Basel Bahn fit für die Zukunft machen

Michael Werndorff
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Am vierten trinationalen Bahn-Kongress in Basel drehte sich am Freitag alles um die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs im Metropolitanraum Basel. Dabei wurde deutlich, dass es beim Angebots- und Infrastrukturausbau einen langen Atem braucht. Geschlossen forderten die Industrie- und Handelskammern im Dreiländereck und trireno vom Schweizer Bund den schnellen Ausbau der trinationalen S-Bahn.

Von Michael Werndorff

Basel. Das Bahnnetz muss fit für die Zukunft gemacht werden, und zwar mit der unterirdischen Durchmesserlinie „Herzstück“ zwischen Basel Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof, wie eine der Botschaften der Expertentagung lautete. Denn bis zum Jahr 2050 wird im Raum Basel mit einer Verdoppelung der Nachfrage im Güter- und Personenverkehr gerechnet.

Bahnnetz ist veraltet

Indes: Das Bahnnetz stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die beiden großen Bahnhöfe werden überwiegend als wenig effiziente Sackbahnhöfe betrieben, das innerstädtische Nahverkehrsnetz und der Centralbahnplatz stoßen längst an die Kapazitätsgrenzen. Dadurch kommt es zu vielen Umsteigevorgängen, die Züge verlieren Zeit und behindern sich bei den Ein- und Ausfahrten gegenseitig. Die Infrastruktur bewegt sich schon heute an der Belastungsgrenze und ist dem wachsenden Anstieg des Bahnverkehrs nicht gewachsen, wie die ins Leben gerufene Bahnknotenorganisation Basel betont. Mit dem sogenannten Herzstück ließe sich das Problem beheben und neue Kapazitäten schaffen, erklärten die Experten.

Stoßrichtung steht fest

Wie soll es im Raum Basel weitergehen? Das Bundesamt für Verkehr (BAV), beide Basel sowie SBB, Bundeseisenbahnvermögen mit Deutscher Bahn und die Schweizerischen Rheinhäfen haben Ende Juni entschieden, welche Stoßrichtung für den langfristigen Ausbau des Bahnknotens Basel vertieft werden soll: Für die konkreten Projektierungen wird neben dem Herzstück mit der Tiefhaltestelle Basel Mitte auch ein Tiefbahnhof Basel SBB geprüft. Grundlage für den Stoßrichtungsentscheid sind Studien dazu, welches Bahnangebot und welche Infrastrukturen langfristig im Knoten Basel für S-Bahn-, nationalen und internationalen Fern- und Güterverkehr nötig sind.

Noch offen ist, ob die Verbindung von Basel Mitte zum Badischen Bahnhof über eine neue Haltestelle Klybeck geführt werden soll und ob die Anbindung des Herzstücks beim Badischen Bahnhof ebenerdig oder mit einem Tiefbahnhof erfolgen soll. Diese Punkte sollen im Rahmen der von 2022 bis 2024 geplanten Vorstudie „Kapazitätsausbau Bahnknoten Basel“ geklärt werden. Über die Realisierung von Herzstück und Tiefbahnhof entscheidet das eidgenössische Parlament im Rahmen künftiger Bahn-Ausbauschritte. Der Schweizer Bundesrat soll bis 2026 der Bundesversammlung eine Botschaft zu einem nächsten Ausbauschritt vorlegen. Nach dem Willen der Verantwortlichen in Basel soll dieser Schritt auch das Herzstück enthalten, den der Bund mit neun Milliarden Franken veranschlagt. Der Parlamentsbeschluss wird im 2027 erwartet, konkretisierte Patrick Leypoldt, Geschäftsführer von Agglo Basel, den Fahrplan. „Für das Herzstück gibt es jedenfalls einen parlamentarischen Auftrag.“

Mehr Abstellkapazitäten

Wie sieht das Netz langfristig im Großraum Basel aus? Nach den Worten von Infrastrukturexperte Christoph Fessler, SBB AG, wurde das zukünftige Bahnangebot zunächst mit allen Partnern definiert. Dabei gebe es drei verschiedene Szenarien, mit und ohne Herzstück, mit unter- beziehungsweise mit oberirdischem Anschluss der Bahnhöfe.

„Wir haben herausgefunden, dass man langfristig bei Szenarium drei landet, was die Grundlage für den einstimmigen Stoßrichtungsentscheid im Sommer war“, kommentierte er die zurückliegenden Planungen. Marcus Bayer, Beauftragter der Konzernleitung DB AG für die deutschen Eisenbahnstrecken auf Schweizer Gebiet, erklärte, dass besagte Stoßrichtung aus Sicht der Deutschen Bahn die günstigste Empfehlung sei. Die DB empfehle sogar einen Tiefbahnhof am Badischen Bahnhof.

Der Beschluss, ob das Herzstück am Badischen Bahnhof unterirdisch angeschlossen wird, will man aber erst nach Abschluss der angelaufenen Vorstudien treffen. „Wir tendieren zum Tiefbahnhof, weil so mehr Abstellkapazitäten für den Nah- und Fernverkehr entstehen“, erklärte Bayer.

Für eine klare Vision

Für Großprojekte brauche es eine klare Vision, klare Abmachungen und Geduld, bilanzierte SBB-Chef Vincent Ducrot vor den zahlreichen Zuhörern. Im Zentrum müsse das Angebot stehen, das letztlich die Infrastruktur bestimme – das sei ein Schlüsselelement. Den Verantwortlichen in Basel gab er mit auf den Weg, dass das Herzstück in einem Rutsch nicht realisierbar sei. „Das hat keine Chance.“ Wichtig sei es daher, Allianzen zu bilden und gute Pakete zu schnüren, um in Bundesbern grünes Licht für die Finanzierung zu erhalten. Sein Tipp: „Verteidigt die teuren Projekte, aber bringt einige günstige ins Spiel. Diese werden sehr schnell realisiert.“

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