Basel Basels verpasste Chance

Dominique Spirgi
Studie für die Fenster des Basler Münsters II von Brice Marden, 1983, Bleistift, Aquarell und Tinte auf Waben-Karton Foto: Kunstmuseum/Inv. 1991.48

Von Dominique Spirgi

Basel. Das Kunstmuseum Basel spürt mit einer Auswahl von über hundert Werken den Schaffensperioden des US-amerikanischen Künstlers Brice Marden nach. Sie reichen von den meditativen Farbkompositionen bis zu seinen berühmten gestischen Zeichnungen und Gemälden.

Mit Basel verbindet Brice Marden, Jahrgang 1938, eine eigentlich unglückliche Geschichte. 1978 gewann der US-Künstler einen von Privaten ausgeschriebenen Wettbewerb für die Neugestaltung der Chorfenster im Basler Münster. Marden kniete sich über mehrere Jahre hinweg in diese für ihn wichtige Aufgabe hinein, bis er 1987 zur Kenntnis nehmen musste, dass die Synode der evangelisch-reformierten Kirche seine Entwürfe ablehnte.

Ankauf eines der Werke am Preis gescheitert

In der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum Basel mit dem Titel „Inner Space“ sind die Entwürfe für die Fenster wieder zu sehen. Bei manchen Betrachtern dürfte dies mit dem großen Bedauern verbunden sein, dass diese Chance verpasst wurde.

Marden schuf eine abstrakt-verspielte Schablone für ein kontemplatives Spiel mit dem Licht.

So enttäuscht der Künstler damals über die Ablehnung war, die Arbeit an den Münsterfenstern war die Initialzündung für eine neue Schaffensperiode an Bildern mit geometrisch gebrochenen Farbkompositionen. Marden nannte diese in den 1980er Jahren entstandenen Werke denn auch „Window Paintings“.

Kunstmuseumsdirektor Josef Helfenstein äußerte am Rand der Medienführung sein Bedauern darüber, dass sein Haus, abgesehen von den konkreten Entwürfen, keines dieser Werke besitzt.

Eines der Bilder hätte das Museum gerne angekauft, was aber am letztlich zu hohen Auktionspreis gescheitert sei. Die bei Sotheby’s gebotenen 1,1 Millionen Dollar waren zu viel Geld.

In der Ausstellung ist dieser „Window“-Werkserie ein Raum gewidmet. In einem zweiten Raum sind die monochromen oder mehrfarbigen minimalistischen Werke zu sehen, die Marden bis in die 1970er-Jahre geschaffen hatte. Zu dieser Zeit begann der Künstler auch mit seinen typischen und berühmten gestischen Zeichnungen.

Diesen zum Teil kalligrafieartigen Zeichnungsserien ist ein weiterer Raum gewidmet. Dabei ist es geradezu frappant zu erleben, wie Marden die Spannweite von der absoluten Reduktion bis zur großen Geste überwand. Markantes Beispiel für den großen Gestus ist das Monumentalgemälde „The Muses“, eine Komposition von ineinander verschlungenen Linien, an der Marden drei Jahre lang von 1991 bis 1993 gearbeitet hatte. Die Ausstellung „Brice Marden – Inner Space“ im Kunstmuseum Basel wird am Samstag eröffnet und ist bis 28. August zu sehen.

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