Bad Bellingen Was tun, wenn die Sirenen heulen?

Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung vor 30 Jahren werden am kommenden Donnerstag, 10. September, wieder bundesweit die Sirenen heulen.

Von Alexander Anlicker

Bad Bellingen. Über den bundesweiten Warntag und die Bedeutung der Sirenen stand Bad Bellingens Feuerwehrkommandant Marco Maier unserer Zeitung Rede und Antwort.

Frage: Welchen Zweck erfüllt der bundesweite Warntag?

Der erste bundesweite Warntag soll alle Menschen im Land für das Thema Warnungen sensibilisieren. Dazu gehört, die vorhandenen modernen Warnmittel wie Warn-Apps und auch Sirenenwarnsignale wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, und auch das Verhalten bei einer realen Warnung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Und natürlich sollen auch bundesweite und lokale Infrastrukturen zur Warnung getestet werden. Alle Informationen hierzu findet man auch unter www.bundesweiter-warntag.de

Frage: Wie sind die Feuerwehren an diesem Tag beteiligt?

Die Feuerwehren bei uns im Landkreis sind hier indirekt mit der Weitergabe von Informationen beteiligt. Die örtlichen Behörden wurden ebenfalls einbezogen, um gegebenenfalls lokale Warneinrichtungen zu testen.

Frage: Früher wurden die Feuerwehrleute bei einem Brand mit der Sirene zum Gerätehaus gerufen, heute erledigt das der Funkmeldeempfänger. Braucht es Sirenen noch?

Ja, natürlich braucht man die Sirenen noch, um bei speziellen Gefahrenlagen die Bevölkerung zu informieren. Es gibt zwar in der Zwischenzeit sehr gute digitale Lösungen wie zum Beispiel die Warn-App NINA, doch auch diese erreichen nicht alle Menschen, von daher haben Sirenen noch ihre Berechtigung. Die Feuerwehren selbst brauchen diese in der Regel nicht mehr.

Frage: Was bedeuten die einzelnen Sirenensignale?

Da gibt es mehrere verschiedene. Das wichtigste in diesem Zusammenhang ist ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton, der eine Warnung signalisiert. Er signalisiert: Achten Sie auf Rundfunkdurchsagen. Für Feueralarm wird ein zweimal unterbrochener einminütiger Ton gesendet. Für die Entwarnung wird ein einminütiger Dauerton gegeben.

Frage: Welche Rolle spielt die Feuerwehr im Bevölkerungsschutz?

Die Feuerwehr ist als eine kommunale Einrichtung einer von vielen Bausteinen im Bevölkerungsschutz, wir arbeiten hier sehr eng und sehr gut mit allen anderen Blaulichtorganisationen zusammen. Sicher kennt man die vier Schlagworte „retten - löschen - schützen - bergen“. Das Aufgabengebiet ist so vielfältig, dies in Kürze zusammenzufassen ist nicht ganz leicht. Grob formuliert, die Hauptaufgabe der Feuerwehr ist das Abwenden von Schaden für Leib und Leben von Mensch und Tier sowie von Sachwerten. Das trifft es recht gut, der Trend geht eindeutig weg von der ursprünglichen Aufgabe – dem Löschen von Feuern. Heutzutage spielen besonders Unwetterschäden eine immer größere Rolle, aber auch allgemeine Hilfeleistungen bei lokalen Notfällen.

Frage: Welche Tipps können Sie der Bevölkerung geben, um für einen Notfall vorzusorgen?

Zu allererst sollte man eine der verfügbaren Warn-Methoden kennen und idealerweise auch nutzen, zum Beispiel die App NINA. Das ist nicht nur bei großen Notlagen hilfreich, es kommen dort auch Warnungen vor beispielsweise Unwetterlagen, Warnhinweise bei Großbränden und so weiter. Auch wir haben schon Informationen über diese App verbreitet.

Für den persönlichen Notfall ist zum Beispiel ein Notfallpass mit den wichtigsten Informationen hilfreich, den sollte man immer im Geldbeutel haben. Bewährt hat sich auch zu Hause eine sogenannte Notfalldose mit allen wichtigen Informationen, die man im Kühlschrank lagert. Eine Telefonliste mit Notfallnummern ist auch sehr wichtig, dann kommt man in der Hektik schneller an Hilfe. Die wichtigste Nummer bei Notfällen aller Art ist die 112. Ich sollte zudem auch Fluchtwege im Haus kennen, Feuerlöscher regelmäßig prüfen lassen, und die Rauchmelder regelmäßig mit dem Prüfknopf testen.

Für große überörtliche Notfälle ist es sicherlich hilfreich, wenn man sich – zum Beispiel jetzt, im Zusammenhang mit dem Warntag – mit dem Thema auseinandersetzt. Zu Hause kann man zum Beispiel einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln und Hygieneartikeln anlegen. Damit meine ich jetzt nicht, dass man Klopapierrollen bunkern sollte, wie das kürzlich erst gemacht wurde, oder dosenweise Nahrungsmittel lagern sollte. Es gibt hierzu Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, diese sind als Richtschnur schon mal ganz gut. Das sind alles Dinge die man sowieso normalerweise im Haus hat und daher auch so regelmäßig verbrauchen kann.

Weitere Informationen: im Internet unter www.bundesweiter-warntag.de oder www.bbk.bund.de/DE/NINA/Warn-App_NINA_node.html

Der Bad Bellinger Feuerwehrkommandant ist 45 Jahre alt und von Beruf Elektronik-Ingenieur. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern (3 und 7 Jahre). Seit 1987 ist er in der Feuerwehr (bis 1992 Jugendfeuerwehr). Seit 2007 Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Bad Bellingen und seit 2009 Gesamtkommandant.

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