Basel Aus nach 102 Jahren

Basel - Es lag durchaus etwas Wehmut in der Luft. „Das ist meine 20. Muba“, verriet ein Schweizer Pressevertreter gestern vor der Eröffnung der 103. Ausgabe der Warenmesse. Zugleich wird es die Letzte sein, denn der Messebetreiber MCH Group hat die Notbremse gezogen.

Der Eröffnungstag sei der Anfang vom Ende, sagte Ulrich Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group, gestern vor den geladenen Gästen. Mit den vielen Einkaufszentren und dem Onlinegeschäft sei die Muba „aus der Zeit gefallen“.

Die Schweizer Mustermesse im Frühjahr 1917 als nationale Leistungsschau ins Leben zu rufen, habe Mut gebraucht. Mut war laut Vischer auch nötig, um nun einen Schlussstrich zu ziehen. Die oft auch als „Mutter aller Messen“ bezeichnete Muba habe ihre Schuldigkeit jedoch getan, sagte Vischer weiter mit Blick auf die zahlreichen Messen, die aus der Frühjahresmesse entstanden sind, wie etwa die Swissbau oder die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld.

Bedauern bei Ausstellern

Bis zum 17. Februar soll der „Geist der Muba“ jedoch nochmals aufleben, wie Messeleiter Daniel Nussbaumer beim Pressegespräch sagte. Dabei gebe es auch viel Nostalgisches zu sehen: So wird etwa in einer Art Kino mit alten Fernsehbeiträgen die Geschichte der Frühjahresmesse nachgezeichnet.

605 Aussteller – 16 weniger als im vergangenen Jahr – sind es geworden, die an der letzten Muba ihre Produkte und Dienstleistungen feilbieten. Die Messe beschränkt sich auf die historische Rundhofhalle und einen Teil des Messeplatzes.

Das Aus für die Muba stößt bei den Ausstellern teilweise auf Unverständnis, wie einige im Gespräch mit unserer Zeitung sagen. „Das ist tragisch, wir werden sie vermissen“, sagt etwa Martin Reichmuth, Messeleiter des Berner Unternehmens Möbel Märki, das seit dem Jahr 1974 an der Muba vertreten war. Man mache es sich als Aussteller zu einfach, wenn man die Gründe für das nachlassende Interesse allein im Internethandel suche. Urs Widmer vom Velohuus in Dornach bedauert das Aus ebenfalls. „Wir schauen aber immer voraus, nicht zurück“, sagt der Aussteller, der an der Muba seit 25 Jahren teilnimmt. Housi Knecht, der mit seinen Skulpturen über vier Jahrzehnte hinweg an der Muba vertreten war, sieht es positiv: „Das Ausstellungswesen verändert sich, da muss man sich auch als Aussteller neu erfinden.“

Gastland und Gastregion

Wie in früheren Zeiten ist ein Gastland vertreten. Zugleich präsentiert sich mit Appenzell nicht nur ein Gastkanton, sondern eine ganze Gastregion. Wie in früheren Zeiten, als die Messe laut eigenen Angaben mehr als eine Million Besucher angelockt hatte, soll bei der letzten Ausgabe die ganze Familie an die Messe kommen können und dabei Spaß haben. Ein Ziel für die Besucherzahlen nennt Nussbaumer keines. Der Eintritt ist in diesem Jahr frei.

Offizieller Schlussakt

Ein offizieller Muba-Schlussakt ist für den Sonntag, 17. Februar, ab 16.30 Uhr vorgesehen. Dabei werden dem Historischen Museum Basel auch einige Objekte aus dem Fundus der Schweizer Mustermesse übergeben, etwa das Gästebuch.

Die wegen fundamentalen Veränderungen in der Messe- und Veranstaltungsbranche in Schwierigkeiten geratene MCH Group hat im vergangenen Jahr entschieden, die Muba sowie die Publikumsmessen Züspa in Zürich und Comptoir in Lausanne einzustellen. Die Muba litt seit Jahren unter einem Besucherschwund. Im vergangenen Jahr waren noch 124 000 Besucher gezählt worden.

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