Basel Angst vor letzten Fragen nehmen

Anja Bandi ist Leiterin der Basler Begräbnisstätten. Am Samstag laden sie und ihr Team zum „Tag des Friedhofs“ auf den Friedhof am Hörnli. Foto: Rolf Rombach

Mit 54 Hektar ist der Friedhof am Riehener Hörnli die größte Bestattungsstätte der Schweiz. Am 18. September, lädt die Stadtgärtnerei des Kantons Basel-Stadt zu verschiedenen Angeboten ein, um sowohl die parkähnliche Anlage als auch die Bestattungskulturen an sich kennenlernen zu können. Seit dem Jahr 2001 findet in Deutschland der „Tag des Friedhofs“ statt. 2014 begann man auch in der Schweiz, Begräbnisstätten mit besonderen Veranstaltungen den Menschen näher zu bringen. In diesem Jahr steht der „Tag des Friedhofs“ unter dem Motto „Natürlich erinnern“.

Von Rolf Rombach

Riehen . „Irgendwann kommt jeder zu uns“, sagt Anja Bandi, Leiterin der Basler Friedhöfe, beim Vor-Ort-Termin schmunzelnd. Berührungsängste mit dem Thema Tod sind ihr berufsbedingt fremd. Und das möchte sie auch den Besuchern des Friedhofs vermitteln. Abgesehen von den Grabmalen ist der Friedhof am Hörnli eine riesige Parkanlage. Neben schätzungsweise rund 60 Rehen, die aktuell eher ungewollt unterwegs sind, kommen gelegentlich auch Geißen zum geplanten Einsatz in der Grünpflege. Verschiedene Büsche und Bäume wechseln sich mit vielen Blumen ab.

Vor 90 Jahren eingeweiht

Zahlreiche Brunnen und Skulpturen aller Arten verteilen sich auf den zwei Hauptfeldern mit zwölf Abteilungen, die einzig durch den Fahrrad- und Fußweg, der Grenzach und Riehen unterhalb des „Hörnlis“ miteinander verbindet, getrennt werden. Im kommenden Jahr wird der einzige Zentralfriedhof der Schweiz 90 Jahre alt, wenngleich einige Grabmale deutlich älter sind, da sie bei der Gründung aus den verschiedenen kleineren Friedhöfen hier vereint wurden.

Welche Möglichkeiten der Bestattung gibt es überhaupt? Wie kann ich vielleicht auch für mich selbst die Ruhestätte meines Wunsches finden und wie erkläre ich dies meinen Angehörigen? Solche Punkte dürfen und sollen unter anderem am Tag des Friedhofs angesprochen werden. „Man nimmt damit auch den Angehörigen die Verantwortung und Druck“, erklärt Bandi. Ein Trend, der in Deutschland gesetzlich nicht möglich ist: Immer mehr Menschen nehmen die Asche ihrer Verstorbenen mit nach Hause oder verstreuen diese entsprechend dem Wunsch der Person im eigenen Garten, Meer oder in Flüssen.

Was angeboten wird

Von 10 bis 15 Uhr sind zehn verschiedene Angebote kostenlos zu nutzen. Die Gesellschaft für Arbeit und Wohnen (gaw) bietet zudem Verpflegungsmöglichkeiten an. Stündlich werden Führungen durch das 2017 erbaute Krematorium angeboten. Dabei erhalten die Besucher auch Einblicke in Bereiche, die sonst nicht zugänglich sind. Ein unterhaltsamer Punkt wird die Führung mit der „Sensenfrau“. „Madame La Mort im Garten der Ewigkeit“ heißt der Rundgang, welcher auf unterhaltsame und aufgelockerte Art mit einer Prise Humor einige Persönlichkeiten, welche auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben, vorstellt. „Man darf auch auf einem Friedhof lachen. Nicht lächerlich, aber unterhaltsam“, erläutert Anja Bandi.

 Weitere Informationen erhalten Interessierte im Internet unter www.stadtgaertnerei.bs.ch/tagdesfriedhofs. Es gilt bei den Veranstaltungen am „Tag des Friedhofs“ die Zertifikatspflicht für Innenräume.

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