Basel - Die wohl meistgestellte Frage vor der „Iconic Night“ des Basler Indoor-Music-Festivals war wohl: Kommt die Grande Dame des Hip-Hop diesmal wirklich? Das tat sie. Zwar mit mehr als einstündiger Verspätung, doch stimmgewaltig wie zu ihren Anfangszeiten mit den „Fugees“, allen medialen Unkenrufen vorab zum Trotz. Für die optimistischsten Zuschauer gab es am Montag sogar noch eine Zugabe.

Erstaunlich geduldiges Publikum

20 Jahre ist es nun her, erinnerte die Hip-Hop und R'n'B-Sängerin, als sie ohne Erklärung auf die Bühne schwebte: 1998 erschien ihr erstes und einziges Soloalbums „The Miseducation of Lauryn Hill“, eine Fusion aus Neo-Soul und Hip-Hop. Sie wollte damals die klassische Soul-Musik der Älteren mit der Musik ihrer Generation verbinden: „Bridge a gap“, also die Lücke zwischen den Generationen schließen, erzählte sie.

Bevor es dazu kam, hieß es aber erst mal warten. Erstaunlich geduldig das Publikum, gewohnt an ihr spezielles Zeitmanagement, nach dem sie ihre Fans auch mal mehrere Stunden warten lässt. Die Organisatoren indes wurden immer nervöser, hatte Hill doch 2006 den bestätigten Auftritt an der Baloise Session wieder abgesagt, woran die Basler Zeitung ausführlich erinnerte.

Stetes Auf und Ab der Publikums-Stimmung

Die folgenden 80 Minuten waren denn auch ein stetes auf und ab der Stimmung. Mal zog die Diva die Zuhörer stimmgewaltig in ihren Bann – etwa mit „When it hurts so bad“ – dann sorgte sie wieder für lautes Getuschel. Immer wieder tippte sich Hill nach 40 Minuten Konzert an die Earphones, dann ans Mikro, deutete zur Bühnenseite. „Die geht doch nicht etwa schon wieder“, wird im Publikum geflüstert. 2016 tat sie nämlich genau das: zu spät kommen und nach 40 Minuten wieder gehen. Nicht so in Basel. Ob echtes technisches Problem oder geschicktes Spiel mit der Erwartungshaltung des kritischen Publikums: Es lenkt ab vom Können der Ausnahmesängerin.

Manche gehen schon früher

Noch bevor sich Lauryn Hill schließlich mit dem obligatorischen Dank ans überragende Publikum verabschieden konnte, hatten sich bereits einige die Jacken angezogen und waren gegangen. Lag’s am mantra-mäßig wiederholten Satz: „You’re just too good“, das die Diva dem gleichnamigen Cover von Frankie Vallies Kultsong nachschob? Bei der Interpretation des Liedes selbst – ein Hidden Track auf dem Soloalbum – hatte das begeisterte Publikum vor der Bühne noch mitgetanzt, mit jeder Wiederholung jedoch wurden die Bewegungen weniger, die verwirrten Gesichter größer. Doch lang hielt das nicht an. Kaum haucht Hill „Zion“ ins Mikro, war ihr die volle Aufmerksamkeit wieder gewiss. Zum Abschluss folgte „Killing me softly“, in einer eigenwilligen Interpretation, über die Zuschauergruppen noch auf dem Heimweg kontrovers diskutierten: Darf das so bekannte Lied so anders interpretiert werden oder ist nicht vielmehr diese live gesungene, ruhig intonierte Variante ein Zeichen für Hills musikalische Bandbreite?

Eine Zugabe hatten wohl die wenigsten erwartet, doch Miss Lauryn Hill trat wirklich nochmal vor das bereits stark dezimierte Publikum und schob mit „Ooh la la la“ und „Ready or not“ noch eine Hommage an ihren Karriereanfang mit dem von ihr mitgegründeten Hip-Hop-Kollektiv „Fugees“ nach, bevor sie händeschüttelnd endgültig ging.

Charmanter Schweizer Singer-Songwriter

Einen seiner „bisher größten Auftritte“ hatte zuvor Marius Bear. Der 25-jährige Appenzeller hatte die vorletzte Baloise Session eröffnet. Sichtlich nervös und durch diese Natürlichkeit noch viel charmanter überzeugte der Singer-Songwriter rasch mit seiner unverkennbaren rauen Stimme und Liedern seines neuen Albums „Sanity“, bevor er sich mit „My Crown“ verdiente stehende Ovationen abholte.