Basel Aug’ in Aug’ mit dem König

Adrian Steineck

Das Museum Kleines Klingental hat einen neuen „Mitbewohner“: Der Gipsabguss einer Königsfigur, die Rudolf von Habsburg zeigen soll und ursprünglich im Basler Münster gestanden haben könnte, wird fortan in der Dauerausstellung des Museums zu sehen sein. Strittig ist aber, ob die Statue überhaupt den Stammvater des Hauses Habsburg darstellt.

Von Adrian Steineck

Basel. Es ist dies zugleich das erste Mal seit Jahrhunderten, dass die Königsfigur –­ zumindest als Gipsabguss – öffentlich zugänglich gemacht wird, sagt Gian Casper Bott im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dies ist eine der bedeutendsten gotischen Skulpturen in Basel“, macht der Leiter des Museums Kleines Klingental deutlich. Entstanden ist die Statue wohl gegen Ende des 14. Jahrhunderts; seit Jahrhunderten hat sie ihr Domizil im Altbasler Seidenhof am Blumenrain gefunden. Dank des Entgegenkommens der Eigentümer und mit Unterstützung von Stiftungen und Gönnern konnte das Museum Kleines Klingental erstmals einen Gipsabguss in Auftrag geben. Dort können die Besucher ab sofort in das erhaben wirkende Antlitz von Rudolf I. blicken und mehr zum geschichtlichen Hintergrund des Hauses Habsburg erfahren.

Wer ist König Rudolf I. von Habsburg?

Rudolf I. lebte von 1218 bis 1291 und war ab etwa 1240 Graf von Habsburg und von 1273 bis 1291 der erste römisch-deutsche König aus dem Geschlecht der Habsburger. Damit gilt er als Stammvater des Hauses Habsburg, dessen Stammburg im heutigen Kanton Aargau liegt und das über Jahrhunderte hinweg zu den mächtigsten Königshäusern Europas gehörte. Unter der Herrschaft Karls V. erreichte es im 16. Jahrhundert den Gipfel seiner Macht.

Welchen Bezug hat Rudolf zu Basel?

Was aber hat der Stammvater dieses Königshauses, das doch eher mit Österreich verbunden ist als mit der Schweiz, mit Basel zu tun? Ganz einfach: „Im Chorgang des Münsters befindet sich der Sarkophag seiner Gemahlin Anna von Habsburg, die ursprünglich Gertrud von Hohenberg hieß und im Jahr 1281 verstorben ist, sowie das Grab ihres jüngsten Sohnes Karl“, erklärt Bott. Es handle sich hierbei um das einzige kaiserliche Grab in der Schweiz. Nach dem Erdbeben von Basel im Jahr 1356 wurden die beiden Gräber auf die linke Chorseite des Basler Münsters verlegt. Dort sind sie allerdings heute nicht mehr zu finden: Im Zuge der Reformation wurden die Gebeine in den Stift St. Paul im Lavanttal in Kärnten überführt.

Rudolf I. von Habsburg wiederum zog im Angesicht seines nahenden Todes als 73-Jähriger im Sommer des Jahres 1291 vom rheinland-pfälzischen Germersheim nach Speyer, da er im dortigen Kaiserdom beigesetzt werden wollte.

Zeigt die Statue überhaupt Rudolf von Habsburg?

So weit, so gut. Aber zeigt die Statue, die jetzt im Museum Kleines Klingental als Abguss gezeigt wird, tatsächlich Rudolf I.? „Der markante Bart entspricht dem höfischen Schönheitsideal der damaligen Zeit, auch die schmale Taille deutet auf eine höfische Figur hin“, zählt Bott Indizien auf. Das Gesicht wirkt erhaben und zugleich suggestiv und wurde vermutlich nach seiner Erschaffung im 14. Jahrhundert später einmal nachbearbeitet. Ebenso deuten Farbpigmente darauf hin, dass die Originalfigur wie die meisten mittelalterlichen Skulpturen dereinst bunt war. Aber letztendliche Gewissheit, ob hier tatsächlich das Konterfei Rudolfs I. zu sehen ist, lässt sich laut Bott kaum gewinnen.

Welche Bedeutung hat der Gipsabguss im Museum?

Vier Jahre dauerte es von der ersten Kontaktaufnahme des Museums mit den Besitzern der Statue bis zum fertigen Gipsabguss. „Wir mussten zunächst Stifter finden, die uns den Abguss finanziell überhaupt erst ermöglicht haben“, sagt Bott.

Mit dem öffentlich zu sehenden Gipsabguss wird laut dem Museumsleiter ein weiterer Baustein zum Formengedächtnis von Basel geliefert. „Von den meisten Münsterfiguren gibt es Abgüsse, von dieser hier gab es bisher keine“, sagt er. Die Abgüsse sollen im Fall einer Zerstörung der Originale dazu beitragen, dass diese zumindest der Form nach erhalten bleiben. Das Museum Kleines Klingental in Basel, Unterer Rheinweg 26, hat mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.mkk.ch.

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