Bad Bellingen Stärkste Tourismusmarke weltweit

Der Dehoga-Kreisvorsitzende und Pächter des Kurhaus-Restaurants, Marcus Ciesiolka, im vergangenen Jahr bei der Vorstellung der geplanten Eisbahn im Bad Bellinger Kurpark.Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Die Gemeinderäte in Badenweiler, Sulzburg und Müllheim haben der geplanten Auflösung der Werbegemeinschaft Markgräflerland bereits zugestimmt. Weitere Gremien werden dem Beispiel folgen. An die Stelle der Werbegemeinschaft wird vorerst das interkommunale Kooperationsangebot „Südschwarzwald“ unter der Federführung der Bade- und Kurverwaltung Bad Bellingen treten.

Von Alexander Anlicker

Bad Bellingen. Die Weichen für die touristische Werbung der Region stellt die Kommunalpolitik. Doch was sagen die touristischen Leistungserbringer wie Hoteliers, Gaststättenbetreiber und Zimmervermieter dazu. Darüber sprach unserer Zeitung mit Marcus Ciesiolka, Vorsitzender des Kreisverbands Müllheim des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), und Pächter des Kurhaus-Restaurants „Das Park“ in Bad Bellingen.

Frage: Welche Auswirkungen hat die Auflösung der Werbegemeinschaft Markgräflerland für die Gastronomie und Hotels in der Region?

Kurzfristig keine. Kein Unternehmer macht die Existenz seines Unternehmens von einer Werbegemeinschaft abhängig. Wie die aktuelle Situation zeigt, sind viele Gastro-Unternehmer sehr kreativ in der Gästegewinnung.

Frage: Heißt das, wir brauchen die Werbegemeinschaft Markgräflerland nicht?

Auf gar keinen Fall. Wahrgenommen wird man nur als Region. Ich habe als Dehoga-Vertreter wiederholt an Sitzungen der Werbegemeinschaft teilgenommen und darauf hingewiesen, dass keine Gemeinde einen Gast fünf Tage am Stück „bespaßen“ kann. Nur gemeinsam können wir im Wettbewerb um den Gast bestehen. Einkaufen in Staufen, Freiburg, Basel oder einem der zahlreichen Outlets im Gebiet. Den Kofferraum vollmachen bei einem der hiesigen Weingüter und den Winzergenossenschaften. Wellness in einer der Thermen, Skilaufen im Schwarzwald oder den Vogesen, ein Tag im Europapark. Theater, Konzerte, Museen und Veranstaltungen aller Art. Begleitet von hervorragender Gastronomie.

Wir sind gut, aber nur gemeinsam sind wir stark. Und wir haben viel mehr zu bieten als die meisten Regionen in Deutschland. Alleine schon beim Wetter.

Frage: Wie soll aus Sicht des Dehoga-Kreisverbands die künftige touristische Werbung für die Region aussehen?

Wir haben viele Beteiligte im Bereich Tourismus im Markgräflerland. Angefangen bei den beiden Landkreisen, die sehr engagiert sind. Insgesamt wäre eine Dachstruktur, welche die Interessen aller Beteiligten im Markgräflerland bündelt, wünschenswert. Eine Bündelung der Leistungen, ein effektiveres Einsetzen der Mittel und ein Absprechen der Aktivitäten wären die Ergebnisse.

Nicht alle unter ein Dach, aber alle an einen Tisch. Das geschieht zu wenig. Durch die neue Tourismuskonzeption des Landes Baden-Württemberg wären so auch Fördergelder abrufbar.

Frage: Mit der angedachten Neukonzeption wird die Marke „Markgräflerland“ im touristischen Bereich verschwinden. Mit der Bezeichnung „Südschwarzwald“ wird aber auch andernorts geworben, beispielsweise in Waldshut. Halten Sie das für klug?

Niemand lässt die Marke Markgräflerland verschwinden, aber man muss sich vor Augen führen, dass die Marke Markgräflerland nicht so stark ist wie man das gerne hätte. Vor einigen Jahren habe ich zusammen mit Kollegen vom Kaiserstuhl den Neujahrsempfang des Landes Baden-Württemberg in der Landesvertretung in Brüssel bewirtet. Beim Gespräch mit den Angestellten der Landesvertretung stellte sich heraus, dass keiner das Markgräflerland kannte. Dieses Erlebnis zeigte mir deutlich, dass die Wahrnehmung außerhalb des Markgräflerlands eine andere ist als innerhalb.

Die Region Schwarzwald ist die stärkste Tourismusmarke weltweit. Instagram hat festgestellt, dass der Schwarzwald die höchste „Instagramability“ also den höchsten Markenwert auf Instagram aller Tourismusregionen weltweit hat. Tirol kennt man von Dänemark bis Sizilien, den Schwarzwald kennt man überall. Die Schwarzwälder ist die bekannteste Torte der Welt.

Das hilft den Marketingleuten. Und wenn der Urlaubsgast einen Ausflug an die Rheinfälle oder nach St. Blasien macht und abends wieder im Markgräflerland speißt, so what?

Frage: Müsste nicht das Ziel sein, mit einer schlagkräftigen Tourismuswerbung auch die Weinbauregion Markgräflerland zu stärken?

Die Weinbauregion Markgräflerland kann und muss in Zukunft als Untermarke fortbestehen. Tourismus ist aber viel mehr als nur Weinbau. Im Weinbau hat der Begriff Markgräflerland sicher seine Stärke. Aber eben nur hier.

Frage: Woran scheiterte die Werbegemeinschaft?

An der mangelnden Bereitschaft zur Zusammenarbeit! Keine der beteiligten Gemeinden war bereit, ihre Tourismusaktivitäten komplett an die Werbegemeinschaft abzugeben.

Frage: Ein Grund für das Scheitern waren ja auch die mangelden finanziellen Ressourcen. Glauben Sie, dass die Beteiligten künftig mehr Geld für die Tourismuswerbung in die Hand nehmen?

Es müssen eigentlich nicht mehr Mittel bereit gestellt werden, sondern die vorhandenen Mittel müssen komplett abgegeben werden, auch die Mittel an Personal und Räumlichkeiten, oder diese Mittel in Geldwert umwandeln und dann abgeben.

Es gibt Gemeinden, die eine halbe Teilzeitkraft mit dem Thema Tourismus beschäftigen. Was soll das?

Andererseits muss man sich auch klarmachen, dass es Gemeinden gibt, die nicht mal ihre Belegungszahlen abfragen, also gar keine Ahnung haben, was der Tourismus im Ort überhaupt ausmacht. Und es gibt Gemeinden, die keine 25 Prozent Belegung der Hotelbetten mehr erreichen. Hier sind Insolvenzen programmiert. In den vergangenen fünf Jahren sind in Baden-Württemberg jährlich 1000 Betriebe verschwunden und Corona wird das noch beschleunigen.

Frage: Die Bade- und Kurverwaltung Bad Bellingen bietet sich als künftiger Kooperationspartner an. Wie stehen die Hotels und Gaststätten in Bad Bellingen zu diesen neuen Herausforderungen für die Bädergemeinde?

Die Interessen der örtlichen Hotellerie und Gastronomie werden durch den Gewerbeverein „Bad Bellingen bewegt“ sowohl im Aufsichtsrat der BUK als auch im Gemeinderat vertreten. Man muss es so sehen: Die Infrastruktur beziehungsweise Mitarbeiter für diese Aufgaben sind in Bad Bellingen vorhanden. Mit den Mitteln die man erhalten will, können die Reichweiten der Maßnahmen erweitert werden.

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