Basel Containerschiffe müssen im Hafen bleiben

Die Oberbadische
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Die anhaltende Trockenheit hat setzt nicht nur der Natur zu, auch die Wirtschaft bekommt den Wassermangel zu spüren. Wegen des tiefen Rheinpegels wurde die Containerschifffahrt ab Basel eingestellt, und auch die Rheinkraftwerke produzieren weniger Strom.

Von Michael Werndorff

Basel. Die Rheinschifffahrt wurde vergangene Woche teilweise eingestellt. „Wir versuchen derzeit Alternativen für unsere Kunden zu finden“, erklärt Claudia Bracher, Mediensprecherin des Logistikunternehmens Rhenus Alpina, im Gespräch mit unserer Zeitung. Container müssten nun auf Schiene und Straße den Weg zum Empfänger finden, was allerdings eine große Herausforderung darstelle. „Bei der Bahn gibt es nicht genügend Ressourcen“, verweist sie auf nötige Waggons und Fahrten. Und weil Nachfrage und Angebot den Preis bestimmen, steigen die Transportkosten.

Die Unternehmen leiden unter dem Niedrigwasser. Während die schweren Containerschiffe von Contargo nicht mehr im Dienst sind, kann Rhenus Port Logistics noch auf kleinere Schiffe zurückgreifen, die keine Container, sondern sogenanntes Massengut – zum Beispiel Schrott und Kohle – transportieren.

Basler Transportfirmen prüfen Kurzarbeit

Am Rhein dürfen manche Schiffe nur etwa ein Drittel der üblichen Ladung transportieren, sagt Roberto Spranzi von der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt. Die Preise je beladener Tonne hätten sich durch die hohe Nachfrage nach zusätzlichen Frachtern etwa vervierfacht, erklärt er gegenüber unserer Zeitung.

Heinz Amacker von der Transportfirma Danser sprach gegenüber des Schweizer Rundfunks von einer sehr gravierenden Situation. Am 19. Oktober habe das letzte Containerschiff Basel in Richtung Rotterdam verlassen, jetzt lote man die Möglichkeit von Kurzarbeit für Teile der Belegschaft aus. Diese gebe es bei Rhenus noch nicht, doch will man das ebenfalls prüfen, gab Bracher an.

„Man kann durchaus von einer katastrophalen Lage sprechen“, beschreibt André Auderset, Geschäftsführer der schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS), die aktuelle Situation. Diese liege keinesfalls im Rahmen des Normalen, erinnert er an eine Trockenperiode von vor zwei Jahren, als es zwischen September und Januar immer mal wieder etwas regnete und die Schifffahrt deshalb nicht zum Erliegen kam. Damit sich die Lage entspanne, brauche es aber ausreichend Niederschlag, dieser sei jedoch immer noch nicht in Sicht. Doch nicht nur die Güterschifffahrt ist betroffen, Gleiches gelte auch für die Personenschifffahrt, erklärt Auderset. In Basel ansässige Unternehmen wie River Advice oder Viking River Cruises müssten nun die Reisen annulieren oder auf Busreisen umstellen, erklärt der SVS-Geschäftsführer.

Mehrkosten und Reputationsverlust

„Das bedeutet Mehrkosten und einen Reputationsverlust für die Reedereien.“ Das neue Basler Flaggschiff „Rhystärn“ kann schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der Zähringerstadt Rheinfelden anlegen. Dort spürt man die ausbleibenden Besucher.

Eine weitere Branche, die sich seit Mitte Juni mehr Wasser wünscht, sind die Betreiber von Wasserkraftwerken. Konnte Energiedienst im Frühjahr noch von einer überdurchschnittlichen Produktion sprechen, sieht die Lage seit den Sommermonaten genau umgekehrt aus: Statt einem normalen Durchfluss von rund 900 Kubikmetern pro Sekunde fließen momentan weniger als die Hälfte durch die Turbinen, berichtet Energiedienstsprecher Alexander Lennemann. In Rheinfelden laufen zwei bis drei Turbinen von insgesamt vier, und in Laufenburg sind es sogar nur vier von zehn. Das Unternehmen verzeichne laut Lennemann Einbußen in der Stromproduktion von etwa vier Prozent gegenüber dem normalen Jahresschnitt.

Sascha Jäger, Direktor der Kraftwerk Birsfelden AG, spricht sogar von einem beinahe historischen Tiefststand. Es werde nur rund halb soviel Strom produziert. Zwei Turbinen laufen nicht, allerdings könne der unfreiwillige Stillstand nicht für größere Wartungsarbeiten genutzt werden. Diese finden üblicherweise in den Wintermonaten statt und werden von langer Hand geplant und budgetiert, so Jäger. Gleichwohl verlange ein Generator, auch wenn er keinen Strom aus der Kraft des Rheins produziert, viel Aufmerksamkeit und Unterhaltsarbeiten.

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