Bad Bellingen Eine Vision für den Kurort entwickeln

Der Neujahrsempfang lockte wieder zahlreiche Besucher ins Bad Bellinger Kurhaus – darunter auch viele Ehrengäste. Fotos: Claudia Bötsch Foto: Weiler Zeitung

„Alltagsprobleme müssen entschlossen gelöst werden, eine Gemeinde braucht aber auch eine Vision“: Das machte Bürgermeister Carsten Vogelpohl beim Bad Bellinger Neujahrsempfang deutlich. Bei seinem Jahresrück- und ausblick ging er auf die zentralen Themen und Projekte des Kurorts ein, der als Tourismus- und Wohnstandort besonderen Herausforderungen begegnen müsse.

Von Claudia Bötsch

Bad Bellingen. Im vergangenen Jahr feierte die Gemeinde „50 Jahre Heilbad“ – „da zwickt es doch an der einen oder anderen Stelle“, meinte Vogelpohl. Die Gemeinde befinde sich in einem Umbruch, der vergleichbar sei mit der Anfangszeit Ende der 1960er-Jahre, als aus dem kleinen Winzerdorf ein Heilbad wurde. Im vergangenen Jahr habe man gerade einmal noch 210 000 Übernachtungen gezählt – in Spitzenzeiten, vor den Gesundheitsreformen in den 1980er-Jahren, waren es fast eine halbe Million. „Jedes Jahr schließen Beherbergungsbetriebe, die Infrastruktur des Kurbetriebs ist in Teilen veraltet“, so der Rathauschef.

Wachsender Wohnort, schrumpfender Tourismus

Gleichzeitig sei Bad Bellingen heute auch eine „attraktive, wachsende Wohngemeinde“. Allein im vergangenen Jahr ist die Einwohnerzahl um rund 200 Personen auf annähernd 4700 Einwohner gestiegen. „An vielen Ecken wird gebaut.“ Und das Baugebiet „Hinterm Hof II“ sei fast voll belegt.

„Wir schrumpfen also und wachsen zugleich. Diese gegenläufigen Entwicklungslinien zusammenzubringen, das ist unsere große Herausforderung“, machte der Bürgermeister deutlich.

Bad Bellingen investiert so viel wie noch nie

Im Jahr 2019 habe man viele Projekte angestoßen, die in diesem Jahr zum Tragen kommen. 2020 investiert die Gemeinde Bad Bellingen mehr als acht Millionen Euro – soviel wie noch nie. Die größte Investition entfalle auf die Generalsanierung der Bamlacher Halle, die gleichzeitig mit einem Ausbau des Kindergartens einhergeht. „Hier greifen wir mit 3,6 Millionen Euro tief in die Tasche.“ Ziel der Maßnahme sei auch eine optimierte Vereinsnutzung.

Ganztagsbetreuung an der Grundschule geplant

Ausbauen will die Gemeinde zudem das Betreuungsangebot an der Grundschule: Ab Herbst soll es dort eine Ganztagsbetreuung geben, die täglich bis 17 Uhr angeboten wird. Auch soll es wieder eine ganztägige Sommerferienbetreuung geben, die 2019 erstmals zusammen mit dem SAK Lörrach angeboten wurde. „Insgesamt sind wir auf dem Weg zu einer sehr guten Infrastruktur für junge Familien“, so Vogelpohl, dem es auch wichtig gewesen sei, wieder in allen vier Ortsteilen einen Kindergarten vorzuhalten. Als Ziel nannte er zudem, in jedem Ortsteil Baugrundstücke anbieten zu können, und verwies auf entsprechende Planungen.

Vogelpohl blickte zudem auf laufende Großprojekte wie das Mehrfamilienhaus der Baugenossenschaft Familienheim, das Seniorenwohnheim der Stella-Vitalis-Gruppe und die neuen Häuser des Marienheims Bamlach.

Darüber hinaus lenkte er den Blick auf Projekte wie die Aufwertung des Bad Bellinger Rheinufers und den Bau eines Aussichtsstegs, die im Zuge der Internationalen Bauausstellung Basel in diesem Jahr erfolgen. „Eine Idee wäre zudem, die alte Drahtseilfähre zur Rheinmittelinsel zu reaktivieren“, regte Vogelpohl an – vorausgesetzt, die französischen Nachbarn stimmen dem zu.

Außerdem hat sich der Kurort für eine kleine Gartenschau beworben, die auch mit einer geplanten Neugestaltung von Kurpark und Ortskern einhergeht. Dabei zeigte sich Vogelpohl überzeugt: „Wer in die touristische Infrastruktur investiert, tut auch etwas für seine Bürger.“

Aktuell sei der Bauhof, „der an vielen Ecken der Gemeinde aktiv ist“, im Kurpark zugange. „Mir ist wichtig, dass wir bei der Erneuerung vorankommen.“ Handlungsbedarf gebe es vor allem auch beim Kurparkweiher. Dazu brauche es jedoch erst ein Gesamtkonzept, konstatierte er.

Tourismuskonzept: Modernisierung der Therme

Neben den zahlreichen Alltagsproblemen, die die Kommune zu stemmen habe, „müssen wir uns auch die Zeit nehmen, eine Vision der Gemeinde zu entwickeln“, betonte Vogelpohl, der auf das neue Tourismuskonzept verwies. Dessen Ergebnis war: Entscheidend für die touristische Entwicklung ist vor allem eine umfassende Modernisierung und Erweiterung der in die Jahre gekommenen Therme. Außerdem geht es darum, den Fokus stärker auf die Landschaft, die Lage im Dreiland und das Thema Golf zu lenken, führte der Rathauschef aus.

Bundschuh als Werbeträger für Bad Bellingen?

In diesem Zusammenhang richtete Vogelpohl ein nicht ganz ernst gemeintes Jobangebot an seinen Kollegen Werner Bundschuh, der Ende Februar aus seinem Amt als Schliengener Rathauschef ausscheidet: „Lieber Werner Bundschuh, wie ich weiß, bist du Stammgast unserer Therme, spielst regelmäßig Golf in Bamlach und besuchst die Bellinger Gastronomie. Ab März kannst du über deinen Kalender wieder selbst entscheiden. Du stellst also exakt unsere Zielgruppe dar und wärst der ideale Werbeträger für uns“, meinte Vogelpohl mit einem Augenzwinkern und zur Erheiterung des anwesenden Bundschuh und Publikums.

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