Basel Belastungen hinter sich lassen

 Foto: Michael Werndorff

Basel - Novartis ist dabei, die Covid-19-Pandemie abzuschütteln. Noch ist der Konzern aber nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt, wie Finanzchef Harry Kirsch gestern während einer Telefonkonferenz mit Journalisten erklärte.

„Ich denke, wir sind aktuell auf 80 bis 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus“, erklärte der Finanzchef. Dabei wiesen verschiedene Therapiebereiche und auch einzelne Regionen große Unterschiede auf. Gerade im Bereich Onkologie sei man eben noch etwas deutlicher von der Geschäftsaktivität entfernt, die man vor dem Ausbruch der Pandemie gesehen habe.

Mit der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal hat Novartis auch die bisherigen Ziele für das Gesamtjahr bestätigt. Wie Kirsch nun ergänzte, gehe das Management davon aus, dass sich die Geschäfte vor allem in der zweiten Hälfte dann nochmals beschleunigen.

Umsatzplus von 14 Prozent

Auf die Frage, wie es um den Einstieg in neue Technologien wie etwa mRNA stehe, erklärte der Manager, man sei immer auf der Suche nach interessanten Übernahmezielen. Allerdings seien die Bewertungen in der Branche schon sehr hoch.

Der Konzern weist für das zweite Quartal einen Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar aus. Das ist ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern gestern mit. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) ergab sich ein Anstieg um neun Prozent.

Zur Erinnerung: Das zweite Quartal 2020 war durch die erste Welle der Covid-19-Pandemie und die verschiedenen Lockdown-Maßnahmen geprägt und hatte auch bei Novartis zu einem Geschäftsrückgang geführt. Damit ist die Vergleichsbasis für den aktuellen Berichtszeitraum günstiger und relativiert so auch das Plus. Wie Novartis selbst berichtet, hätte das Umsatzwachstum unter Ausschluss des Lagerabbaus nach den Vorratskäufen im Vorjahr bei etwa zehn Prozent gelegen. Dabei wäre der Umsatz der Division „Innovative Medicines“ (innovative Heilmittel) um elf und der Division Sandoz um sechs Prozent gestiegen.

Innovative Heilmittel

Den Löwenanteil zum Quartalsumsatz steuerte die Pharmasparte Innovative Medicines bei, die die Verkäufe im zweiten Jahresviertel um 15 Prozent auf 10,6 Milliarden Franken steigerte. Hierzu trug vor allem ein anhaltend starker Absatz des Herzmittels Entresto, des Schuppenflechtemittels Cosentyx und der Genersatztherapie Zolgensma bei. Bei der Generika-Sparte Sandoz stand ein Umsatz von 2,4 Milliarden zu Buche (plus sieben Prozent). Hier hätten sich die Geschäfte zu stabilisieren begonnen, hieß es.

Einem Umsatzwachstum in Europa stand ein klarer Rückgang in den USA gegenüber. Dieser Rückgang auf dem US-Markt sei vor allem auf den Geschäftsbereich „Retail Generics“ (Handelsgenerika) zurückzuführen, wobei gerade das Geschäft mit oral zu verabreichenden Mitteln stockte.

Deutliches Gewinnplus

Vor allem aber auf Gewinnebene ist Novartis ein deutlicher Sprung gelungen. So verdiente der Konzern im zweiten Quartal operativ 3,5 Milliarden US-Dollar (plus 48 Prozent), während unter dem Strich ein Konzerngewinn von 2,9 Milliarden übrig blieb (plus 55 Prozent). Diese Zunahmen seien vor allem dank der Umsatzsteigerung und Veräußerungsgewinne möglich gewesen.

Für Analysten ist allerdings der um verschiedene Einflüsse bereinigte Kern-Betriebsgewinn wichtiger. Dieser lag mit 4,3 Milliarden US-Dollar noch über optimistischsten Schätzungen und fiel auch besser aus, als vom Management in Aussicht gestellt wurde.

Für das Gesamtjahr bestätigt die Novartis-Führung ihre Ziele. So soll der Umsatz auf Konzernebene zu konstanten Wechselkursen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Den operativen Kerngewinn will das Unternehmen im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen. Für die beiden Sparten bestätigte der Konzern ebenfalls seine Aussichten.

Positiver Ausblick

Mit Blick auf die Pandemie heißt es, die Nachfrage in den meisten Ländern und auf den meisten Therapiegebieten beginne auf den Stand vor Covid-19 zurückzukehren. Allerdings ließen sich nach wie vor gewisse Auswirkungen auf Teile der Tätigkeit feststellen. Das betreffe beispielsweise die Onkologie, das Generikageschäft und bestimmte Regionen.

Man gehe zudem von einer weiteren Lockerung der Covid-19-Beschränkungen in der zweiten Jahreshälfte aus, die sich positiv auf die Geschäftsdynamik auswirken werde.

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