Basel Arztbesuch fürs Stachelschwein

Seelöwin Peggy geht es heute Morgen nicht gut. Sie kneift die ganze Zeit ihr linkes Auge zu. Durch ein Fernglas beobachtet die Tierärztin des Basler Zoos, Fabia Wyss, aufmerksam das geschwollene Augenlid, bespricht sich mit den Tierpflegern und entscheidet sich erst einmal für ein Schmerzmittel.

Von Denis Bozbag

Basel. Wenn Seelöwen Probleme mit den Augen haben, könne dies unter anderem mit der Fütterung am Becken  zu tun haben, bei  der die Pfleger die Fische von oben herab zuwerfen. „Dabei schauen die Tiere ins Licht. Normalerweise jagen sie unter Wasser nach Nahrung“, erklärt Wyss im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Seelöwin Peggy ist an diesem Morgen nicht das einzige Tier im „Zolli“, das untersucht wird. Das Rentierjunge Quiana hatte vor einigen Wochen einen Nabelbruch, der zugenäht werden musste. Dann hatte sich ein eitriger Abszess an der Narbe gebildet, der mit Antibiotika behandelt wurde. Mit  prüfendem Blick auf den Bauch des Jungtiers kann Wyss heute Entwarnung geben: „Es ist alles gut verheilt“, freut sich die 33-Jährige. 

Die Zusammenarbeit mit den Tierpflegern sei sehr wichtig bei den täglichen Untersuchungen: „Ich kenne die Gewohnheiten und Eigenheiten der jeweils zu behandelnden Tiere nicht so gut wie deren Betreuer und bin daher auf ihr Wissen angewiesen.“

Jeden Morgen findet mit den Kuratoren, Pflegern und dem Zoodirektor eine Besprechung statt. „Bei dieser gehen wir alle Krankenfälle durch, und ich kann mir ein Bild vom aktuellen Zustand der Tiere machen, bevor ich zu ihnen in die Anlage gehe.“

Für den Weg dahin hat Wyss vor zwei Jahren ein Elektromobil auf zwei Rädern erhalten. Der Gepäckträger liegt vorne für eine gute  Manövrierfähigkeit des Gefährts. Seitlich ist ein zylindrischer Behälter befestigt, in dem sich das Blasrohr für die Narkose der Tiere befindet.

Das Telefon klingelt am Freitag sehr oft. „Am Wochenende bin ich nicht da. Deshalb wollen die Pfleger den Zustand ihrer kranken Tiere heute noch abgeklärt wissen“, verdeutlicht Wyss. Alle sechs Wochen hat sie am Samstag und Sonntag Bereitschaftsdienst und muss bei Notfällen an Ort und Stelle sein. Neben einem zweiten festangestellten Kollegen arbeiten vier weitere externe Ärzte in Bereitschaft am Wochenende.

Rauferei bei den Sumpfspringaffen

Bei den Sumpfspringaffen hat es eine Rauferei gegeben, und das Familienoberhaupt Gunther wurde dabei in die Zehen gebissen: „Diese kleben noch aneinander. Wir müssen vorerst noch abwarten, wie sich die Verletzung entwickelt.“ Aufmerksam beobachten die Primaten die Ärztin bei ihrer Stippvisite im Affengehege. Nicht jeder von ihnen hegt große Sympathie für die junge Ärztin. Dazu sind bei einigen die Erinnerungen an Spritze und Piekser noch sehr frisch.

„Die Menschenaffenarten haben jeweils einen Betreuer, der sich ganzzeitlich um sie kümmert. Insgesamt arbeiten  mehr als 70 Pfleger und spezialisierte Handwerker für die Bewohner der Zooanlage.“

Das Stachelschwein Fitina ist an diesem Morgen die letzte Patientin. Auch sie hat Probleme mit ihrem Auge. Wahrscheinlich habe sie einen Stachel von ihren Artgenossen abbekommen, vermutet Wyss, während sie ihr Auge eingehend betrachtet. Mit einer Spritze soll ihr eine antibiotische Lösung ins Auge gespritzt werden. 

Auf die Frage, ob den Tieren die heißen Sommertemperaturen zu schaffen machen, erwidert Wyss: „Ja das ist wie bei uns Menschen. Doch im Gegensatz zu uns wissen die Tiere selbst, was ihnen dann guttut.“ So würden sich die Elefanten am liebsten zur Abkühlung im Schlamm suhlen. Andere Tiere blieben im Schatten  und vermieden Aktivitäten in der prallen Sonne.

Artgerechte Ernährung steht im Fokus

Was bei der Hitze selber gut funktioniert, gilt indes nicht für die Ernährung. „Hier ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten, ,dass die Tiere eine artgerechte Alternative zu ihrer Nahrung bekommen, die sie von Natur aus gewohnt sind“, betont Wyss, die seit zwei Jahren nach einer Zootierausbildung in Zürich und einem Studium der Veterinärmedizin in Bern fest angestellt im Basler Zoo arbeitet. 

„Wir kooperieren  mit regionalen Förstern und Landwirten die   zum Beispiel für die Giraffen Astwerk und Blätter besorgen. Denn etwas Anderes wollen sie nicht fressen.“

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