Basel Das Tierwohl stets im Blick

Toni Kostic
Auf Visite bei ihren tierischen Patienten: Zolli-Tierärztin Dr. Fabia Wyss. Foto: Fotos: Toni Kostic

Schürfwunden, Entzündungen, Schmerzen und Impfaktionen: Im Basler Zolli kümmert sich Dr. Fabia Wyss um die Gesundheit ihrer tierischen Patienten. Wir haben die Ärztin bei ihrer Arbeit begleitet.

Von Toni Kostic

Basel. Auf einem schwarzen Lastenfahrrad kommt Dr. Fabia Wyss, eine der Tierärztinnen des Basler Zoos, angefahren. „Heute morgen bin ich schon bei den Somali-Wildeseln gewesen“, erzählt sie. „Eine unserer Stuten, Mwana, ist gerade rossig, sodass ihr gestern auch der Hengst zugeführt wurde. Man muss dazu wissen, dass dem Deckakt eine Treiberei vorausgeht, in der der Hengst die Stute vor sich her durch das Gehege scheucht.“ Dazu gehören auch Bisse in den Nacken, von denen die Stute leichte Schürfwunden davongetragen hat. Das sehe nicht so toll aus, sagt die Tierärztin, sei aber total normal.

Mwana habe heute eine leichte Lahmheit gezeigt, weswegen ihr Wyss ein Schmerzmittel verabreicht hat. Somali-Wildesel sind eine hochgradig bedrohte Art. Deshalb sei es für die Tierärztin auch so wichtig, dass eine hinreichend große Population aufgebaut wird.

Zu den Aufgaben zählt auch der Tierschutz

Neben der Behandlung der Tiere gehört zu den Aufgaben der Tierärztin unter anderem auch der Tierschutz, Aufgaben der gewerblichen Wildtierhalterbewilligung und die Fütterung. „Der Reiz dabei ist, dass man alles mit beeinflussen kann.“ Einen Fall von Hufabszessen zum Beispiel habe man über die Ernährung der Tiere zum Positiven hin beeinflussen können.

Welche Tierarten am meisten ihrer Zuwendung bedürfen, könne sie gar nicht so sagen. Meistens treten Komplikationen und Krankheiten in Wellen auf. „Die, die aber am meisten krank sind, sind Menschenaffen“, erzählt die Tierärztin. Bei ihnen komme es zu allen Symptomen, die Menschen auch aufweisen können, wie Durchfall. Allerdings sind das, wie bei uns auch, leichte Symptome, die keiner Behandlung bedürfen. Das Ziel sei, einzugreifen, bevor es zu einer Intensivbehandlung der jeweiligen Tiere kommt.

Am Eingang zum Affenhaus trifft Wyss auf die Tierpflegerin Emma van Kerkom. Wyss holt aus ihrem Lastenrad ein Chipgerät, mit dem jedes Tier der Chipnummer nach eindeutig identifiziert werden kann, und ihren Universalkoffer mit Spritzen und Kanülen. Sonst hat sie auch Stethoskope, Chirurgiematerial, Infusionskatheter, Hufmesser und ein Blasrohr dabei – denn oft müssen die Tiere für die Untersuchung betäubt werden.

Gleich werden die Liszt-Affen gegen Yersioniose, eine tuberkuloseähnliche Krankheit, die vor allem südamerikanische Tiere befällt, geimpft. Zusammen mit van Kerkom, ihrer Kollegin Andrea Cassani und der Studentin der Tiermedizin Lea Isabelle Reckels, die im Zoo Basel ihr Praktikum absolviert, betritt Wyss den hinteren Teil des Affenhauses.

Es riecht feucht. Auf einem Edelstahltisch mit Spülbecken steht eine große Schale mit Sellerie, Kohlrabi, Rote Bete und weiterem Gemüse bereit. Während die eine Hälfte des Teams die Lisztaffen einfängt, bereiten die anderen beiden die Impfdosen, Chipinjektionen für die zwei noch chiplosen Jungtiere und Entwurmungsmittel vor. „Die Tiere kommen natürlich nicht freiwillig, selbst wenn es ihnen gut tut“, sagt Wyss, „sie beißen auch, wenn man sie festhält“. Die Impfung selbst sei Routine. Heute darf die Praktikantin die Nadel setzen – der Ablauf verläuft reibungslos.

Kinder können im Zoo mithelfen

Der Weg zur Tierärztestation führt am Elefantengehege vorbei, Storche nisten auf Pfählen, die aus dem Gehege ragen. An den Rosapelikanen vorbei führen zwei Jungs ein Pony zum Auslauf. „Kinder ab acht Jahren können hier im Zoo jeden Tag mithelfen. Ab 8.15 Uhr können sie ohne Voranmeldung verschiedene Aufgaben übernehmen“, erklärt Wyss. Dazu gehöre auch, die Ställe auszumisten. Üblicherweise finde das Angebot in den Ferien größere Bereitschaft als an Werktagen, aber selbst an ihnen wird es wahrgenommen.

Bei all der Kritik an der Institution Zoo, die Wyss sehr wohl beschäftigt, bezieht sie sich auf den Leitsatz: „Erlebe, was es zu bewahren gilt“. Denn die Begegnung mit den Tieren, die aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt stammen und mit denen man sonst nicht in Kontakt kommen würde, kann ein Film nicht ersetzen. „Wir sind nicht die Natur, aber wir können hier die Natur übersetzen“, sagt die Tierärztin. Zum Beispiel wird als Kritik geäußert, dass Zoogehege in ihrer Größe nicht der Weitläufigkeit entsprechen, welche die Tiere in freier Wildbahn haben.

Darauf entgegnet Wyss, dass es bei der Gehegeplanung nicht nur auf die Auslauffläche ankomme, sondern wichtiger noch auf die Strukturierung der Gehege – ob es etwa genug Bäume und Sträucher als Rundläufe und Rückzugsmöglichkeiten gibt und ob das Gehege in seiner Form auf die jeweiligen Tiere zugeschnitten ist.

Elefanten zum Beispiel sind Wandertiere, die sich schließlich nur auf den Weg machen, weil sie durch die Futtersituation dazu veranlasst werden. Im Zoo Basel hingegen erhalten die Tiere genügend Futter, was es ihnen aber auch sehr angenehm macht.

„Wir machen es den Elefanten derweil schwerer, indem wir das Futter verstecken, so dass sie es suchen und finden müssen, was für die Tiere auch Beschäftigung mit sich bringt“, erklärt die Zootierspezialistin.

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