Von Jutta Schütz

Bad Bellingen-Hertingen. Der Kirchenraum der Hertinger Kirche ist fertig. Nur eine alte Gardine an der Treppe erinnert noch an das Siebziger-Jahre-Interieur. Auch die Orgel ist zurück. Sie steht auf ihrem alten Podest auf einem nagelneuen hellen Teppich.

Viele haben für deren Restaurierung gesammelt: Privatleute, die Gemeinde und der in der Chorgemeinschaft Bad Bellingen aufgegangene Männerchor aus Hertingen. Zuschüsse gab es auch.

Nun wird die 227 Jahre alte Hertinger Bernauer-Orgel am ersten Weihnachtstag im Gottesdienst um 10.30 Uhr wieder erklingen. Orgelbauer Jens Steinhoff baut das Instrument gerade wieder auf und intoniert die Orgel.

In der Kirche ist die verschiebbare Glaswand, die zur Raumunterteilung eingesetzt wird, neu. Die Brüstung auf der Empore wurde erhöht und so den Sicherungsbestimmungen angepasst. Die restaurierte Orgel ist auf der Empore nach vorne gewandert: „Ihr Spiel ist nun bei den Gläubigen viel deutlicher zu hören, der Klang füllt den Kirchenraum so viel besser aus“, ist Jens Steinhoff überzeugt.

Auch wenn man eine Orgel akribisch in ihre Einzelteile zerlegt und das mit Fotos dokumentiert, so wie im Juli beim Abbau geschehen, gibt es bei der Restaurierung eines so alten Instruments nichts, was es nicht gibt. Erwartet worden war der Holzwurm – der aber hatte sich gar nicht eingenistet. Dafür aber waren die erst 40 Jahre alten Lederabdichtungen der Bälge marode. Ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum für die Haltbarkeit von Leder.

„Da mussten wir was machen, und letztendlich wird die Restaurierung damit doch teurer werden als geplant, 14 000 Euro waren veranschlagt“, berichtet Steinhoff. Die Bälge sind jetzt mit ganz weichem, feinen Ziegenleder luftdicht gemacht. „Echt badische Ziege“, meint Steinhoff dazu.

Wie andere Kirchengemeinderäte war Jürgen Wolf davon ausgegangen, dass auch der Farbauftrag auf dem Orgelgehäuse erneuert werden muss (wir berichteten). Das „Trabigrau“ aber ist womöglich historisch, ist Jens Steinhoff überzeugt. Und auch die bunten Farbaufträge auf den Blumengirlanden der Schleierwerke sind sehr alt. „Also habe ich mir gesagt, Finger weg und so lassen“, sagt der Orgelbauer.

Über 500 Pfeifen hat die Bernauer-Orgel – auch diese wurden „durchgeprüft“. Sie werden nun nach den Schriften des Barockorganisten Johann Jakob Neidhardt gestimmt. Auf den Terzen liegt dabei der Schwerpunkt. Terzen erzeugen Wohlklang und damit Harmonie. „Wohlklang und Harmoniegefühl ergänzen sich zu Weihnachten bestens“, findet Wolf.