Basel Außer Gebrauch und mitunter rätselhaft

Dominique Spirgi
Im Untergeschoss der Barfüßerkirche zeigt eine Sonderausstellung Alltagsgegenstände aus zum Teil noch gar nicht so lange vergangenen Zeiten. Foto: Historisches Museum Basel

Eine Sonderausstellung im Historischen Museum Basel zeigt alte Alltagsgegenstände

Ein Glaskäfig für Fisch und Vogel, eine Reiselatrine oder ein Hammer zum Zerstoßen von Zuckerhüten: Das Historische Museum Basel vereint in einer lehrreichen und zugleich sehr unterhaltsamen Ausstellung Alltagsobjekte, die nicht mehr im Gebrauch sind.

Im Vorraum zu den Sonderausstellungsräumen im Untergeschoss der Barfüßerkirche werden die Besucher von einer großen und reich gefüllten Vitrine empfangen. Darin ausgestellt sind unter anderem ein altes Telefon mit Wählscheibe, ein Plattenspieler, ein Telefonbuch, eine mechanische Reiseschreibmaschine, ein Walkman mit Musikkassette, Postkarten, analoge Fotoapparate und Landkarten. „Hier sind all die einstigen Dinge zu sehen, die heute in einem Smartphone vereint sind“, sagt Margret Ribbert, die die Ausstellung mit dem Titel „Außer Gebrauch – Alltag im Wandel“ kuratiert hat, bei einer Medienführung.

Historisches Museum Basel Foto: zVg

Für die Ausstellung hat sie Sammlungsobjekte aus drei Jahrhunderten zusammengetragen und diese mit Dingen ergänzt, die sie selber auf Flohmärkten und in Brockenhäusern erstanden hat.

Aus der Zeit Gefallenes

Die Ausstellung selber ist thematisch gegliedert und zeigt neben bekannten Gebrauchsgegenständen aus früheren Zeiten auch Dinge, die viele heute wohl nicht mehr einer Verwendung zuordnen könnten. Dazu gehört zum Beispiel der Puderbläser für den Mann aus dem 18. Jahrhundert. Oder der „Bettmönch“, ein Gebilde, mit dem man einst ein mit glühender Kohle gefülltes Gefäß unter die Bettdecke schieben konnte, ohne dass diese gleich mit verkohlte.

Die Ausstellung vereint auch Objekte, die mit den angepassten moralischen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten nicht mehr oder nur noch höchst selten im Gebrauch sind. So zum Beispiel Pelzmäntel, Krokodilleder-Handtaschen, ein Goldfischglas mit integriertem Vogelkäfig, Haarbürsten mit Elfenbeingriffen oder eine Märchenplatte mit dem Titel „Vom dumme Negerli“.

350 Ausstellungsobjekte

Alles in allem vereint die ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Ausstellung rund 350 Objekte, die einen als Besucher nostalgisch stimmen, erstaunen, verblüffen und zum Teil auch erschrecken, wie zum Beispiel der Muff aus dem Fell eines Seidenäffchens oder eine Kindergasmaske.

Das Museum ruft die Basler Bevölkerung dazu auf, selber kuriose Alltagsgegenstände digital zu präsentieren. An zwei festgelegten Sonntagen, am 7. Mai und 10. September, lädt das Museum zudem dazu ein, rätselhafte Gebrauchsobjekte in der Gruppe bestimmen zu lassen.

Als Platzhalter vor den Toren zum Museum zieht ein ikonenhaftes Relikt aus dem öffentlichen Raum die Aufmerksamkeit auf sich: Es handelt sich um die Telefonkabinengruppe, die von 1979 bis 2019 auf dem Barfüßerplatz stand und mehreren Generationen von Ausgehwilligen als Treffpunkt diente.

Die Ausstellung „Außer Gebrauch – Alltag im Wandel“ dauert noch bis zum 17. September.

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