Basel Aug in Aug

Die Oberbadische

Von Gabriele Hauger

Riehen. Aug in Aug mit Porträts und Selbstporträts neun prominenter Künstlerinnen findet sich der Besucher der neuen Ausstellung „Close up“ in der Fondation Beyeler. Ab Sonntag werden in neun Räumen rund 100 Werke präsentiert – vom Impressionismus über die klassische Moderne, die Nachkriegskunst bis zur zeitgenössischen Kunst. Erstmals sind diese neun großen Künstlerinnen in einer Schau vereint: Berthe Morisot, Mary Cassatt, Paula Modersohn-Becker, Lotte Laserstein, Frida Kahlo, Alice Neel, Marlene Dumas, Cindy Sherman und Elisabeth Peyton. Kuratorin ist Theodora Vischer.

Die coronabedingt um ein Jahr verschobene Ausstellung liege ihm sehr am Herzen, sagte Museumsdirektor Sam Keller bei der Pressekonferenz. Alle vertretenen Künstlerinnen sind hoch angesehen, leisteten zu ihrer Zeit ihren Beitrag zur Porträtkunst. Ihre Kunst ist von ihrer Zeit, ihren Biografien geprägt. Präsentiert werden viele Hauptwerke, Leihgaben stammen aus internationalen Museen und Privatsammlungen.

„Ein Porträt ist stets eine Suche nach dem Menschen, nach dem, was ihn einzigartig macht“, analysiert Keller. Und wünscht sich, dass die Besucher einen persönlichen Bezug zu den Porträtierten entwickeln. Die Bilder machten den erstaunlichen Wandel des Menschenbildes deutlich – in unterschiedlicher Maltechnik und Spielart.

Statements von Schauspielerinnen

Jeder Raum ist einer Künstlerin gewidmet. Im letzten Saal finden sich Biografien, Fotografien und Zitate der jeweiligen Künstlerinnen vereint. Besonders gelungen: Auf Bildschirmen sind rund vierminütige Beträge zu sehen, in denen bekannte Schauspielerinnen wie Martina Gedeck, Meret Becker oder Maria Furtwängler reflektierte, fundierte, dabei aber auch persönliche Statements zu jeweils einer der Künstlerinnen abgeben.

Es ist eine komplett weibliche Schau. Dabei geht es indes keineswegs darum, sich „political correct“ auf Frauen zu konzentrieren. Vielmehr zeichnet alle Werke schlichtweg große Qualität aus – geschaffen von Frauen. Diesen war es überhaupt erst ab Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts möglich, Kunstschulen zu besuchen, in Künstlerkreisen akzeptiert zu werden und auszustellen.

Die Schau beginnt chronologisch bei der Französin Berthe Morisot, die gemeinsam mit der fast gleichaltrigen einzigen Amerikanerin des französischen Impressionismus, Mary Cassatt, zu den wichtigsten Vorbildern für die folgende Generation von Malerinnen wird. Morisots Motive stammen meist aus dem häuslichen Bereich. Wir sehen eine junge Frau im Garten, vor dem Spiegel, auf dem Sofa – moderne Porträts im Sinne der Impressionisten. Auch Cassetts Gemälde zeigen nahestehende Personen im privaten Umfeld. Ob in Muße, beim Lesen oder Tee trinken – stets erscheinen sie im Bild als Subjekt des modernen Lebens.

Deutlich anders ist die Malweise der im Kindbett früh verstorbenen Paula Modersohn-Becker. Ihre Selbstbildnisse und Bildnisse aus den Jahren 1900 bis 1907 zeigen die Personen ohne szenischen Hintergrund, sie rücken nahe an den Betrachter heran, in frontaler Nahansicht. Dabei geht es weitaus weniger um realistische Ähnlichkeit, sondern um formale Qualitäten, die die Porträtierten auszeichnen –­ in beeindruckender Konzentration.

Mit Lotte Laserstein, einer Vertreterin des Realismus, wechselt der Blick der Ausstellung von Paris nach Berlin. Ihre Porträts widmeten sich der modernen, neuen Frau: beim Tennis oder in ihren oft melancholischen Selbstporträts.

Frida Kahlo dürfte zu den allgemein prominentesten Malerinnen dieser Schau gehören. In ihren Selbstporträts, in denen sie stets jugendlich, schön, ausdruckslos erscheint, entwickelte sie ihren ganz eigenen Stil, von Surrealismus, Volkskunst und Politik geprägt, konstruiert und bestimmt durch zahlreiche Accessoires, Bezüge und Hintergründe.

Die Amerikanerin Alice Neel bleibt der Figuration treu. Von ihr sind realistische Porträts zu sehen, vom lebenden Modell oder aus der Erinnerung gemalt, die den Charakter erfassen. Ihre Bilder zeigen Menschen aus verschiedenen Milieus und Schichten.

Kritischer Blick auf unsere Gesellschaft

Die in Kapstadt geborene Marlene Dumas zählt zu den herausragenden Vertreterinnen der zeitgenössischen figurativen Malerei. Mit ihr beginnt ein neuer Abschnitt der Ausstellung. Sie befasst sich in ihren teils verstörenden Inszenierungen mit allgemeinen Themen wie Liebe, Tod, Identität. Cindy Sherman ist von Kino, Film und Werbung inspiriert. Ihre meist im Studio inszenierten Arbeiten setzten sich mit Schönheit, Alter, Geschlecht und Identität aus – ein kritischer Blick auf unsere Gesellschaft.

Elisabeth Peyton schließlich ist mit ihren kleinformatigen, intimen Porträts vertreten. Ihr Blick auf Freunde und Prominente ist subjektiv, einfühlsam, vertraut.  19. September bis 2. Januar 2022; es ist ein Katalog erschienen

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