Basel Die Basler Taube feiert Geburtstag

Basel - Die einzige Briefmarke, die vom Kanton Basel-Stadt herausgegeben wurde, ist zugleich die erste mehrfarbige der Welt. Aufgrund ihrer Seltenheit und des großen Bekanntheitsgrads besitzt die Basler Taube einen hohen Sammlerwert. Kostete sie bei ihrer Auslieferung am 1. Juli 1845 noch gut 2,5 Rappen, erzielte ein Brief mit Einzelmarke bei einer Auktion im Jahr 2014 einen Rekordpreis von 103 700 Schweizer Franken.

Die Briefmarke diente damals als Vereinfachung des Postdienstes. Bevor sie eingeführt worden war, musste der Empfänger das entsprechende Porto bezahlen. Dieser Fortschritt beim Entrichten der Postgebühr blieb auch im Basel des 19. Jahrhunderts nicht unbemerkt.

Basel beauftragt bekannten Architekten

Bereits im Jahr 1843 griff die Postkommission im Stadtkanton die Idee einer Wertmarke auf, wie der Basler Briefmarkenhändler Jean-Paul Bach im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. 1845 beauftragte der Große Rat von Basel den bekannten Architekten Melchior Berri mit der Gestaltung einer eigenen Briefmarke. Dieser übernahm das Motiv einer Taube mit Brief im Schnabel, welches er bereits für seine sieben 1843/44 in Basel aufgestellten Briefkästchen verwendet hatte. Der Architekt fügte die Inschrift „Stadt-Post-Basel-2½ Rp.“ und im oberen Teil der Marke den Baslerstab hinzu.

Der Druck der Taube hatte „en relief“, also im Prägedruck zu erfolgen. „Denn der Kanton wollte schon damals eine besondere Briefmarke erschaffen“, erzählt der Philatelist Bach.

Ein Freund Berris war Druckereibesitzer und empfahl ihm die Druckerei Benjamin Krebs in Frankfurt am Main zur Herstellung dieser Marke, da diese nur in einem speziellen Verfahren, dem Congreve-Druck, gedruckt werden konnte. Damit ließen sich die Farben gleichzeitig im Relief drucken. Der englische Erfinder Sir William Congreve hatte dieses Verfahren erfunden. Er gilt auch als Erfinder der Splitterbombe.

Zuerst in der Farbe Grün gedruckt

Die ersten Basler Tauben wurden in den Farben Schwarz, Grün und Karminrot gedruckt und ausgeliefert. Sie wurden allerdings vom Großen Rat umgehend abgelehnt, und die Basler Parlamentarier verlangten von der Druckerei Krebs, die Marken in Blau anstatt in Grün zu drucken. Diese befolgte die Anweisung. Somit werden die grünen Exemplare heute nicht als Probedrucke, sondern als eine nie zur Verwendung gekommene Auflage erachtet, weiß Bach.

Wie viele davon vernichtet wurden oder noch im Umlauf sind, ist nicht bekannt. Diese Marken werden im Schweizer Briefmarkenkatalog mit 9500 Franken bewertet, Paare dieser Marke bereits mit 75 000 Franken.

Die blauen Exemplare der Basler Taube durften ab dem 1. Juli 1845 im Bogen zu 40 Stück verkauft werden. Von ihnen sind circa 34 000 Stück von der Druckerei Krebs nach Basel geliefert worden. „Es sind heute noch rund 3500 Einzelstücke und gut 400 Briefe erhalten geblieben.“ Einzelmarken bewerte der Schweizer Briefmarkenkatalog mit 23 000 Franken für ungebrauchte und mit 20 000 Franken für gebrauchte Exemplare. 220 000 Franken seien für gebrauchte oder ungebrauchte Paare zu bezahlen. Der Sammlerwert für eine Einzelmarke auf einem Brief belaufe sich auf 45 000 Franken und auf 400 000 Franken für Paare.

„Diese Preise gelten indes nur für gut erhaltene Marken. Mangelhafte Basler Tauben werden den Abnutzungen entsprechend billiger gehandelt, während besonders schöne Exemplare Liebhaberpreise erzielen können“, hebt Bach hervor.

Einige dieser seltenen Briefmarken werden in einer Sonderausstellung gezeigt. Dazu wird die Schweizer Post eine Sondermarke und einen sehr speziellen Spezialblock präsentieren. Es wird auch ein Buch über die 400 bekannten Frankaturen mit Basler Taube erscheinen.  Vom 6. bis 8. November findet in der Basler Messe (Rundhof Halle 2.0) eine große Ausstellung zum Jubiläum 175 Jahre Basler Taube statt. Weitere Informationen dazu erhält man per E-Mail an info@175jahrebaslertaube.ch.

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