Badenweiler Klavierromantik vom Feinsten

Bertrand Chamayou eröffnete mit einem spätromantischen Programm die Badenweiler Musiktage. Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Von Dorothee Philipp

Badenweiler. Klavierromantik vom Feinsten eröffnete am Donnerstag die Herbst-Musiktage in Badenweiler. Zu Gast war mit Bertrand Chamayou ein Pianist der jüngeren Generation, der gerade mit einer Einspielung der Klavierkonzerte 2 und 5 von Camille Saint Saëns Aufsehen erregt hat. Er schlug den perfekten Bogen zu den Vorgängerprogrammen der Badenweiler Musiktage, aus denen immer noch die Frankophilie des Gründer-Intendanten Klaus Lauer mitschwingt.

Wenn Liszt in seinen „Années de pelerinage“ ein Kapitel den berühmten Wasserspielen im Park der Villa d‘ Este in Tivoli widmet und dieses Klanggemälde mit allen pianistischen Raffinessen ausstattet, ist Chamayou geradezu prädestiniert, die Leuchtkraft, die filigrane Transparenz und Eleganz dieser Komposition zum Strahlen zu bringen. Wie er da so ruhig am Klavier sitzt und die flirrenden Klangteppiche, Arabesken und Arpeggien wie von selbst in die Tasten zu fließen scheinen, denkt man eher an ein Medium als an einen Starpianisten. Selbst beim dichtesten Oktavendonner, beim furiosesten Gewühl der vollgriffigen Akkorde zeichnet Chamayou die Faktur des Stücks in klaren Strichen nach, forscht bei Motivwiederholungen beharrlich nach der Essenz und setzt die feinen Nuancen mit weicher Eleganz in Szene. Unbedingte Klarheit, aber ohne Schärfe, dafür eine reiche Abstufung der Klangebenen kennzeichnen das Spiel dieses Magiers an den Tasten.

Von Wagner komponiert, von Liszt für Klavier bearbeitet und von Chamayou gespielt: Der „feierliche Marsch zum heiligen Gral“ wurde in dieser Konstellation zu einem ungemein spannungsvollen, in vielen Farben schillernden Klanggemälde, das trotz der Schwere des Marschtritts nirgends plump und bedrohlich wirkte.

Und noch einmal Liszt mit Motiven des Wassers und der Gondeln, Pianissimo-Delikatesse, die sich spielerisch den Melodienschatz der italienischen Folklore aneignet: Das Spätwerk „La lugubre gondola“ und das dreisätzige Werk „Venezia e Napoli“ aus dem Jahr 1859 wecken eine Italiensehnsucht, der schon Goethe erlegen ist. Atemberaubend die Tarantella mit ihren chromatischen Hexereien und dem furiosen Tempo, dem Chamayou aber niemals den Ausdruck um bloßer Virtuosität willen opfert.

Ravels „Miroirs“ von 1905 zeigt Chamayou als nuancen- und farbenreichen Bilderbogen, dem schon die Satzbezeichnungen einen Platz in der Traumwelt zuweisen: Traurige Vögel, eine Barke auf dem Meer, ein Tal der Glocken…

Und schließlich das gestisch und farblich an Ravel anknüpfende „Les cloches de Las Palmas“ von Saint Saëns. Dem lange zu Unrecht verkannten Franzosen widmet Chamayou auch den Rest des Programms: Zwei Mazurken und eine virtuose Etüde, wo wiederum klar wird: Hier spürt jemand mit unbestechlichem Scharfsinn den Bildern und Bezügen, den Spielebenen des musikalischen Geschehens nach, ohne vom Handwerklichen der technischen Maximalanforderungen abgelenkt zu werden.

Mit der Zugabe, Ravels berührend poetischer „Pavane pour une infante défunte“, setzt Chamayou einen romantisch-märchenhaften und gefühlsbetonten Schlusspunkt.  www.badenweiler-musiktage.de

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