Bad Bellingen Startschuss für Millionenprojekt

Das Bad Bellinger Rathaus soll modernisiert und durch einen Anbau erweitert werden. Foto: Claudia Bötsch

Der Gemeinderat hat den „Startschuss“ für die Sanierung und Erweiterung des Bad Bellinger Rathauses gegeben. In der Sitzung am Montagabend wurde ein Architektenwettbewerb in die Wege geleitet, der europaweit ausgeschrieben werden soll. Das daraus resultierende Modell soll auch dazu dienen, die nötigen Fördertöpfe anzuzapfen.

Von Claudia Bötsch

Bad Bellingen. Der Gemeinderat hat mehrheitlich der Vergabe an das Büro LBBW Immobilien Kommunalentwicklung in Stuttgart zugestimmt. Das Unternehmen wurde mit der Betreuung und Durchführung eines nichtoffenen Planungswettbewerbs mit Verhandlungsverfahren beauftragt. Die Kosten für das Büro belaufen sich auf rund 55 000 Euro, dazu kommen noch Prämien für die Wettbewerbsteilnehmer in Höhe von 50 000 Euro. Ein Großteil der Summe (60 Prozent) wird bezuschusst.

Rathaus zuletzt vor rund 40 Jahren saniert

Die Gemeinde plant, das bestehende Rathaus zu modernisieren und mit einem Anbau zu ergänzen. „Dabei sollen die Anforderungen und Nutzungen einer zeitgemäßen, offenen Gemeindeverwaltung realisiert werden“, heißt es in den Angebotsunterlagen. Das Bestandsgebäude soll entsprechend modernisiert und umgebaut werden, „um den Anforderungen an eine moderne, zukunftsweisende Verwaltung gerecht zu werden“. Unter anderem geht es hier um Barrierefreiheit, Brandschutz, klimatisierte Räume und energetische Sanierung.

Das Bad Bellinger Rathaus wurde zuletzt Anfang der 1980er Jahre saniert. „Es ist dringend geboten, jetzt zu handeln“, meinte Rechnungsamtsleiter Frank Spiegelhalter, der in diesem Zusammenhang auf Projektlaufzeiten von drei bis fünf Jahren verwies. Dass es Zeit für eine Modernisierung sei, „merken wir im täglichen Geschäft“, sagte Spiegelhalter, der dabei auch die beengten Platzverhältnisse anführte. In den vergangenen zehn Jahren sei die Bad Bellinger Bevölkerung um rund 1000 Bürger auf 4800 Einwohner angewachsen, dementsprechend vergrößert hätten sich auch die Aufgaben.

Die Rathausfläche soll von aktuell 550 Quadratmetern auf 1000 Quadratmeter erweitert und damit nahezu verdoppelt werden.

Geschätzte Kosten: fünf Millionen Euro

Die Kosten für das Projekt werden auf rund fünf Millionen Euro geschätzt. Bei dieser Summe sei ein Planungswettbewerb zwingend vorgeschrieben, erläuterte Spiegelhalter.

Ziel des Wettbewerbs sei, „dass wir nach einem Jahr einen Entwurf und ein Modell sowie einen groben Kostenüberschlag in den Händen halten“. Damit könne man dann die Fördermöglichkeiten ausloten. Ohne ein konkretes Modell komme man bei den Zuschüssen nicht weiter. Denn es sei wichtig, vorweisen zu können, was man vorhat, machte Spiegelhalter deutlich. Klar sei dabei auch: „Ein kleiner Zuschuss hilft uns bei einem solchen Millionenprojekt nicht weiter.“

Für Gemeinderätin Silvia Heitz (SPD) stand fest: „Das Rathaus muss saniert werden.“ Darum müsse man jetzt den dafür nötigen Startschuss geben. Sollte das Budget deutlich überschritten werden, müsse man allerdings neu schauen.

„Funktionalität und Kosten die entscheidenden Punkte“

„Das Verfahren über einen nichtoffenen Planungswettbewerb ist vorgeschrieben, wir haben gar keine Wahl“, hielt Gemeinderat Niclas Heitz (CDU) fest. Funktionalität und Kosten seien für ihn die entscheidenden Punkte. Die Funktionalität gehe bei solchen Planungswettbewerben aber gerne einmal unter, zeigte sich der Gemeinderat skeptisch. Er befürchtete, dass man sich „von tollen Geschichten blenden lasse“.

„Wir sind uns einig, dass das Rathaus erweitert werden muss“, sagte Monika Morath (CDU). Klar gebe es Pros und Kontras, aber die große Mehrheit sei dafür. Das Gremium habe sich eingehend mit dem Projekt beschäftigt.

„Solide sanieren ja, aber keine Luxussanierung“

Sauer aufgestoßen sind Wolfgang Müller (Freie Wähler) die geschätzten Kosten. „Fünf Millionen für 1000 Quadratmeter haben mich doch sehr überrascht.“ Wenn er das mit dem geplanten Bau der Terrassenhäuser vergleiche – der sich allerdings weiter verzögert – „wird mir schwarz vor Augen“. Der Quadratmeter beim Neubau in dem steilen Gelände soll rund 6000 Euro kosten, führte Müller an. Die Rathaus-Modernisierung komme auf rund 5000 Euro. „Solide sanieren ja, aber keine Luxussanierung“, forderte er. Klar sei, dass das Rathaus mehr Platz benötige, auch aufgrund des Einwohnerzuwachses. Aber man dürfe nicht die Kosten aus den Augen verlieren, schließlich stünden noch andere Großprojekte wie die Thermensanierung auf der Agenda. „Wann kommt der Zeitpunkt, dass wir uns übernehmen?“ wollte er wissen.

Die Summe von fünf Millionen Euro sei so nicht festgelegt, entgegnete Bürgermeister Carsten Vogelpohl. Er erinnerte auch an den bereits gefassten Grundsatzbeschluss zur Rathaus-Sanierung.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass das ein Prunkbau werden soll“, meinte René Schladerer (Freie Wähler). In den vergangenen Jahren sei vieles in der Gemeinde renoviert worden, nur das Rathaus nicht. Zudem habe der Gemeinderat genügend Einfluss, um die Dinge in die richtige Richtung zu lenken.

Spiegelhalter machte in der Sitzung deutlich: „Wir bestellen mit diesem Beschluss kein neues Rathaus, sondern lediglich einen Entwurf und einen groben Kostenplan.“

Müller und Dorothea Dosenbach (CDU) hatten gegen die Auftragsvergabe an das Büro LBBW Immobilien Kommunalentwicklung gestimmt; Andreas Großhans (Freie Wähler) enthielt sich.

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