Basel Das Comeback der Malerei

Regio - Der zweite Teil unserer Besuche von Ausstellungen der diesjährigen Regionale 19 führt ins Dreiland zum Kunsthaus Baselland nach Muttenz, der FabrikCulture ins elsässische Hegenheim und zu einem Satelliten des Basler Projektraums M54 in die Cité Danza nach Saint-Louis. Zwischen der abstrakten Malerei als Schwerpunkt in Muttenz und den Videoarbeiten in Saint-Louis liegen künstlerische Welten.

Riesige Formate

Wie viel Gegenwärtigkeit hat Malerei heute? Das ist die Frage, der die Regionale-Schau im Kunsthaus Baselland nachgeht, wo 20 Künstler aus der trinationalen Region zeigen, dass in ihren Ateliers ungegenständliche Malerei entsteht. Eine sehenswerte Werkschau in diesem Ausstellungshaus, das sich anschickt, sich Richtung Freilager (Nähe Haus der elektronischen Künste) zu verändern. Doch noch sind die Räume vor dem Eingang Basels beim St. Jakob-Stadion für moderne Kunst sehr attraktiv. Zumal, wenn das Haus mit so großformatiger imposanter Malerei bespielt wird.

Es ist nicht mehr und nicht weniger als das Comeback der Malerei bei der Regionale. Schon in Riehen im Kunst Raum fiel auf, dass die konstruktive Malerei fröhliche Urständ feiert, und hier in dem Kunsttempel von Baselland steht man gleich vor dem großen „Wasserfall“ des aus Seoul stammenden Kwanyoung Jung, der mit Linien ein Raumbild schafft. Gegenüber könnte das Bild „Elaine“ von Renée Levi auch eine Wandmalerei sein, so wie es sich viele Meter, mit raschem Gestus emotional hingeworfen, über die gesamte Wand ausbreitet. Auch Markus Weggenmann schreckt vor Großformaten in der Werkserie „Flache Skulpturen“ mit stelenhaften Formen nicht zurück.

Eine Mischung mit interessanter Wirkung

Es gibt noch viel anderes zu sehen. Abstrakte Malerei von Katrin Freisager mit Mitteln der Fotografie, eine Mischung mit interessanter Wirkung. Gegenüber den riesigen Formaten wirkt die fortlaufende Quadratbildserie in unterschiedlichen Farben und Schichten von Gert Handschin mit 17 Zentimetern Kantenlänge nicht so spektakulär, dafür aber durch ihre objekthafte Räumlichkeit. Graffiti und Malerei ist ebenso einander gegenübergestellt. Und von den Regenwaldbildern aus Guatemala von Vivian Suter bis zur monochromen Malerei von Anja Braun findet sich malerische Vielfalt. Nicht erschlagend, sondern vom Konzept und der Hängung her überzeugend.

1000 Quadratmeter groß ist die alte Fabrikhalle in Hegenheim, die von vier Künstlern gestaltet wurde. Jeder bekam extrem viel Freiheit. Viele Arbeiten wurde eigens für diesen Ort gemacht. Die raumbeherrschende Bodeninstallation mit Tüchern und Keramikobjekten, eine Gemeinschaftsarbeit von Anna Byskov und Alice Gavalet, erinnert mit den Amphoren an eine Insel in einer Meerlandschaft, die Stoffbahnen an den Ursprung der ehemaligen Textilfabrik. Daneben dreht sich ein Leuchtturm. Assoziativ wirken die Gipsarbeiten von Martin Chramosta und Hinterglasarbeiten mit milchiger Oberfläche von Camillo Paravicini.

Immer neue Konstellationen

Eine ungewöhnliche Vorgehensweise wählte der Projektraum M54 in Basel hinter der Matthäuskirche, nämlich die Tanzform „Contredanse“, bei der sich die Tänzer paarweise mit Partnern abwechseln. Die Idee dieser Formationen wurde auf die ausstellenden zehn Künstler übertragen, die immer neue Konstellationen bilden. Da wurde einmal nicht in die eingereichten Dossiers geschaut, sondern auf die Vorschläge der Künstler eingegangen und das Unvorhersehbare als Teil der Schau einkalkuliert. Als Konzept interessant, und es reicht von Installativem, Skulpturalem, Expressivem bis hin zu Audiovisuellem. Wer sehen will, wie eine Profifotografin sich mit Töpferei beschäftigt, oder wie aus Steckschwämmen eine Ziegelwand entsteht, der sollte dem Projektraum noch einen Besuch abstatten.

Wenn die Zeit reicht, könnte man noch eine Stippvisite in Saint-Louis machen und Videos dreier Künstler im Freien auf einer Steintreppe verfolgen. Die spektakuläre 70-minütige Videoperformance von Romain Tièche, in der ein Darsteller mit rot bemaltem Gesicht über die gesamte Zeitdauer lediglich die Zunge bewegt, oder der kürzere Film von Saskia Edens, die als Performerin in der unwirtlichen Landschaft von Spitzbergen zu sehen ist. Und, ganz lustig, Patrick Lepperts Beitrag, der die Schwerkraft nutzt, um Alltagsgegenstände in Bewegung zu bringen. Für Videofans lohnt es sich, da auszuharren.   Bis 6. Januar. Mehr Infos unter www.regionale.org

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