Bad Bellingen Wohin mit dem Klärschlamm?

Bad Bellingen tritt einer Verwertungsgemeinschaft zur Klärschlammverwertung bei. Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Der Klärschlamm aus der Bad Bellingern soll künftig in einer Verbrennungsanlage auf dem Gelände der Kläranlage des Abwasserzweckverbands Staufener Bucht in Breisach-Grezhausen verbrannt werden. Die Gemeinde Bad Bellingen tritt einer Arbeitsgemeinschaft zum Zwecke der thermischen Verwertung von Klärschlamm bei. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit acht Ja-, drei Nein-Stimmen sowie vier Enthaltungen.

Von Alexander Anlicker

Bad Bellingen. Die Gemeinde verspricht sich vom Beitritt zur Klärschlammverwertungsgemeinschaft Neuenburg-Breisach Einsparungen bei den Entsorgungskosten. Aktuell betragen die Kosten inklusive Transport rund 163,90 Euro pro Tonne Klärschlamm. Diese sollten sich auf 110 bis 120 Euro pro Tonne verringern, wie Rechnungsamtsleiter Frank Spiegelhalter erläuterte.

Kläranlagen mit einem Einzugsbereich von mehr als 50 000 Einwohnern müssten künftig den Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewinnen und diesen thermisch verwerten, sagte Michael Hacker, Verbandsingenieur und Technischer Geschäftsführer des Abwasserzweckverband Staufener Bucht. In Grezhausen soll daher eine Anlage zur Phosphorrückgewinnung mittels des sogenannten P-XTRACT-Verfahrens entstehen. Der gewonnene Phosphor wird dabei für die Düngemittelproduktion genutzt. Vorhandene Schwermetalle werden bei der Rauchgasreinigung herausgefiltert. Die Anlage übernimmte die Verwertung des Klärschlamms von sieben Kläranlagen, welche das Abwasser aus 26 Gemeinden reinigten.

Die thermische Verwertung habe gegenüber der Kompostierung den Vorteil, dass im Klärschlamm vorhandenes Mikroplastik und Schwermetalle nicht auf Äckern ausgebracht und in der Umwelt verteilt werden, erläuterte Hacker.

Die geplante Anlage sei für die Verwertung von rund 5700 Tonnen Klärschlamm im Jahr ausgelegt und hat eine Wärmeleistung von rund ein Megawatt sowie von 66 Kilowatt Strom.

Die Kosten für das Projekt werden auf rund 10,2 Millionen Euro geschätzt, das Land fördert das Projekt mit rund 3,5 Millionen Euro, erläuterte Hacker. Die Anlage soll ab Januar 2023 ihren Betrieb aufnehmen. Die Vereinbarung zur Klärschlammverwertung hat eine Laufzeit von 15 Jahren.

„Ich bin froh, dass wir 15 Jahr Planungssicherheit haben“, betonte Rechnungsamtsleiter Spiegelhalter.

Kritik an den Plänen äußerte Gemeinderat Wolfgang Müller von den Freien Wählern. Er verwies darauf, dass die Bad Bellinger Kläranlage nur einen Einzugsbereich von rund 5000 Einwohnern habe und daher nicht zur Phosphorrückgewinnung und thermischen Verwertung verpflichtet sei. Er vertrat die Ansicht, dass mit der Verbrennung des Klärschlamms weniger Energie erzeugt als hineingesteckt werde. Müller plädierte für die Kompostierung des Klärschlamms, allerdings sollte der Kompost nicht auf Feldern sondern für Straßenbegleitgrün oder Rekultivierungsmaßnahmen verwendet werden.

„Es gebe keine Alternative“, meinte Silvia Heitz (SPD) angesichts der Entsorgungskosten. „Ich bin der Meinung wir müssen den Klärschlamm in der Region entsorgen und nicht durch ganz Deutschland fahren“, ergänzte Emil Schilling (CDU).

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