Bad Bellingen Verbrechen des Islamischen Staats sind Völkermord

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Der Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann (rechts) aus Bad Bellingen empfängt die êzidische Familie Slo im Deutschen Bundestag. Foto: zVg

Bad Bellingen/Berlin (ov). Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag die Verbrechen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ an den Jesiden als Völkermord anerkannt. Der IS hatte im Jahr 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak erobert, wo die Jesiden seit Jahrhunderten leben. Die Terrormiliz zwang Frauen und Mädchen in die Sklaverei, rekrutierte Jungen als Kindersoldaten und tötete tausende Männer. Unzählige Jesiden flohen aus der Region, einige fanden unter anderem in Bad Bellingen Zuflucht.

Die Abgeordneten hatten einstimmig für die von den Ampel-Fraktionen und der Union vorgelegte Resolution gestimmt. „Die Anerkennung des Völkermords an den Êzîdinnen und Êzîden ist ein Meilenstein. 2015 habe ich einige der Familien, die vor den Gräueltaten des IS zu uns nach Bad Bellingen geflohen sind, betreut. Ihre Berichte über Flucht und Vertreibung, Morde und Verschleppung haben mich schockiert. Zuerst gab es noch Angst vor Verfolgung durch den IS. Stundenlang parkte daher ein Polizeifahrzeug am ersten Tag vor den Häusern. Im Ort war das gleich Stadtgespräch“, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann, der bis 2017 Bürgermeister von Bad Bellingen war und seit 2022 stellvertetender Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Bundestags ist.

Er sei dankbar für die Unterstützung der gesamten Gemeinde und der Bürger Bad Bellingens, welche die Integration dieser Familien tatkräftig unterstützt haben. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft“, betonte er. In der Bädergemeinde wurde ein kommunizierendes Netzwerk von Verwaltung, Helfern, Lehrern, Ärzten und Patenfamilien aufgebaut. „Wir fanden gute, im Ort verstreute Unterkünfte von großzügigen privaten Vermietern. Es gab Sprachunterricht zu Hause. Wir feierten Silvester zusammen. Zwei Bad Bellinger, die selbst als Kurden den türkischen Repressionen entflohen sind, haben eine 24-Stunden-Hotline in kurdischer Sprache gestartet“, berichtet er.

„Der Zusammenhalt ,meiner’ Gemeinde und die Kooperation mit Bürgermeistern in ganz Südbaden – egal welcher Partei – war eine große Stütze für die Opfer des IS-Terrors. Damals wie heute ging es um Menschenrechte und Menschlichkeit“, betonte Hoffmann.

Der Beschluss des Bundestags zeige, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit Folgen haben und konsequent verfolgt werden. „Deutschland gibt den Opern und mutigen Kämpferinnen und Kämpfern gegen den IS eine Stimme. Für die Zukunft hoffe ich, dass die internationale Strafverfolgung weitergeführt wird und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er.

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