Bad Bellingen Zustimmung nach hitziger Diskussion

Claudia Bötsch
Das Millionen-Projekt Rathaus-Modernisierung in Bad Bellingen ist einen Schritt weiter. Foto: Claudia Bötsch

Im Bad Bellinger Gemeinderat schlugen die Wellen hoch, als es um den nächsten Schritt bei der geplanten Rathaussanierung ging. Die Räte waren sauer. Der Grund: fehlende Unterlagen und mangelnde Vorabinfos als Entscheidungsgrundlage. „Ohne Zahlen kann ich nicht abstimmen“, meinte etwa Niclas Heitz (CDU). Am Ende der teils hitzigen Diskussion bekam die Verwaltung allerdings dann doch grünes Licht für die Beauftragung der Fachplaner (Leistungsphasen eins bis drei).

Von Claudia Bötsch

Bad Bellingen. Die Beauftragung der Fachplaner sei ein wichtiger Schritt für den weiteren Verlauf des Projekts, da die Wirtschaftlichkeit und Terminplanung auch von ihren Planungsleistungen abhängt, machte die Verwaltung dazu in der Beschlussvorlage deutlich.

Schwierige Planersuche

In der Sitzung anwesend war Florian Hagmüller vom Architekturbüro Schaudt in Konstanz – das Büro hatte beim europaweit ausgeschriebenen Planungswettbüro zu Rathaussanierung und Umbau den ersten Platz belegt. „Aktuell ist es schwierig, Fachplaner zu finden“, meinte Hagmüller, der auf die angespannte Lage im Baugewerbe verwies. Die Suche sei mühsam, bleibe oft trotz mehrerer Anfragen ergebnislos. Gerade bei der Elektroplanung habe es viele Absagen gehagelt, aus Kapazitätsgründen. Die Folge seien entsprechende Angebote. Genaue Zahlen nannte er dabei nicht.

Zu seinen Ausführungen projizierte Hagmüller Infos zur Vergabe an die Wand – allerdings waren die aus der Ferne nicht zu lesen. Da platzte dem einen oder anderen Gemeinderat der Kragen. „Wir Gemeinderäte haben keine Unterlagen. Ich will Infos zu Zahlen und Kosten, sonst kann ich nicht zustimmen. Was kosten die Planer?“, wollte Niclas Heitz wissen. Darauf pochte auch Dorothea Dosenbach (CDU): „Ich möchte die Zahlen im Vorfeld bekommen.“ Schließlich gehe es um hohe Summen. „Wir leben in dieser Gemeinde“, verwies sie auf die Verantwortung den Bürgern gegenüber. Denn die Sorge um ausufernde Kosten bei dem Millionenprojekt treibt die Gemeinderäte jetzt schon um. So auch André Kammüller (Freie Wähler), der wissen wollte, wo man bisher mit den Kosten liege.

Beschluss vertagen

„War es nicht möglich, die Unterlagen vorab auch dem Gemeinderat zu geben?“, echauffierte sich Wolfgang Müller (Freie Wähler). Emil Schilling (CDU) schlug vor, den Tagesordnungspunkt ganz zu vertagen: „Ich kann nichts lesen. So kann ich auch nicht abstimmen.“

„Sind noch am Anfang“

Der Architekt wollte sich den „Schwarzen Peter“ nicht zuschieben lassen: Die Unterlagen weiterzugeben, sei Sache des Rathauses. Er könne die Informationen aber gerne jetzt in der Sitzung liefern. „Mein Interesse ist, voranzukommen – ohne Fachplaner können wir nicht starten“, machte er den Räten deutlich. „Wir sind noch ganz am Anfang“, meinte Hagmüller. Das erste Ziel sei, gemeinsam mit den Fachplanern zu einem Vorentwurf und einer Kostenschätzung zu kommen. Dabei werde man Varianten ausloten, die ins Budget passen. Er bot auch einen regelmäßigen Infotermin mit Vertretern des Gemeinderats an, „um Sie auf dem Laufenden zu halten“.

Zudem meinte er, dass es nicht ratsam sei, in der angespannten Lage abzuwarten: „Es wird nur teurer.“ Außerdem versicherte er den Räten: „Wir werden keinen Luxusbau erstellen, sondern sparen, wo es geht.“ Allerdings brauche es einen funktionstüchtigen Verwaltungsbau. Gleichzeitig warb er um Vertrauen, schließlich sei man ein „renommiertes Architekturbüro“, das den besten Entwurf des Wettbewerbs vorgelegt habe.

Die Planerkosten

Die Zahlen zu den Fachplanern lieferte Hagmüller dann mündlich. Die Kosten sind wie folgt: 60 000 Euro für die Tragwerksplanung, 68 000 Euro für die Elektroplanung, 110 000 Euro für die Planungen Heizung/Lüftung/Sanitär sowie 24 000 Euro für Bauphysik und 14 000 Euro Brandschutz, was insgesamt Netto-Kosten für die Fachplaner in Höhe von rund 280 000 Euro entspricht. „Allerdings werden in den jetzt zu beauftragenden Leistungsphasen eins bis drei nur 20 Prozent davon fällig“, erläuterte der Architekt. Die Verwaltung stufte die Angebote als „wirtschaftlich annehmbar“ ein.

Die Büros verfügen zudem alle über Erfahrungen im Bereich Sanierung von Bestandsgebäuden und haben teilweise auch schon mit dem Büro Schaudt zusammengearbeitet, hieß es von Verwaltungsseite.

Noch völlig im Nebel

Wolfgang Schwab (CDU) wollte schließlich von Kämmerer Frank Spiegelhalter wissen, „ob wir das mit gutem Gewissen mittragen können“? Der machte deutlich: „Ohne Fachplaner gibt es auch keine konkreten Zahlen.“ Im Moment stehe man noch völlig im Nebel. „Wir wissen nicht genau, was es kosten wird und wie viel Zuschüsse fließen“, so Spiegelhalter, der von fünf bis acht Millionen Euro Kosten sprach. Fakt sei jedoch: „Ohne Zuschüsse ist das Projekt nicht zu stemmen.“

Acht Millionen im Raum

Wolfgang Müller sah es als unbestritten an, „dass beim Rathaus etwas gemacht werden muss“. Allerdings bezweifelte er, „dass es in diesem Ausmaß erforderlich ist“.

Geschockt war er von den Kosten: „Anfangs hieß es drei Millionen, dann fünf. Heute höre ich zum ersten Mal fünf bis acht Millionen Euro: Können wir als solch kleine Gemeinde uns so etwas leisten?“, fragte er in die Runde. Zumal man nicht einmal wisse, ob Zuschüsse fließen. Ein solches Großprojekt sei „in diesen Zeiten unverantwortlich, wo die Preise explodieren“. Er wolle am Ende nicht die doppelten Kosten haben.

Vogelpohl: Projekt starten

Bürgermeister Carsten Vogelpohl hielt dagegen: „Wir haben noch gar nicht angefangen zu planen. Wir brauchen erst einmal eine Grundlage“, so der Rathauschef, der auf das „sehr gute Architekturbüro“ verwies. Er erinnerte auch an die Bedenken bei der Sanierung der Bamlacher Halle. „Das haben wir auch geschafft und gleichzeitig sogar Schulden abgebaut.“ Er appellierte an die Gemeinderäte, mit dem Projekt zu starten.

René Schladerer (FW) fand ebenfalls, „dass das Projekt gestartet werden muss“. Er sei damals Teil der Jury gewesen, die den Siegerentwurf gekürt hat, und habe „ein gutes Gefühl“ bei dem Architekturbüro. Er bedauerte indes, dass die Kommunikation bisher nicht glücklich gewesen sei.

„Wenn wir an der Planung sparen, legen wir später drauf“, schloss sich Silvia Heitz (SPD) an. Schließlich habe der Entwurf „stark überzeugt“.

Der Beschluss

Am Ende stimmten zwölf Gemeinderäte für die Beauftragung der Fachplaner für den Umbau und die Erweiterung des Rathauses (Abschluss der Verträge für die Ingenieurleistungen Leistungsphasen eins bis drei). Müller stimmte dagegen, Tim Wessel (SPD) enthielt sich.

Der Zeitplan

Ziel sei nun, noch vor Weihnachten einen Starttermin mit den Fachplanern vor Ort hinzubekommen, kündigte Architekt Hagmüller an.

Man wolle zügig in die Planung einsteigen, um bis März einen Vorentwurf mit Kostenschätzung zu haben. Falls der Gemeinderat dann grünes Licht gibt, könnte im Frühsommer der Bauentwurf mit der Kostenberechnung vorliegen. Baubeginn könnte 2024 sein.

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