Hindernis kollidiert, der 51 Jahre alte Lokführer starb noch an der Unfallstelle. Darüber hinaus wurden drei Lastwagenfahrer verletzt, deren Fahrzeuge mit dem Zug transportiert wurden.

Unglück im Zusammenhang mit Brückenrückbau

Das Unglück ereignete sich am 2. April 2020. Wenige Tage zuvor hatten vorbereitende Arbeiten für den geplanten Abbau der alten Fischerpfadbrücke stattgefunden. Dabei wurden Längs- und Querschnitte der Brückenfahrbahn durchgeführt und zugleich eine Absturzsicherung angebracht, heißt es im Bericht der Staatsanwaltschaft. Die einzelnen Brückenteile sollten dann am 4. und 5. April abgebaut werden.

Verletzungen der Sorgfaltspflicht

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass menschliches Versagen zu dem Unglück geführt hat. Dies hatte auch ein Gutachten der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung vom Juli 2021 ergeben. Demnach war der Absturz des Brückenteils durch das Versagen einer sogenannten Kippsicherung ausgelöst worden. Das 140 Tonnen schwere Teil der abrissreifen Brücke sei nicht ausreichend gesichert gewesen.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen war der Absturz der Fahrbahnhälfte schlussendlich auf das Zusammenspiel von verschiedenen Sorgfaltspflichtverletzungen bei der Planung, Überwachung, Ausführung und Montage zurückzuführen, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit.

14 Beschuldigte zwischen 29 und 96 Jahren

Die Beschuldigten sollen jeweils in unterschiedlicher Art und Weise verschiedene Funktionen im Zusammenhang mit der Bauplanung, der Statik-Planung, der Prüfung, der Überwachung und der Durchführung der Montage innegehabt und in dieser Funktion jeweils sorgfaltspflichtwidrig gehandelt haben.

Gegen acht Beschuldigte hat die Staatsanwaltschaft Freiheitsstrafen zwischen sechs und acht Monaten auf Bewährung beantragt, gegen die übrigen Geldstrafen zwischen 9000 und 13 500 Euro. Die 14 Beschuldigten sind zwischen 29 und 96 Jahre alt.

Amtsgericht entscheidet über weiteren Fortgang

Das Verfahren obliegt nun dem Amtsgericht Müllheim, das die Strafbefehle prüft und damit auch über den Erlass der Anträge entscheidet. Die Strafbefehlsanträge wurden vom Gericht zunächst zur Kenntnis- und Stellungnahme den jeweiligen Verteidigern übersandt.

Werden die Strafbefehle erlassen, gelten sie als rechtskräftig, sollten die Beschuldigten binnen einer festen Frist keinen Einspruch erheben. Falls es zu Einsprüchen kommt, gibt es eine Gerichtsverhandlung.

Darüber hinaus läuft ein Verfahren gegen einen 15. Beschuldigten, hier seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

5,5 Millionen Euro Schaden und Vollsperrung

Der durch das Zugunglück verursachte Sachschaden belief sich auf rund 5,5 Millionen Euro. Der Wiederaufbau der Bahnstrecke dauerte etwa eine Woche. Währenddessen war die Rheintalstrecke für den Bahnverkehr vollständig gesperrt.

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