Basel Arena für die Gladiatoren des Wortes

Gratulierten der Literatur-Arena in Riehen mit eigenen Texten zum 40. Geburtstag: Verena Stössinger und Katja Fusek (vorne von links), Alain Claude Sulzer, Valentin Herzog, Wolfgang Bortlik und Sandra Hughes (hinten von links). Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Riehen. Einen Tag nach dem „großen Bruder“, dem Literaturhaus Basel, eröffnete die Arena-Literaturinitiative Riehen ihre Jubiläumssaison. Der streitbare Rolf Hochhuth war der Erste, der vor 40 Jahren in die Arena stieg. Seither ist sie ein Schauplatz, in dem die Gladiatoren des Wortes mit geschliffenen literarischen Formulierungen antreten.

Texte zum Begriff „Arena“

Vom Kampfplatz zum kritischen Diskurs: So versteht sich der Literaturverein Arena um den Vorsitzenden Valentin Herzog, der bei rund 400 Veranstaltungen interessante Autoren mit Lesungen zu Wort kommen ließ. Zur Feier des literarischen Geburtstags haben sieben Autoren eigens Kurztexte zum Begriff „Arena“ verfasst, die zum Auftakt der Jubiläumsreihe im Lüschersaal der Alten Kanzlei vorgetragen wurden. Alles Texte, die auch im Arena-Jahresheft Nr. 20 veröffentlicht sind.

Die Themenwahl reicht von sehr ernsthaften Betrachtungen über eine Welt im Umbruch (Verena Stössinger) über artistische Sprachkunststücke aus der Zirkusarena von Alain Claude Sulzer – der einen Abend zuvor seinen neuen Roman „Unhaltbare Zustände“ im Literaturhaus Basel vorstellte – bis hin zu einer Fantasy-Vision von Sandra Hughes mit Außerirdischen, die nach einem Super-GAU in Riehen auf eine Tafel mit Inschrift „Arena Literatur-Initiative“ stoßen, die „irgendwas mit Büchern“ bedeutet.

Wolfgang Bortlik

Wolfgang Bortlik, selber Vorstandsmitglied, hat gar frohgemut ein jubilierendes Gedicht über „Herrn Spartakus“ im strengen Knittelvers gereimt: „Arena ist die Bühne jetzt/Wo viele heftig ringen/Mit sich und ihrem Wörterschatz/ Und ihre Werke bringen/ Die Rüstung ist nun aus Papier/Und Worte sind die Waffen/Es kämpfen Prosa, Poesie/Und werden es schon schaffen“.

In zahlreichen Strophen vergleicht Bortlik hier die einstigen Gladiatoren mit den heutigen Autoren, die sich mit „scharfem Mundwerk“ vorstellen.

Valentin Herzog

Als Römer charakterisierte sich auch Mitbegründer Valentin Herzog. In seinem selbstironisch antikisierenden Beitrag „Der Arenarius“ bringt der Schriftsteller eine Analogie zu 40 Jahren „treuem Dienst“ in der Arena und erzählt von einem alten Mann, der in der libyschen Wüste den Kampfplatz des Amphitheaters immer säubern musste. Valentin Herzog wird auch wieder die nächsten Spiele ausrufen, ganz im Dienst des Wortes, denn: „einmal Arenarius, immer Arenarius“.

Katja Fusek

Vorstandsmitglied Katja Fusek ist eine der Autorinnen, die sich der Arena sehr verbunden fühlen und schon öfter hier gelesen haben. Sie weitet den Begriff „Arena“ ins Private aus. Ihre Geschichte spielt vor der Postkartenkulisse eines antiken Theaters und ihre Protagonisten heißen Paula und Beat, seit 20 Jahren verheiratet, die ein Ehedrama ohne Ende durchleben.

Markus Ramseier

Der kürzlich verstorbene Autor und Flurnamenforscher Markus Ramseier aus Pratteln konnte noch einen Text verfassen, einen melancholischen und von Vorahnung erfüllten. Darin sieht er einem Gletscher beim Sterben zu, vergleicht die Felswanderung mit seinem Leben. Der Aufstieg über steile Geröllhalden, Trümmer und entwurzelte Bäume ist mühsam. Die Bilder der Stille klingen nach einer Metapher für den Gang der Dinge, für Leben und Tod. Gelesen wurde dieser schöne Text von Valentin Herzog, der noch auf das Jubiläum etwas einging, auf das Jahr 1979, als die Arena ihre Arbeit aufnahm, und gleich so prominente Autoren wie Hochhuth oder Urs Widmer zu Gast waren.

Höhepunkte und Krisen

Herzog vergaß auch nicht zu erwähnen, dass die Literaturarena schwere Krisen erlebt hat, eine besonders schwere, als man den Autor Christof Wackernagel, ein geläutertes, ehemaliges RAF-Mitglied, einlud. Doch die Wogen glätteten sich wieder, und 1999 fusionierte die Arena mit der auf Dialekt und Mundartautoren spezialisierten Reihe „Kaleidoskop“. Seither gibt es auch das Arena-Heft mit literarisch interessanten Beiträgen nicht nur für Mitglieder. Berühmte Autoren wie Cees Nooteboom, die am Ende einer 30-tägigen anstrengenden Lesetour übermüdet und erschöpft ans Lesepult traten, gehen ebenfalls in die Vereinschronik ein wie zahlreiche Höhepunkte, Entdeckungen und unvergessliche Literaturabende.

Stadtschreiber-Idee

2022 steht das 500-Jahr-Jubiläum der historischen Vereinigung Riehens mit Basel an. In diesem Zusammenhang fiel die Idee eines Stadtschreibers und eines literarischen Werkes, an dem sich die Arena beteiligen könnte. Auf jeden Fall wurde schon einmal auf die Zukunft der Arena angestoßen!   Nächste Lesungen: 19. September Patrick Tschan, 15. Oktober Ursula Rychen, 12. November Heinrich Steinfest, jeweils 20 Uhr, Kellertheater im Haus der Vereine.

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