Bad Bellingen Ein Drittel der Badegäste fehlt nach wie vor

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Die Besucherzahlen der Balinea Thermen schwanken. Foto: zVg

Bad Bellingen (jut). Eine Eilentscheidung von Bürgermeister Carsten Vogelpohl, die die Stabilisierungshilfe des Landes für Heilbäder und Kurorte betrifft, stand auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Einnahmen fehlen

Die Balinea Thermen hatten im vergangenen Jahr 718 000 Euro inmitten der Corona-Pandemie als Stabilisierungshilfe erhalten. Mitte Juli wurde nun daraus eine weitere Rate von 200 000 Euro an die Bade- und Kurverwaltung (BuK) ausgezahlt. Denn nach wie vor fehlen der Therme Besucher und damit Einnahmen, wie der Geschäftsführer der Bade- und Kurverwaltung, Dennis Schneider, in der Ratssitzung mitteilte.

Die 718 000 Euro Stabilisierungshilfe für die Balinea-Therme waren vom Land kurz vor Weihnachten 2021 an die Gemeinde ausgezahlt worden. Zu dem Zeitpunkt hatte die Kommune aber schon ihren Haushaltsplan für das Jahr 2022 fertiggestellt. Die Auszahlung der eingegangenen Hilfsfinanzierung an die Kurverwaltung stand demnach nicht im Haushaltsplan 2022. Der eingegangene hohe Betrag führte deshalb zu einem überplanmäßigen Ertrag und zu einer Mehreinnahme noch im Haushalt für 2021.

Der Gemeinderat beschloss am 21. März eine erste Auszahlung an die Bade- und Kurverwaltung Bad Bellingen GmbH. Überwiesen wurden 150 000 Euro. Jetzt machte aber die nach wie vor nicht befriedigende „Entwicklung der Liquidität“, wie es in der Ratsvorlage hieß, schnell eine weitere Auszahlung nötig, diesmal in Höhe von 200 000 Euro. Aus der Stabilisierungshilfe sind nun noch 368 000 Euro vorhanden. Weitere Zahlungen an die Buk können bis zu diesem Betrag von der Verwaltung geleistet werden.

Corona, Inflation, Gas-Krise

„Erst die Corona-Pandemie, jetzt als Folge des Kriegs in der Ukraine die hohe Inflation und die Gas-Krise – all das wirkt sich auf die Therme aus. Deshalb haben wir heute Dennis Schneider eingeladen, der uns zur Lage der Therme einen Sachstandsbericht geben wird“, informierte Bürgermeister Carsten Vogelpohl.

Die Therme befinde sich nicht in der Liquidation, stellte er klar. 280 000 Euro liegen aktuell auf dem Konto der BuK. Aber die bisher aus der Landeshilfe ausgezahlten Gelder seien aufgezehrt, weil nicht nur der laufende Betrieb, sondern auch Reparaturen und technische Maßnahmen finanziert werden müssten. Schneider hielt fest, dass man bei einer „Nullnummer“ liege – sprich keinen Gewinn, aber auch keinen Verlust mache –, wenn die durchschnittliche Besucherzahl im Bad bei 400 Gästen täglich liege. Insgesamt sei die Zahl aber stark schwankend. Die aktuelle Corona-Krankheitswelle sei spürbar.

„Unser Publikum ist älter und damit auch anfällig. Uns fehlt nach wie vor ein Drittel der Badegäste, die wir zahlenmäßig vor Corona hatten, das sind derzeit rund 120 bis 150 Gäste am Tag“, stellte er fest. Insbesondere die Besucher aus der Schweiz und aus Frankreich kommen nicht in der Anzahl wie noch 2019, sagte er. Auch die Kauflaune der Gäste sei wegen Inflation & Co. gesunken.

2021 habe die Therme ein Defizit von 1,5 Millionen Euro verzeichnen müssen.

Defizit auch 2022

Zum Jahresende 2022 zeichne sich ein Defizit von 1,4 Millionen Euro ab.

Bei der Gasversorgung habe man einen Vertrag mit der Badenova, der noch bis 2023 läuft und die Badenova verhalte sich vertragskonform, was positiv sei, berichtete Schneider weiter. Was danach kommt, wisse man nicht – auch nicht, ob es einen Gasboykott geben werde. „Wir sind umgeben von Unwägbarkeiten“, erklärte er.

Silvia Heitz (SPD) fragte nach, wie die Lage in anderen Thermen aussehe. „Andere Bäder haben teils noch größere Probleme, unser Besucheranteil sieht da noch positiv aus“, antwortete Schneider.

Laufende Kosten könne die BuK bestreiten und auch die Darlehen wieder bedienen. Hier fallen pro Vierteljahr 60 000 bis 70 000 Euro an. „Wir haben mit einem Kontokorrentkredit ein sicheres Polster, das ich aber gerne wieder aufstocken würde“, wünschte sich Schneider abschließend.

Weitere Zahlungen

Der Gemeinderat nahm die Eilentscheidung des Bürgermeisters zur Kenntnis. Die Verwaltung wurde mit einer Gegenstimme (Niclas Heitz, CDU) ermächtigt, weitere Zahlungen bis zum Betrag von 368 000 Euro an die BuK zu leisten.

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