Bad Bellingen Wohnungsnot auch im Umland

Das Mehrgenerationenhaus „Wannenacker“ in Bad Bellingen ist kurz vor der Fertigstellung.Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Das Markgräflerland ist Zuzugsgebiet. Während anderswo in der Republik Wohnungen leer stehen, fehlt es in der Region zwischen Basel und Freiburg an günstigen Mietwohnungen. Diese sind mittlerweile auch in den kleinen Gemeinden entlang der Rheinschiene ein knappes Gut.

Von Alexander Anlicker

Bad Bellingen/Müllheim. Ein wichtiger Akteur von Staufen im Norden über Müllheim und Kandern bis nach Bad Bellingen im Süden ist die Baugenossenschaft Familienheim Markgräferland. „Wir spüren in der Region das Thema Wohnungsnot und seit zwei Jahren auch eine Verlagerung von Freiburg und Lörrach ins Umland“, sagt Familienheim Geschäftsführer Klaus Schulte und ergänzt, dass man die Nachfrage nach Mietwohnungen aktuell nicht bedienen könne. Es brauche Neubauten, um Wohnraum zu schaffen, erklärt er. Politik und Bauträger hätten sich seiner Meinung nach zu lange auf das Thema Eigentumswohnungen fokussiert und den Mietwohnungsbau vernachlässigt. Wohnungen ließen sich nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln, verweist Schulte auf lange Vorlauf- beziehungsweise Planungszeiten.

„Wir kaufen nicht fertiges Bauland, sondern versuchen, vom Acker zu entwickeln“, erklärt Schulte. Anders seien Mieten von 6,73 bis 8,50 Euro pro Quadratmeter nicht zu verwirklichen.

Als Beispiel nennt Schulte das kurz vor der Vollendung stehende Mehrgenerationenhaus „Wannenacker“ an der Petit-Landau-Straße in Bad Bellingen. Das Flachdachgebäude mit Glasfassade und markantem Treppenaufgang bietet einen Blick über die Rheinebene in Richtung Vogesen. Auf einer Gesamtwohnfläche von rund 3000 Quadratmetern entstehen hier 31 Mietwohnungen: 19 Zwei-Zimmer-Wohnungen, vier Drei-Zimmer-Wohnungen, sieben Vier-Zimmer-Wohnungen und eine Wohnung mit fünf Zimmern. 18 Wohnungen werden finanziell von der Erzdiözese Freiburg gefördert, was die günstigen Mieten von 6,73 Euro pro Quadratmeter für Menschen mit geringem Einkommen ermögliche.

Alle Wohnungen seien bereits vermietet und im Oktober werden die ersten Mieter einziehen, berichtet Schulte. Interessenten wären sogar bereit gewesen eine Million Euro für eine Eigentumswohnung zu zahlen, ergänzt er. Schulte setzt jedoch auf den genossenschaftlichen Gedanken und Mietwohnungen als Kerngeschäft.

Die Konzepte seien auf die jeweiligen Standorte angepasst, sowohl was die Nutzung als auch die Architektur angehe. In Bad Bellingen geht es um generationenübergreifendes Wohnen, beim 2017 fertiggestellten Bauvorhaben an der Auggener Lettenstraße standen seniorengerechte Wohnungen im Fokus.

Darüber hinaus setzt die Baugenossenschaft auf Durchmischung. „Genossenschaft ist eine bürgerschaftliche Veranstaltung, bei uns darf auch ein Arzt oder Rechtsanwalt wohnen“, unterstreicht Schulte.

Genossenschaftlicher Wohnungsbau sei eine Gemeinschaftsleistung, die Genossenschaft gehöre den Mietern, erklärt er und schließt in die Gemeinschaftsleistung auch die Kommunen mit ein. „Ohne die Städte und Gemeinden geht es nicht“, sagt Schulte mit Blick auf die Schaffung von Mietwohnungen.

„Es geht um Menschen“, sagt Schulte. Diese sollen nicht nur bezahlbar, sondern auch schön wohnen. „Ich frage mich immer, ob ich da selbst wohnen möchte“, ist einer seiner Maßstäbe an die Bauprojekte der Genossenschaft.

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