Das Lämpchen des Schnelltest-Messgeräts leuchtet rot auf. Rolf Stalder muss rechts ranfahren und sich einem zweiten, genaueren Alkoholtest unterziehen. Er ist einer von 405 Autofahrern, die im Rahmen einer Polizeikontrolle von Einsatzleiter Albin Hugentobler und seinen Kollegen der Polizei Basel-Stadt angehalten werden.

Von Michael Werndorff

Basel. Die Spannung steht Stalder ins Gesicht geschrieben, immerhin geht es im schlimmsten Fall um den Verlust des Führerscheins, auf den der Gartenbauer für seine Arbeit dringend angewiesen ist. „Ich hatte vor zwei Stunden ein Feierabendbier“, sagt der Autofahrer und gibt dem Beamten seine Papiere, während ein anderer ihn bittet, in das Messgerät zu pusten. Der erste Versuch misslingt, der zweite glückt, nachdem er lange genug in das Kunststoffröhrchen geblasen hat: 0,06 ist auf dem Display zu lesen, auf das auch Stalder einen Blick wirft. Das ist der Alkoholgehalt in Milligramm pro Liter Atemluft. Die Zahlen müssen mit dem Faktor zwei multipliziert werden, um den geläufigen Promillewert zu erhalten: Stalder hat demnach 0,12 Promille im Blut – „das liegt deutlich unter dem Grenzwert von 0,5“, wie ihm der Beamte erklärt.

Autofahrer sollen sensibilisiert werden

Mit Schikane habe die Kontrolle nichts zu tun, meint Stalder, der beruflich viel auf Achse ist. Mit auf den Weg nimmt er die Ermahnung der Beamten, dass der Alkoholkonsum die Reaktionszeit herabsetze. Auf sein Feierabendbier wolle er aber auch zukünftig nicht verzichten, sagt Stalder und fährt davon.

Die Kontrolle spielt sich gegen 19 Uhr an der Ecke Reinacher-/Gionicostraße im Rahmen der Aktion „Via“ ab. Insbesondere vor und nach der Weihnachtszeit wird verstärkt nach Alkohol- und Drogensündern gesucht, sagt Hugentobler im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen die Autofahrer sensibilisieren und ihnen bewusst machen, dass sie jederzeit und überall in eine Polizeikontrolle geraten können, in der sie auf Medikamenten-, Alkohol- und Drogenkonsum hin unter die Lupe genommen werden.“ Anders als in Deutschland muss kein Verdacht vorliegen, um einen Alkoholtest durchführen zu dürfen.

Das zahle sich aus, verweist Hugentobler auf eine leicht sinkende Tendenz in Sachen Alkohol am Steuer. Dennoch: Rund ein Drittel der Unfälle im Straßenverkehr sind auf Fahruntüchtigkeit zurückzuführen, ein weiteres Drittel auf zu hohe Geschwindigkeit.

Doch nicht nur auf benebelnde Substanzen haben es die Beamten während der zweistündigen Kontrolle abgesehen. „Wir kontrollieren auch, weil es in jüngster Zeit vermehrt zu Wohnungseinbrüchen kommt.“ Dementsprechend schauen sich die Polizisten die Autos aufmerksam an. Liegt Werkzeug auf dem Rücksitz, oder hängt das Heck des Fahrzeugs tief aufgrund eines schwer beladenen Kofferraums? „In der Regel sind es viel Erfahrung und ein guter Riecher, der die Beamten auf die richtige Fährte bringen“, erzählt der Einsatzleiter, als just das rote Lämpchen des Messgeräts wieder aufleuchtet. Nun ist die junge Aargauern Sara an der Reihe, die nur ihren Vornahmen verrät. Selbe Prozedur – ­diesmal 0,24 Promille, und damit ist auch sie noch fahrtüchtig. „Allerdings ist Ihre Reaktionszeit beeinträchtigt“, mahnt der Polizist zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Die Bilanz des Abends: Bei 15 Autofahrern wurde Alkohol gemessen, wobei alle den erlaubten Grenzwert nicht überschritten, darüber hinaus wurden zwei Bußen fällig, weil Autofahrer nicht angeschnallt waren. Der richtig große Fisch ging den Beamten an diesem Abend nicht ins Netz, vielleicht aber bei der nächsten Kontrolle – ­diese finden übrigens täglich statt, sagt Hugentobler.