Basel Der klappernde Datensammler

Die Oberbadische, 12.02.2018 16:32 Uhr

Lenny ist auf dem Weg in den Zoo Basel. Das Storchenmännchen, das mit einem Sender ausgerüstet ist, überquert derzeit noch Spanien und wird wohl in einer Woche wieder am Rheinknie ankommen. Dann bringt das Tier zugleich Erkenntnisse mit, die dem Erhalt seiner Artgenossen dienen sollen.

Von Adrian Steineck

Basel. Lennys innere Uhr ist erstaunlich genau, wie Friederike von Houwald, Kuratorin des Basler Zoos, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. So habe er in den vergangenen Jahren seinen Heimflug von Spanien stets Anfang Februar angetreten.

Das Storchenmännchen ist ein Teil des Tierschutzprojekts S.O.S.-Storch, das von „Storch Schweiz“, einer Gesellschaft für den Schutz des Weißstorchs, im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde. Zu dieser Zeit seien die Störche in der Schweiz nahezu ausgestorben gewesen, erklärt Zoo-Kuratorin von Houwald. Über Jungtiere aus Nordafrika, die in die Schweiz geholt wurden, ist es gelungen, die Art wieder hier anzusiedeln. Heute gibt es etwa 400 Brutpaare in der Schweiz.

Störche überwintern auf Mülldeponien in Spanien

Der Storch Lenny ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Er trägt als einziger seiner gut 50 Artgenossen im „Zolli“ einen GPS-Sender. Dieser gibt Aufschluss über die Route, welche der Adebar zurücklegt und die im Internet nachverfolgt werden kann. Zugleich ist Lenny, der auf etwa 15 Jahre geschätzt wird, der erste Weiß- oder Klapperstorch, der im Jahr 2013 in der Schweiz als ausgewachsenes Tier mit einem Sender ausgestattet wurde.

Dass Lenny überhaupt in Spanien und nicht mehr wie früher in Nordafrika überwintert, ist laut der Zoo-Kuratorin keine Folge der Erderwärmung. Der Grund ist profaner: „Lenny überwintert auf großen Müllhalden in Spanien“, berichtet von Houwald. Dort sowie auf Reisfeldern finden er und seine Artgenossen genügend Nahrung, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Was den Störchen selbst nichts ausmacht, stellt laut der Zoo-Kuratorin eine hygienische Katastrophe dar. „Dort werden auch Krankenhausabfälle entsorgt, und der Dreck sickert in den Boden.“ Auch die Störche selbst würden teilweise zum Problem. Wenn ein Reisfeld von 600 Störchen aufgesucht werde, die dort ihre Ausscheidungen hinterlassen, stoße das bei den Bauern naturgemäß auf wenig Gegenliebe, nennt von Houwald ein Beispiel.

Abhilfe schaffen soll gegen diesen Umstand eine EU-Richtlinie, deren Umsetzung bereits bis zum Jahr 2016 geplant war und laut der biologische Abfälle gesondert zu entsorgen sind.

Hochspannungsleitungen sind eine Gefahr

Die EU gebe zudem vor, dass die offenen Mülldeponien zugedeckt werden, damit die Störche keinen Anreiz zum Überwintern mehr verspüren.

Doch auch andere Gefahren lauern beim Flug in wärmere Gefilde auf Lenny und seine Artgenossen. „Die Messungen der Flugroute haben gezeigt, dass viele Störche in Hochspannungsleitungen oder in Wassertanks ums Leben kommen“, erzählt die Zoo-Kuratorin.

Im Zoo Basel wird Lenny derweil bereits erwartet. Das Tier, das auch für die Storchenzucht verwendet wird und schon mehrfach für Nachwuchs sorgte, werde erfahrungsgemäß um den 20. Februar herum in Basel eintreffen, vermutet von Houwald. Voraussichtlich im März werde Lenny sich eine Partnerin suchen, im August fliege er dann schon wieder zum Überwintern in wärmere Gefilde.

Weitere Informationen: Interessierte können Lennys Flug im Internet unter www.storch-schweiz.danielbischof.de/map/2964 nachverfolgen. Näheres zum Projekt gibt es zudem unter www.sosstorch.ch.

 
          0