Bad Bellingen Salzgrotte wird zur Märchenhöhle

In die Welt von Feen, Prinzessinnen, verzauberten Königssöhnen und sprechenden Tieren geht es in der Adventszeit in Bad Bellingen: Wie der Nikolausbesuch und die Fasnachtseröffnung muss aber auch die Märchenlesung in der Salzgrotte der Balinea Therme dieses Jahr coronabedingt auf digitalem Weg stattfinden.

Von Adrian Steineck

Bad Bellingen. Die Märchenlesungen sind gefilmt worden und können via Internet als Video angesehen werden. Die Initiative dazu ist von den Administratoren der Facebook-Gruppen „Die Markgräfler“ und „Bad Bellingen und Umgebung“ ausgegangen. „Wir wollten in der Adventszeit etwas für die Kinder machen“, schildert Susanne Weh die Intention. Schnell waren sich die Organisatoren, zu denen neben Weh auch Ursula Radermacher und Jens Iburg gehören, einig, wenn möglich in der Salzgrotte Märchen vorzulesen und sich dabei filmen zu lassen.

Ehrenamtliche Helfer

Sie fragten bei Dennis Schneider, Geschäftsführer der Bade- und Kurverwaltung (Buk) an, und dieser war schnell bereit, die Salzgrotte der Balinea-Therme für die Märchenerzähler zu öffnen. Die Therme selbst haben im Zuge des Teil-Lockdowns seit 2. November für Besucher geschlossen (wir berichteten). Als weiterer Mitstreiter konnte Sebastian Jürgens von der Schliengener Firma Simco Veranstaltungstechnik mit Geschäftsführer Marvin Kerscher gewonnen werden. „Das Projekt ist komplett ehrenamtlich auf die Beine gestellt worden, auch Beleuchtung und Probeaufnahmen durch die Firma Simco waren kostenlos“, freut sich Weh.

Alemannisches auch dabei

Vorgelesen werden vier Märchen und eine Geschichte, die Weh ausgewählt hat. „Zwei davon sind in alemannischer Mundart“, sagt Weh, die sich auch ehrenamtlich um die Bibliothek der Sonnenrainschule in Rheinweiler kümmert. Das gilt bereits für die Auftaktgeschichte: In der ersten Markgräfler Märchenstunde hat Weh die Geschichte „S’Hexehüsli im Hauelt“ vorgelesen. Die weiteren vier Märchen stammen aus der Sammlung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm.

Welche das genau sind, will Weh nicht verraten. An jedem Adventssonntag ab 16 Uhr werden die Videos bei den beiden genannten Facebook-Gruppen und auf der Videoplattform Youtube zu sehen sein. Das Konzept kommt offenbar an, schildert Weh ihre Erfahrungen: „Beim zweiten Video gab es ein kleines technisches Problem, sodass es erst wenige Minuten nach 16 Uhr online angeschaut werden konnte.“ Bereits um 16.05 Uhr seien die ersten Rückmeldungen gekommen, ob denn das Märchen diesmal ausfallen müsse. „Wir haben auch schon von Familien gehört, welche sich die Videos gemeinsam am PC anschauen“, sagt Weh.

Die Videos sind zwischen drei und 25 Minuten lang. Eine zweite, relativ lange alemannische Lesung steht noch aus. „Da wird sich dann zeigen, ob die Zuschauer sich das bis zum Ende anschauen oder nach zehn Minuten ausschalten“, sagt Weh.

So einfach wie möglich

Die Filme selbst sollten so einfach wie möglich gehalten werden. „Wir wollten uns auf das Wesentliche konzentrieren und bewusst ein Gegengewicht zur digitalen Reizüberflutung schaffen“, sagt Weh und räumt augenzwinkernd ein: „Natürlich weiß ich nicht, ob die Kinder das toll finden, wenn sie mir die ganze Zeit beim Vorlesen zuschauen müssen, aber sie können dabei ja auch ihre Eltern oder Großeltern anschauen.“

Die ersten Rückmeldungen auf die Märchen sind weitgehend von älteren Zuschauern geschrieben worden. „Vom Senior bis zum Jugendlichen schauen sich das alle Altersgruppen an“, sagt Weh.

Interesse an Märchen

Nicht zuletzt durch die Märchenfiguren an der Bad Bellinger Rheinstraße, die auch in diesem Advent aufgestellt wurden, hätten auch die Kinder verstärkt Interesse an Märchen bekommen. Beliebt sind die Märchen, welche die Brüder Grimm in Deutschland und anderen Ländern gesammelt haben wie „Hänsel und Gretel“. Auch die Kunstmärchen des Dänen Hans Christian Andersen („Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“, „Das hässliche junge Entlein“) oder von Wilhelm Hauff („Das kalte Herz“) sind seit Generationen beliebt.

Ungewohnte Situation

Die Vorlesesituation war dabei für Weh durchaus ungewohnt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Wenn man eine Gruppe von Kindern um sich hat, kann man den Augenkontakt aufbauen, kann Fragen stellen und sie beteiligen“, legt sie dar. Bei der Lesung in der Grotte war aber nur der Kameramann und Techniker Sebastian Jürgens da, und auch der nur mit Sicherheitsabstand und Mund-Nase-Maske.

Die Freude am Vorlesen habe das allerdings nicht getrübt, und es gab bereits erste Anfragen, ob die Vorleseaktion auch abseits der Adventszeit angeboten werden könnte. „Eine Neuauflage zu einem anderen Zeitpunkt ist durchaus denkbar“, sagt Weh. Alles Weitere wolle man sich im kommenden Jahr überlegen.

Weitere Informationen: Die Markgräfler Märchenstunde wird bis Weihnachten sonntags um 16 Uhr in den Facebookgruppen „Die Markgräfler“ und „Bad Bellingen und Umgebung“ sowie auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht. Die Videos sind dort grundsätzlich zeitlich unbegrenzt abrufbar.

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