Basel „Die Lüge ist ein Klettertier“

Lyrikpreisträger Walle Sayer Foto: zVg/Burkhard Riegels Foto: Die Oberbadische

Basel (ov/hau). Ganz im Zeichen der Lyrik steht das Wochenende von Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Januar. Mit einem abwechslungsreichen Programm, für das die Basler Lyrikgruppe (Rudolf Bussmann, Wolfram Malte Fues, Claudia Gabler, Rolf Herrmann, Simone Lappert und Kathy Zarnegin) verantwortlich zeichnet, soll den Besuchern Einblick in die aktuelle Vielfalt des Genres gegeben werden: Neben einem Abend mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller erwarten die Besucher ein Rundgang zum 100. Geburtstag des Basler Dichters Rainer Brambach und ein Workshop, in dem diese selbst dichterisch tätig werden können.

Zwei Veranstaltungen widmen sich (Fremd-)Sprachen in der Lyrik: Schüler des Gymnasiums Bäumlihof wagen sich mit dem Übersetzer Ulrich Blumenbach an die Übertragung von Gedichten vom Englischen ins Deutsche (Freitag, 17 Uhr); in der Matinée am Sonntagmorgen diskutieren Dragica Rajcic, Farhad Showghi und Oya Erdogan über den Einfluss ihrer Muttersprachen auf ihr Schreiben auf Deutsch.

Das Programm

Freitag, 19.30 Uhr, Naturhistorisches Museum Basel: „Die Lüge ist ein Klettertier – Ein Lyrikabend mit Herta Müller. „Mir ist in meinem Leben genug zerbrochen, nun will ich zusammenfügen“, sagt die Literatur-Nobelpreisträgerin. Seit Jahren sammelt sie Wörter und Buchstaben, die sie aus Zeitungen und Werbeprospekten ausschneidet und klebt diese zu poetischen Wortcollagen zusammen. Das scheinbar Zufällige fügt sich zu einem harmonischen Ganzen und führt nebenbei vor, was ein einzelnes Wort anzurichten vermag. Die Moderation hat Ernest Wichner.

Samstag, 9 Uhr: Collagengedichte mit Jetzt-Schnipseln, Lyrikwerkstatt mit Claudia Gabler. Anmeldung über www.vhsbb.ch

14 Uhr: „Ich wiege 80 Kilo, und das Leben ist mächtig“, Zum 100. Geburtstag von Rainer Brambach. Ein Rundgang. Brambach hinterließ rund 140 Gedichte und zwei Dutzend kurze Erzählungen. Er war mit seinem erfrischend unakademischen Werk in der Nachkriegszeit eine Ausnahmeerscheinung. Treffpunkt ist im Literaturhaus-Saal, dann gibt es einen Rundgang mit dem Schauspieler Roberto Bargellini.

Um 16.15 Uhr begeben sich in einem gläsernen Seminar Studierende auf Feldforschung: mit Julia Trompeter und Tom Schulz unter dem Motto „Was macht aktuelle Lyrik aus?“

Um 18.30 Uhr findet die Verleihung des Basler Lyrikpreises an Walle Sayer statt. Die Laudatio hält Claudia Gabler.

Mit seinem bedachten Schreiben, dem ungekünstelten Blick auf das Einfache, gelingt Sayer eine Weltbetrachtung, die den Menschen hinter den Dingen hervortreten lässt und den Leser mit ebenso reduzierten wie intensiven Fein- und Feinstarbeiten besticht. Der mit 10 000 Franken dotierte Basler Lyrikpreis wird von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (GGG) gestiftet. Der Eintritt ist frei.

Um 20.30 Uhr ist Manuel Stahlberger mit „Neues aus dem Kopf“ im Literaturhaus zu Gast. Neben silbergrauem Haar wachsen dem St. Galler Kleinkünstler die wunderbarsten Flausen aus dem Kopf. Er begleitet seine Lieder unprätentiös mit der Gitarre, illustriert seine Erzählungen mit simplen Schwarz-Weiß-Skizzen und seziert dabei messerscharf die Seelenzustände des urbanen Smartphone-Junkies und die Auswüchse der digitalisierten Leistungs- und Selbstdarstellungsgesellschaft. Verschont werden dabei nicht einmal helvetische Heiligtümer wie die Sujets auf den Jasskarten. Sonntag, 11 Uhr, findet die Matinee „Muttersprachen. Zwischen zwei Sprachen“ unter der Moderation von Wolfram Malte Fues statt.

Um 13.30 Uhr liest Matthias Traxler aus seinem Essay-Band und ist im Gespräch mit Rolf Herrmann.

Um 14.15 Uhr stellt Julia Trompeter im Gespräch mit Rudolf Bussmann ihren ersten Lyrikband vor: „Unser Schritthmus aus dem Takt“.

Um 15.30 Uhr belichtet Levin Westermann mit seiner Sprache Alltägliches und Abgründiges. In seinem zweiten Band geht er mit der Schriftstellerin Marina Zwetajewa einen dichterischen Dialog ein.

Zum Abschluss des Lyrikfestivals um 16.15 Uhr stellt Kathy Zarnegin den Lyriker Tom Schulz in einer Lesung mit Gespräch vor.

  weitere Infos unter: www.literaturhaus-basel.ch

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