Basel Dem Circus mehr Stellenwert geben

Mehr als 100 Künstler aus 60 Nationen präsentieren zeitgenössische Circuskunst auf höchstem Niveau. Foto: zVg

Basel - Die internationale Circuswelt kehrt seit elf Jahren anlässlich Young Stage in Basel ein, um die besten Nachwuchstalente auszuzeichnen. Junge Künstler aus aller Herren Länder begeistern mit Darbietungen zeitgenössischer Circuskunst. Denis Bozbag hat im Vorfeld der Veranstaltung mit der Organisatorin und Leiterin von Young Stage, Nadja Hauser, gesprochen.

Frage: Frau Hauser, wie fühlt man sich so kurz vor dem Beginn der elften Ausgabe des Circusfestivals Young Stage?

Großartig, auch wenn ich schon ein wenig angespannt und nervös bin. Trotzdem ist es für mich die beste Woche des Jahres. Deshalb sehe ich mit großer Vorfreude dem Festival entgegen.

Frage: Wie hält man den Stress und den Zeitdruck aus? Können Sie überhaupt noch abschalten?

Das wäre nicht gut in dieser Phase. Ich darf jetzt gar nicht mehr abschalten. Viele Aufgaben müssen gleichzeitig koordiniert werden. Wir haben mehrere Teams, die verschiedene Aufgaben erfüllen, und ich springe dann von einem zum nächsten, um zu schauen, ob alles richtig läuft. Am Abend lege ich mich dann für ein paar Stunden ins Bett, stehe am Morgen wieder auf und arbeite weiter.

Frage: Wie kommt man dazu, ein Circusfestival zu leiten?

Ich war früher selber einmal Artistin. Damals vor elf Jahren gab es in der Schweiz so gut wie keine Möglichkeit, eine Plattform für junge Circus-Künstler zu finden. Mein Mann und ich wollten dies ändern. Wir hatten dann die verrückte Idee, ein eigenes Begegnungsforum für den Nachwuchs zu gründen, was zu Beginn finanziell nicht leicht für uns war. Wir haben ganz klein anfangen müssen mit nur einer Bühne und einem Zelt.

Frage: Wie sehr hilft Ihnen heuteder eigene Hintergrund als Artistin in der Planung und Organisation des Festivals?

Ich weiß, wie es sich anfühlt, auf der Bühne zu stehen und welche Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf einer Darbietung getroffenen werden müssen. Ich kann mich sehr gut in die Sorgen und Ängste der Artisten hineinversetzen und kenne ihre Bedürfnisse, damit sie richtig gute Leistung bringen können. Zudem teile ich mit Ihnen die gleiche Passion. Dies alles hilft ungemein bei der Planung dieser Veranstaltung.

Frage: Dieses Jahr werden einige Darbietungen im Freien abgehalten. Sind sie da nicht auch ein Risiko eingegangen, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte?

Ja. Aber ich sage mir immer, „No risk, no fun.“

Frage: Was machen Sie, wenn es regnet?

Gar nichts. Wir müssen das Risiko eingehen, dass wir dann nicht spielen können. Das ist die Gefahr bei Vorstellungen im Freien. Auch wenn es weiterhin so kalt bleibt, wird es für die Artisten schwierig, da sie sich immer wieder zwischen den Vorführungen aufwärmen müssten. Ich denke aber trotz aller Risiken mit dem Wetter sehr positiv.

Frage: Young Stage ist Circus-Spektakel und Nachwuchsförderung zugleich. Warum liegt Ihnen die Förderung junger Talente so am Herzen?

Junge Artisten sind für mich eine Inspiration. Sie verfolgen ihr Karriereziel mit einer ungeheuren Leidenschaft und einem sehr starken Willen. Viele sind einfach infiziert mit diesem Circusvirus. Der Weg zum Artisten ist dabei alles andere als einfach. Er ist wahrscheinlich schwieriger, als einen normalen Beruf auszuüben. Damit alles so einfach aussieht bei der Aufführung, wird jeden Tag körperlich hart trainiert. Ich will die jungen Menschen daher dabei unterstützen, sich ihren Traum erfüllen zu können.

Frage: Fällt es Ihnen schwer, jedes Jahr mit kreativen Neuerungen aufzuwarten? Wo holen sich Ihre Inspirationen für das vielseitige Programm?

Ich bin sehr viel unterwegs in der Circus-Szene und habe einen Blick für Neues. Bei meinen Reisen kommt die Inspiration somit von ganz alleine. Zudem habe ich ein großes Netzwerk und kenne viele Leute aus dem Metier.

Frage: Was wollen Sie unbedingt in den nächsten Jahren für die Circusszene in Basel erreicht haben?

Ich würde mir nicht nur für Basel, sondern für die ganze Schweiz wünschen, dass der Stellenwert der Circus-Unterhaltung in Zukunft zunimmt. Viele meinen, dass der Circus nicht zu den darstellenden Künsten zählt. Ich möchte mit dem Festival diese negative Meinung ändern und zeigen, wie kreativ und vielseitig die jungen Artisten sind. Ich finde, dass sich der zeitgenössische Circus auf gleicher Ebene wie Tanz und Theater bewegt. Deshalb muss er finanziell ebenso von Politik und Gesellschaft gefördert werden. In anderen Ländern Europas wie Frankreich, Belgien und Holland ist man da schon viel weiter, und dem Circus wird mehr Wertschätzung entgegengebracht. Mein Ziel ist es, dies auch in der Schweiz zu erreichen.

Frage: Wie sieht die Zeit kurz nach dem Festival für Sie aus? Werden Sie dann erstmal ausschlafen?

Ja, aber nicht lange. Dann geht es wieder an die Arbeit. Young Stage beschäftigt mich quasi das ganze Jahr.

Das 11. Young Stage Circusfestival wird Samstag, von 10 bis 18 Uhr, mit einem interaktiven Trapez auf dem Barfüßerplatz für Nervenkitzel sorgen. Die Artistengruppe „Volem Volar“ lädt zum Flug durch die Luft ein. Zudem finden auf vier Bühnen an der Messe Basel den ganzen Tag kostenlose Aufführungen unter freiem Himmel statt.

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