Basel Der Natur auf der Spur

Regio - Wo einst eine Mais-Monokultur das Landschaftsbild prägte, können Besucher heute im Rahmen eines großen Rundwegs eine renaturierte Rheininsel zwischen Altrhein und dem Grand Canal d’Alsace bei Märkt erkunden. Das wertvolle Naturreservat in der Petite Camargue Alsacienne (PCA) vor den Toren Basels ist nicht zuletzt Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, mit seiner Auenlandschaft zeigt es auch, wie der Fluss vor seiner Begradigung aussah.

„In der Metropolregion Basel ist der Druck auf die Umwelt immens, und Corona wirkt wegen der Reisehindernisse verstärkend“, weiß Astrid Deek vom trinationalen Umweltzentrum (Truz). Immer mehr Menschen suchen Erholung in der Natur. Mit fünf Themenrundwegen und dem großen Rheininsel-Rundweg über eine Länge von 17 Kilometern wollen die Akteure von Truz und PCA die Besucher lenken, den Nutzungsdruck entschärfen und informieren. Hier setzt eine neue Beschilderung an: Im Rahmen des von Mitteln des Interreg Oberrhein-Programms finanziell geförderten grenzüberschreitenden Projekts „NaturErlebnis-grenzenlos“ werden anhand von insgesamt zehn Tafeln entlang des Rundwegs die Besucher unter anderem über die Rückkehr des Bibers, die Sprache der Spechte, über tierische Helfer oder das Leben der Binnenschiffer informiert.

Nun wurde der Rundweg im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt. „Für den Tourismus der Region ist die Erschließung der renaturierten Rheininsel ein großer Wertgewinn“, sagt Christelle Priot von der PCA, welche Renaturierung und Wegeführung begleitete.

Ausgangspunkt für den großen Rheininsel-Rundweg ist der Ortsteil Kembs-Loechlé. Besuchern bietet sich die Möglichkeit, zu Fuß oder per Fahrrad zu starten. „Während Wanderer rund fünfeinhalb Stunden einplanen sollten, lässt sich der Weg mit dem Velo in gut zwei Stunden erradeln.

Die zweite Infotafel erwartet die Teilnehmer unweit des Kanals von Hüningen, der im Jahr 1828 eröffnet wurde und gut 100 Jahre vor dem Rheinseitenkanal eine Verbindung von Basel nach Straßburg schuf. „Rund acht Tage dauerte die Fahrt damals. Die Boote wurden nämlich von Pferden gezogen“, erklärt Jérémie Tudoux, Projektkoordinator Interreg Natur-Erlebnis des Truz. Mit dem 1928 errichteten Rheinseitenkanal und dem Bau des Wasserkraftwerks bei Kembs, wo sich die dritte Infotafel befindet und jährlich 15 000 Schiffe die Schleuse passieren, kam es dann zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum.

Mit Passieren der Schleuse oder dem Stauwehr bei Märkt erreichen Interessierte die Rheininsel. Dort lässt sich beobachten, wie Flora und Fauna mit Hilfe der Menschen ihren Lebensraum zurückerobern.

130 Hektar umgegraben

Einst zeichnete sich die Oberrheinebene durch eine der großen Auenlandschaften Europas aus. Das Naturschutzgebiet der PCA erinnert an diesen überwiegend verschwundenen Lebensraum, der auf der Rheininsel von dem Kraftwerksbetreiber EDF in den vergangenen Jahren wiederhergestellt worden ist.

Auf der Rheininsel wurde eine Fläche von rund 130 Fußballfeldern umgegraben. Entstanden ist eine steinige, offene und ökologisch wertvolle Pionierlandschaft, die das Gelände der PCA nahezu verdoppelte. Wo eins Mais angebaut wurde, grasen jetzt robuste Konik-Ponys und Schottische Hochlandrinder, welche die Landschaft offenhalten, wie Priot erklärt. An verschiedenen Aussichtspunkten lassen sich die Tiere beobachten.

Entdeckt werden kann auch der Biber, für dessen Wiederansiedlung am Rhein bereits vor 50 Jahren ein Projekt gestartet wurde. „Mittlerweile entwickelt sich die Population sehr gut“, berichtet Tudoux. Dank eigens für die Nager angelegten Pässen an Staustufen könnten sich die Tiere wieder entlang des Rheins ausbreiten.

Das Projekt „NaturErlebnis grenzenlos: Lebensräume in der Rheinaue schaffen, erleben und bewahren“ zielt darauf ab, dem Verlust der Artenvielfalt der ehemaligen Auenlandschaft im Dreiland entgegenwirken. Dazu sieht es die Schaffung von zusätzlichen Rückzugsorten für die gefährdeten Arten der Rheinaue beiderseits des Rheins vor.

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