Basel - Die Welt verändert sich in rasendem Tempo. Die Rechte ist im Vormarsch, die letzten Holocaust-Zeugen sterben. Es sind beunruhigende Zeiten. Wie kann man sich diesen aktuellen Herausforderungen stellen? Die Buch Basel hinterfragt das am zweiten Novemberwochenende bei dem Programmschwerpunkt „Generationen und Geschichten“.

Blick nach vorne und zurück werfen

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Festivalleiterin Katrin Eckert will den Blick nach vorne, auf die Herausforderungen, die auf die junge Generation warten, und zurück werfen, um besser zu verstehen, was heute passiert. Für eine solche politische Auseinandersetzung bietet das internationale Literaturfestival eine unvergleichliche Gelegenheit. Wird es vom 9. bis 11. November doch wieder zu einem internationalen Treffpunkt werden bei über 100 Veranstaltungen mit gut 200 Mitwirkungen an 28 Spielorten.

Das Thema soll an Familiengeschichten festgemacht werden wie der von Francesca Melandri, deren großer Roman bis in die italienische Kolonialzeit zurückreicht – „das Buch der Stunde“, so Eckert. Die Autorin wird ein Gespräch mit anderen Autoren über die „Lost Generation“ führen.

Bei Podiumsdiskussionen werden ein paar Länder exemplarisch in den Fokus genommen. Das kulturelle Gedächtnis Russlands wird ins Bewusstsein gerufen, wenn drei Generationen von Frauen über Russland berichten. Auch das ewige Schuldthema Kinder und Eltern („Warum wir unseren Eltern nichts schulden“) und das Verhältnis der Generationen untereinander wird mit Barbara Bleisch und Peter von Matt erörtert.

Die norwegische Autorin Linn Ullmann, Tochter des berühmten Regisseurs Ingmar Bergmann und der Schauspielerin Liv Ullmann, hat ein berührendes Buch über ihren Vater geschrieben und wird es unter dem Generationenthema im Volkshaus vorstellen.

Lesung mit Daniel Kehlmann

Mit Daniel Kehlmann hat sich auch Schriftsteller-Prominenz angesagt. Der bekannte Autor liest am Sonntag, 17 Uhr, im Festsaal aus seinem neuen Roman „Tyll“ über die historische Figur des Till Eulenspiegel.

Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe, der man große Fabulierlust und kluge Reflexion nachsagt, wird in ihrer Eröffnungsrede zum Verhältnis von Politik und Literatur das vorwegnehmen, was man drei Tage bei diesem vielseitigen Literaturfest hören wird.

Can Dündar musste seinen Besuch absagen. Mit Deniz Yücel konnte ein nicht weniger spannender Gesprächspartner gefunden werden, der am Sonntag um 14 Uhr über den dramatischen Umbau und die Entwicklungen in der Türkei berichten wird. Die Veranstaltung stößt auf riesiges Interesse und Solidaritätsadressen.

Aber auch in anderen Bereichen zeigt sich die Buch Basel am Puls der Zeit. So bei einem weiteren Schwerpunktthema „Jung und wild“, einem innovativen Format, das neuen Literaturvermittlungsideen Raum geben will. Bei einer 1000 Seiten langen Lesung von Philipp Weiss kann man in einem Basler Yoga-Studio auf Matten viereinhalb Stunden lang im Liegen lauschen. Das ist die längste Lesung, die kürzeste ist mit 15 Minuten eine Schaufensterlesung im Kaufhaus Manor.

Neu in diesem Jahr ist etwas Multikulturelles in der Kleinbasler Klara-Markthalle, und es gibt Gratislesungen für Kinder, bei denen man eine neue Öffentlichkeit erreichen will. Dass Literatur im Sinne von „Bücherverschlingen“ auch durch den Magen geht, weiß Marion Regenscheit, Leiterin der Festivalorganisation.

So werden bei einer Food-Performance 400 Bücher „gebacken“, was sicher unglaublich witzig wird (am Samstag im Keller der Fischerstube). Auch wird es ein Festivalbrot geben, in dem etwas, wie im Dreikönigskuchen, eingebacken ist: Zu gewinnen ist ein Festivalpass. Als weitere originelle Werbemaßnahme wird ein Festivalbier namens „Shakesbier“ in Umlauf gebracht...   www.buchbasel.ch