Von Jutta Schütz

Einen Teil der Veranstaltungen der diesjährigen Bad Bellinger Mundarttage im Schlosspark abzuhalten, erwies sich als goldrichtig – ein großes Publikum fand den Weg in die kleine Grünoase im Ortszentrum und verteilte sich an bereit gestellten Tischen und Stühlen.

Bad Bellingen. Zum Auftakt am Samstag hatte die Bade- und Kurverwaltung – und hier verantwortlich Dennis Schneider aus dem Bereich Marketing – zu Veranstaltungen mit Stefan Pflaum und Ulrike Derndinger und Heinz Siebold in den Schlosskeller und nachfolgend zur Theateraufführung der Theatergruppe Bamlach ins Kurhaus eingeladen.

Mundart-Gesang, ob rockig oder im Country-Stil, ob als Ballade oder volkstümlich gespielt und gesungen, kommt bei trockenem warmen Wetter als „Freiluft-Veranstaltung“ einfach bestens an. Mit einem Gläschen Wein oder Sekt vor sich auf dem Tisch oder in der Hand saßen über 100 Mundartfans im Schlossgarten, sangen oder klatschten mit.

Sie feierten die Lokalmatadore aus Rheinweiler, die junge Band Pocket Rock, die moderne Songs mit alemannischen Texten vortrug, die „Knastbrüeder“ aus Schopfheim, die im Markgräflerland eine große Fangemeinde haben und den „elsässischen Jacques Brel“, Robert Frank Jacobi, begleitet von Akkordeonistin Anita Pirman.

Er erinnerte an das Verschwinden des Elsässischen: „In 40 Jahren kann man nur noch vom Band hören, wie wir einmal gesprochen haben.“ Er brachte aber auch nachdenkliche leise Töne und einen hintersinnigen elsässischen Humor in schönster Chansonnier-Manier zu Gehör.

Der neue alemannische Rock-Ohrwurm von Pocket Rock dürfte nach der „Fleischkäsballade“ und „Merci“ „Adrenalin“ werden – von Bandmitglied Thomas Schmid geschrieben und komponiert. Der Song wurde nachdrücklich noch einmal als Zugabe eingefordert.

Die Knastbrüder hatten eine Art Heimspiel. Ihre Songs sind beliebt, die Texte sind bekannt und animierten deshalb zum Mitsingen und Mitlachen. Wie Lebensmittel und Sachartikel in Hieber-Läden im „Hieberlied“ ein Eigenleben à la „nachts im Supermarkt“ entwickeln oder Erinnerungen an haarsträubende Motorradtouren wach werden, das ist bester Humor in Liedform. Der „Ausverkauf“ des Wiesentals, verbunden mit dem Bauboom und Profitmaximierung war das kritische Song-Thema der Schopfheimer „Knaschtbrüeder“ Jeannot und Christian.

Die Lokalität – der Schlosspark als Veranstaltungsort – bekam viel Zustimmung: „Gemütlich, die Akustik ist gut, die Bäume spenden Schatten oder Regenschutz. „Man hört kaum etwas von der Straße“, hieß es.

Dennis Schneider, der zusammen mit Siegfried Jürgens die Veranstaltungen managte, zeigte sich bereits am Sonntag positiv überrascht von der Resonanz: „Natürlich fängt man ein Jahr ohne Mundarttage, wie 2016, nicht einfach so auf – aber dass beim Neustart so viele Leute kommen und vor allem auch so viele Künstler auf Anhieb wieder mitmachen wollten, das hat mich sehr überrascht und gefreut“, sagte er.

Nach den Mundarttagen ist vor den Mundarttagen. Schneider hofft darauf, dass im nächsten Jahr wieder Bürger einsteigen, „die bei der Organisation mithelfen möchten, da es viel mehr Spaß macht, wenn nicht alles nur an einem oder zwei Verantwortlichen hängt“.