Basel „Auf die Krise vorbereitet sein“

Toni Kostic
Die Ausrufung der Alarmstufe im Notfallplan Gas treibt die Unternehmen der Region um. Foto: Pixabay

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat in der vergangene Woche die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausfgerufen – die zweite von drei Stufen des Notfallplans. Wie schätzen regionale Energieversorger und andere Unternehmen die Lage ein?

Von Toni Kostic

Regio. „Bisher ist die Gasversorgung weiterhin gesichert“ – Beeinträchtigungen im Netz der Badenova gib es bislang nicht.“, sagt Yvonne Schweickhardt, Pressesprecherin der Badenova-Gruppe. Allerdings sei eine Verschlechterung der Lage nicht auszuschließen, weshalb es nun gelte, die Vorbereitungen auf die mögliche Notfallstufe – die höchste Kategorie im dreistufigen System – zu intensivieren.

Auf Notfallstufe vorbereitet

Als Teil der kritischen Infrastruktur sei es gängige Praxis, auf Krisen vorbereitet zu sein, erklärt die Pressesprecherin. Schon in den Jahren zuvor sei man hypothetische Szenarien strategisch durchgegangen, um im Fall eines Rückgangs des Gasangebots Maßnahmen treffen zu können. Selbstverständlich sei man auch auf die Notfallstzufe vorbereitet.

Die aktuelle Situation an den Energiemärkten ist laut Schweickhardt sehr unruhig und in ständiger Bewegung. Um die Preise stabil zu halten, verfolge das Versorgerunternehmen eine langfristige Beschaffungsstrategie – und sei deshalb auch weniger anfällig als jene Energieversorger, die eine eher kurzfristige Strategie verfolgen und sich mitunter auch „verzocken“ können, betont Schweickhardt.

„Als stromproduzierendes Unternehmen haben wir nur ein kleines Gas-Portfolio“, sagt Alexander Lennemann, Pressesprecher von EnergieDienst. Doch auch wenn man nur mittelbar betroffen sei, verfolge man die Veränderungen am Markt genauestens, um gegebenenfalls reagieren zu können, sagt Lennemann.

In der Ukraine-Krise und auch der Corona-Pandemie sieht er Katalysatoren für die Energiewende: Der Druck, in erneuerbare Energien zu investieren, sei noch nie so groß gewesen. „Unsere Ausrichtung auf erneuerbare Energien erweist sich als richtig“, so Lennemann.

Katalysator für die Energiewende

Die IHK macht in den Reihen der Unternehmen eine angespannte Stimmungslage aus: „Die Unternehmen am Hochrhein sind – nicht anders als in ganz Deutschland – über alle Branchen hinweg in großer Sorge“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee, Claudius Marx – und denkt im Krisenszenario schon eine Stufe weiter: Sollten die Unternehmen eine Ausrufung der Notfallstufe nicht mehr die Energie bekommen, die sie brauchen, könnte das im einzelnen Fall bis zu einem Produktionsstopp führen, erklärt Marx: „Schon bei stark reduzierter Versorgung funktionieren viele Prozesse nicht mehr“. So seien Produktionsprozesse häufig nicht in der Weise skalierbar, dass sie bei reduzierter Versorgung auf 50 oder 70 Prozent gefahren werden können. „Für manches Unternehmen könnte es schlicht das Aus bedeuten“, befürchtet Marx.

Die Gasversorgung besitze in bestimmten industriellen Bereichen eine erhebliche Systemrelevanz, hält Claudius Marx fest. „Fällt etwa die Produktion in der Grundstoffe verarbeitenden Chemie aus, sind nicht nur die unmittelbar betroffenen Unternehmen lahmgelegt, vielmehr brechen ganze Produktionsketten zusammen.“ So könnten davon letztlich auch Medizinprodukte, Lebensmittel oder der Health Care-Bereich betroffen sein – auch wenn eigentlich „nur“ die Verpackung fehle.

Schweiz ohne eigene Gasspeicher

Die Gaslage führt auch in der Schweiz zur Anspannung. „Bei der Gasversorgung ist die Schweiz auf ihre Nachbarländer angewiesen, da sie über keinen direkten Zugang zu den Rohstoffländern im großen Maßstab verfügt“, sagt sich Jasmin Fürstenberger, Leiterin Kommunikation der Handelskammer beider Basel. „Inwiefern sich die Drosselung über die Pipeline Nord Stream 1 auf die Schweiz und unsere Region auswirkt, ist schwer abzuschätzen.“

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