Bad Bellingen Wälle, Hecken und Randstreifen

2015 sorgte ein Unwetter für Erosionsschäden im Wald oberhalb von Rheinweiler. Foto: Schütz

Das Leuchtturmprojekt „Erosionsereignisse durch Starkregen im Markgräflerland“ (EroL) wurde im Jahr 2018 nach mehreren Starkregenereignissen im Landkreis ins Leben gerufen. Dieses stellt seit vergangenem Jahr Konzepte für Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Erosion bereit.

Von Jutta Schütz

Bad Bellingen. Inga Nietz vom Fachbereich Umwelt im Landratsamt Lörrach stellte im Bad Bellinger Gemeinderat den Abschlussbericht des Projekts vor.

Bürgermeister Carsten Vogelpohl erinnerte gleich zu Beginn der Sitzung daran, dass das Thema der Starkregenereignisse bedingt durch die Katastrophe im Ahrtal reichlich Brisanz habe. Bad Bellingen und hier die Ortsteile Rheinweiler und Bamlach wurden bei den Unwettern im Juni 2015 besonders in Mitleidenschaft gezogen. Unmittelbar als Folge aus diesen Starkregenschäden entstanden „runde Tische“ mit den Landwirten, der im Bau befindliche Hochwasserentlastungskanal wurde geplant, wasserabführende Leitungen wurden vergrößert. Trotzdem gibt es in der Kommune immer noch Bereiche, die bei Starkregen gefährdet sind oder sein könnten. „Die Arbeit liegt zu einem großen Teil noch vor uns“, sagte er.

Nietz verwies auf das Beispiel Schallbach, das in den vergangenen Jahren stark von ins Dorf fließenden Wassermassen und Schlammlawinen betroffen war. Dort wurden als erste Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Landwirten Wälle entlang von Feldern errichtet, Schutzzäune aus Reisig gebaut und im Dorf schnell erreichbare Behälter aufgestellt, die mit Sandsäcken bestückt sind.

Kurpark stark betroffen

Nietz zeigte anhand von Karten, an welchen Stellen in Bad Bellingen bei Starkregen Abflussrinnen entstehen, und wo sich das Wasser sammelt. Im Kernort selbst ist es besonders der Kurpark, wo letztendlich ein Großteil der Wassermassen zusammenkäme. Der Hochwasserentlastungskanal zum Beispiel wird im Notfall in die Kiesgrube im wilden Teil des Kurparks entwässern. Sie betonte, dass es wichtig sei, dem Wasser einen kontrollierten Abfluss zu ermöglichen. Drainagen, Gräben und Verdohlungen müssten von Kommunen kontrolliert und freigehalten werden. „Bisher wurden wir als Fachleute vor Ort gerufen, wenn die Schäden entstanden sind, das wollen wir jetzt umdrehen“, sagte Nietz, die den Gemeinderäten und Bürgern einen Blick auf die Karten, die im Internet abgerufen werden können, empfahl. Denn: „Das, was wir dort an Beobachtungen eingetragen und simuliert haben, passt sehr gut, das haben wir jetzt beim Unwetter im Bereich Binzen am 16. Juli gesehen“, sagte sie.

Rückhaltemaßnahmen

Dort, wo wie auf den Gefahrenkarten ersichtlich, viel Wasser zusammenkommt, gilt es, weitere Vorkehrungen zu treffen – eventuell in Form von Auffang- und Ausbreitungsbereichen für Wasser und Sediment. Die besten Gegenmaßnahmen müssen in den Bereichen erfolgen, die oberhalb einer Bebauung liegen, also in den oberen Hangbereichen. Dort müssen, so die Empfehlungen, Felder unterschiedlich bewirtschaften werden, Rückhaltemaßnahmen, wie das Pflanzen von Hecken oder- besondere Ableitmaßnahmen geschaffen, Wälle oder breite Ackerrandstreifen angelegt werden.

Die Entsiegelung von Flächen sowie die Anlage von kleinen Senken für abfließendes Wasser, genauso wie druckfeste Türen und Fenster in Keller oder Erdgeschoss sind Tipps für Privatleute, die in gefährdeten Bereichen wohnen.

Kritik von Müller

Wolfgang Müller (FW) kritisierte Baugebiete in steilen Hanglagen und spielte hier auf das Baugebiet „Hinterm Hof II“ an. „Hier muss die Konsequenz sein, dass auf solchen Flächen, auf denen Wasser sonst auch durch Büsche und Bäume aufgehalten wurde oder teils versickert ist, nicht mehr gebaut wird“, sagte er. Zudem schlug er vor, in künftigen Baugebieten größere Flächen frei zu halten, um dem Wasser Raum zu geben. Kiesgärten etwa sollten „verschwinden“, warf er ein.

Versickerungsflächen zu schaffen, hielt auch Bürgermeister Vogelpohl für wichtig. Nietz gab weiter, dass nützliche Erkenntnisse und Informationen in die Pläne Eingang finden. „Das Projekt ist nicht statisch“, kommentierte sie.

Die Starkregengefahrenkarten sind im Geoportal Baden-Württemberg eingestellt und sollen nun auch auf den Homepages der Gemeinden veröffentlicht werden. Über das Geoportal können zudem Schäden gemeldet werden. Der Prozess der Maßnahmenumsetzung beginnt „jetzt“, betonte Nietz.

Die Umsetzung beginnt

Der Gemeinderat nahm den Projektstand zur Kenntnis. Mit einer Stimmenthaltung wurde beschlossen, dass die Verwaltung beauftragt wird, dass die Gemeinde weitere Schritte zur Umsetzung der EroL-Schutzmaßnahmen plant und durchführt.

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