Basel Basler Kunst in Frauenhand

Dominique Spirgi

Von Dominique Spirgi

Basel. Im Kunsthaus Baselland in Muttenz BL kommt es zur Begegnung von Künstlerinnen, die auf hintersinnige Art einnehmende Kunst-Geschichten erzählen. Damit ist die Kunststadt Basel vom Kunstmuseum bis zur Fondation Beyeler vollends in Frauenhand.

Schnelle Gesten beherrschen das malerische und installative Werk der französischen Künstlerin Anne-Lise Coste. „Es muss raus, ich fürchte mich vor langen Denkpausen“, sagte sie an der Medienführung durch ihre Ausstellung.

Es sind große Formate, die ausgestellt sind. Da ist zum Beispiel eine Wand voller Spray-Lithographien mit parolenhaften Sinnprüchen, die man an Wänden von Großstädten finden könnte, die aber gleichzeitig auch hintersinnig-poetisch verfremdet werden: So kämpft der Schriftzug „Libération“ mit dem Wort „Police“, „Douceur“ wird mit Poème“ überschieben. Und dazwischen immer wieder die unmissverständliche Abwehr mit dem Wort „Non“.

„Poem Police“ ist der Titel der Ausstellung mit Werken, die Coste zum Teil vor Ort geschaffen hat. So als weiteres Beispiel eine Serie von großformatigen Gemälden mit Ketten-Darstellungen. Die Künstlerin hat Ketten als Schablonen für filigrane Spraystreifen genutzt – in ihrem temporären Atelier im Untergeschoss sind die Ketten und Spraydosen noch zu sehen. Entstanden sind Bilder in Schwarzweiß oder einer großen Farbigkeit, die einerseits wie kontemplative abstrakte Kompositionen wirken, durch das Motiv der Ketten aber auch Assoziationen von brutaler Einschränkung der Freiheit zulassen. Zwischen Polizeigewalt und Poesie, wie der Titel ihrer Ausstellung suggeriert.

Gezoomter Blick auf den veröffentlichten Alltag

Als zweite Kunstposition zeigt das Kunsthaus Baselland eine große malerische, zeichnerische und skulpturale Installation des Basler Künstlerinnen-Duos Claudia & Julia Müller. Eigentlich wurde das Geschwisterpaar eingeladen, die große Aussenwand zu bespielen. Das Gemälde zieht sich nun aber inhaltlich auch in einen der langgezogenen Ausstellungräume hinein. „Eine kurze Geschichte schmutziger Turnschuhe“ nennen die Müller-Schwestern ihre Installation. Damit spielen sie darauf an, dass sich Einblicke in private Räume öffnen, auf hingeworfene Turnschuhe, auf fläzende Personen, Menschen mit Masken, allerlei herumliegende Gebrauchsgegenstände und so weiter – allesamt in filigranen Zeichnung auf kleinen Sticker an die Wand geklebt.

Diese Wand wird aber primär von einem riesigen schwarzweißen Wandgemälde von zwei ineinander verschlungenen Körpern dominiert, wobei nicht klar wird, ob es sich um einen Kampf oder ein Liebesspiel handelt. Im Raum hängen mit chinesisch oder japanisch anmutenden Farblandschaften versehene Stofflampen, die in ihrer Form an stilisierte Frauenkörper erinnern.

Es sind verschieden Zoomebenen, die da aufeinandertreffen. Wie wenn man sich einem immens großen Touchscreen gegenübersähe, auf dem man von der großen Metaebene in die vielen, zeichnerisch wunderbar dargestellten Details des Alltags hineinzoomen kann.

Mit Jenny Holzers atemberaubenden Inszenierung von Louise Bourgeois’ Oeuvre im Kunstmuseum, Ruth Buchanans Rundumblick auf die Sammlung des Hauses für Gegenwart, der großen Retrospektive zum Schaffen von Georgia O’ Keeffe in der Fondation Beyeler und der nun angelaufenen Ausstellung im Kunsthaus Baselland ist die Kunststadt Basel von so viel Frauenpower erfüllt wie noch nie zuvor.

Anne-Lise Costes gesprayte Poesie ist noch bis Mitte Juli zu sehen, die Turnschuhgeschichte von Claudia & Julia Müller endet bereits am 22. Mai, während das große Aussengemälde bis Ende Jahr bestehen bleiben wird.  bis 22.Mai

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