Bad Bellingen „Aus für das Baugebiet“

Das potenzielle Baugebiet „Weingarten“ liegt am Ortsrand von Rheinweiler. Foto: Claudia Bötsch Foto: Weiler Zeitung

Auf breite Ablehnung ist im Bad Bellinger Gemeinderat der geänderte Lärmschutz für das Baugebiet „Weingarten“ in Rheinweiler gestoßen. „Ich bin entsetzt“, echauffierte sich Ratsmitglied Wolfgang Müller nach dem Vortrag der Planer.

Von Claudia Bötsch

Bad Bellingen-Rheinweiler. Das Gremium lehnte den Bau einer sogenannten Scheinfassade geschlossen ab, zwei der Räte enthielten sich. „Das ist das Ende dieses Baugebiets“, reagierte Frank Edelmann von der Rüdiger Kunst-Kommunalkonzept GmbH auf die Entscheidung des Gemeinderats.

Problematische Lärmsituation

Fakt ist: Die Lärmsituation im geplanten Baugebiet ist durch die nahegelegene Bahn und Autobahn nicht einfach. Die Pegelwerte liegen tags in Teilen über dem Schwellenwert der Gesundheitsgefährdung, machte der Planer deutlich. Ohne entsprechenden Lärmschutz könne ein Baugebiet demnach nicht realisiert werden. Zunächst hatten die Planer eine Lärmschutzwand auf Bahngelände angedacht. Hierfür wäre jedoch ein Planfeststellungsverfahren von Nöten, das mindestens dreieinhalb Jahre in Anspruch nehmen würde. Fachleute, die solche Planfeststellungsverfahren mit der DB Netz vorbereiten, würden wegen des großen Zeitverzugs stark davon abraten, gab Edelmann zu bedenken.

„Schnellste und effizienteste Maßnahme“

Als „schnellste und effizienteste Maßnahme“ stellte der Planer eine sogenannte Scheinfassade vor. Diese sei wertig und sogar besser als eine Lärmschutzwand und bedeute eine „starke Verbesserung für das Baugebiet“. Die Scheinfassade mit einer Höhe von rund zwölf Metern und 53 Metern Länge habe den Vorteil der Zeitersparnis, da sie auf Eigentümergelände errichtet und damit ohne die Bahn geplant werde, so Thomas Heine vom Ingenieurbüro Heine und Jud. Gleichzeitig sorge sie für „deutlich mehr Wohnqualität“. Auch die spätere Pflege sei dadurch erleichtert.

Architekt Florian Kübler vom Büro Barton S-Ass zeigte mögliche Beispiele einer solch großen Glasfläche, „die möglichst transparent ausgeführt werden soll“. Eine Struktur auf der Scheibe sei nötig, um sie für Vögel kenntlich zu machen, eine „starke Aussicht“ sei dennoch möglich. Er zeigte Scheinfassaden-Beispiele aus Städten, denn dörfliche Beispiele finde man nicht.

Reaktionen aus dem Ratsrund

„Das ist eine Unverschämtheit“, reagierte FW-Gemeinderat Müller auf die Ausführungen. „Diese Scheinfassade ist eine Scheinlösung“, warf er den Planern vor. Die Fassade sehe schrecklich aus und gehe zu Lasten der Leute, die dort wohnen. „Das wird doch heiß dort, die Leute brauchen Luft.“ Zudem befürchtete Müller, dass der Lärm durch die Fassade ins Dorf zurückstrahle. Heine entgegnete, dass es lediglich eine geringe Rückstrahlung gebe.

„Ich komme mit dieser Lösung gar nicht klar“, betonte Silvia Heitz (SPD). „Unvorstellbar in dieser dörflichen Umgebung  – furchtbar“, schlug Daniel Billich (Freie Wähler) in die gleiche Kerbe. „Der Gemeinde wurden hier größtmögliche Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt“, hielt Edelmann dagegen. „Die Konsequenz aus dem Ganzen ist: Es gibt keine Wohnungen.“

Wolfgang Schwab (CDU) und René Schladerer (Freie Wähler) plädierten dafür, dann doch in den sauren Apfel zu beißen, die Lärmschutzwand an der Bahn umzusetzen und die lange Wartezeit in Kauf zu nehmen. „Gebaut werden kann in diesem Fall erst, wenn der Lärmschutz umgesetzt ist“, gab Edelmann zu bedenken.

Baugebiet mit langer Vorgeschichte

Das potenzielle Baugebiet am Ortstrand von Rheinweiler beschäftigt den Gemeinderat schon seit einigen Jahren. Zunächst war ein Modellquartier geplant, das im Zuge der Internationalen Bauausstellung (IBA) Basel 2020 realisiert werden sollte. Allerdings geriet das Verfahren damals, im Frühjahr 2016, ins Stocken, und die Gemeinde suchte sich einen neuen Investor. Rund ein halbes Jahr später wurde ein neues Konzept vorgestellt, es folgte die Offenlage für den Bebauungsplan bis zum 11. Januar 2017.

Im dritten Anlauf kam der neue Projektentwickler „G und L Wohnkonzepte GmbH“ aus Emmendingen ins Spiel. Die aktuelle Entwurfsplanung wurde im Mai im Ratsrund vorgestellt. Diese sah für das 1,3 Hektar große Baugebiet zwei Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohnungen und 26 Doppelhaushälften vor.

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