Basel Alles im grünen Bereich

Von Gabriele Hauger

Riehen. So hat man die Fondation Beyeler noch nie gesehen! In intensivem, leuchtendem Grün liegt der dem Museum vorgelagerte Teich in der Sonne. Doch wo ist die Glasfassade dahinter? Wo der vorgelagerte Kunstsaal? Wo die Werke? Stattdessen zieht sich das stille Nass hinein ins Gebäude, flutet den Kunstbau und entfaltet eine ganz und gar einzigartige Wirkung.

Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson war am Werk. Lange schon mit der Fondation kooperierend, hat er unter dem Titel „Life“ eine spektakuläre Inszenierung geschaffen, die in die Geschichte des Hauses eingehen wird.

Holzstege ermöglichen das kontemplative Wandeln über der Wasserfläche. Sie führen hinein ins Innere, das nun aufgebrochen ist, erlauben einen kleinen Rundgang durch einen Teil des Museumsinneren, führen in die Mitte des kleinen Sees nach draußen und bieten dort wunderbare Blicke.

Ein überaus sinnliches Erleben. Das Auge verweilt auf dem irritierend intensiven Grün der Wasserfläche, die der Wind zuweilen kräuselt, in der sich faszinierende Spiegelungen entdecken lassen: die Bäume des Parks, die Säulen des Baus, die im Wasser einzutauchen scheinen. Der Kontrast im Inneren des Baus zwischen der grünen Farbe – die im übrigen durch sich selbst abbauendes ungiftiges Uranium entsteht – und den rein weißen, leeren Wänden, an denen sonst die Picassos und Monets hängen, beeindruckt.

Der Besucher sieht nicht nur. Er riecht: den unverwechselbaren Geruch des Organischen im Wasser, das frische Holz der Stege. Er hört das Zwitschern der Vögel, Geräusche der Stadt und des Verkehrs, leises Plätschern.

Technikfreaks dürfte die Realisierung eines solchen Projekts brennend interessieren. Doch darum geht es dem Künstler nicht. Jeder Besucher soll sich frei inspiriert fühlen, nicht angestrengt nach Sinnhaftigkeit suchen, diese aber vielleicht doch entdecken; sich überraschen und berühren lassen; seinen Gedanken nachhängen; die Natur bewundern, die Farben, die Harmonie. Man wandelt auf Wegen, die es vorher nicht gab. Und mancher fragt sich vielleicht auch, ob so die Zukunft unserer Planeten aussieht? Untergegangene Häuser, Städte, Kultur? Ein Gedanke, der sich vor allem dann aufdrängen mag, wenn man um die umweltbewusste und durchaus politische Haltung des Künstlers weiß (siehe auch nebenstehenden Artikel).

Das Projekt „Life“ ist kein Fertiges. Bis zum Juli wird es sich ständig wandeln. In Kooperation mit dem Landschaftsarchitekten Günther Vogt, dessen Arbeit sich durch den Dialog zwischen den verschiedenen Disziplinen und durch enge Zusammenarbeit mit Künstlern auszeichnet, wurden rings um das Wasser sowie im Wasser selbst zahlreiche Pflanzen gesetzt, die blühen und wieder vergehen werden. Schon jetzt schwimmen Seerosen, finden sich Schwimmfarn, Froschbiss oder Muschelblume im Wasser, sie werden wachsen und die Optik verändern. Verändert wird die Wirkung auch durch Wetter, Tages- und Jahreszeit. Regentropfen, Sturm, Wolkenformationen, die sich spiegeln, Sonnenaufgänge oder Dunkelheit, bei der das Schwarzlicht auf das Grün trifft, erlauben das Werk als ein sich stets wandelndes anzusehen – wie das Leben selbst.

Auch darum gibt es für den Besuch des Museumsparks keine regulären Öffnungszeiten, im Prinzip ist er rund um die Uhr begehbar. Kameras erlauben gleichzeitig von zuhause aus das Erleben der unterschiedlichen Stimmungen. Zudem hat Eliasson optische Filter eingebaut, die die Wahrnehmung anderer Spezies nachahmen – eine nicht-menschliche Perspektive.

„Life“ integriert das Museum – ganz im Sinne des Architekten Renzo Piano – noch stärker in den Park, lässt es quasi zum Teil der Natur werden. „Life“ ist eine Natur-Kultur-Landschaft, die deren Untrennbarkeit verdeutlicht.   bis Juli

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