Basel Diffuse Objekte, Nebelflecken und Galaxien

Toni Kostic
 Foto: Fotos: Toni Kostic

Beat Fischer und Willem Jörg öffnen die grüne Kuppel des großen Gebäudes der Sternwarte St. Margarethen. Zum Vorschein kommt der Lauf eines relativ schmalen Teleskops, das in den Himmel gerichtet ist. Sonnenflecken zeichnen sich ab, und mit weiteren Fernrohren werden ferne Galaxien beobachtet.

Von Toni Kostic

Binningen. Über die Treppe gelangt man zur geöffneten Kuppel der Sternwarte St. Margarethen hinauf. Fischer stellt an den Hebeln den 19-Zentimeter-Merz-Refraktor ein, der für die Beobachtung des Monds und von Planeten geeignet ist – ein Linsenteleskop von 19 Zentimeter Durchmesser und einer Brennweite von drei Metern, das 1878 von der Münchner Optik Merz angefertigt wurde.

„Man sieht heute sogar Sonnenflecken“, sagt der Präsident des Astronomischen Vereins Basel und zeigt auf die weiße Rückplatte am Ende des Teleskops. Denn was zuerst gewirkt hat wie ein unspektakulärer Lichtfleck mit kleinen schwarzen Punkten, ist auf den zweiten Blick die in angenehmer Intensität eingefangene Sonne, an der leichte Wolken vorbeiziehen. Es dauert nicht lange, bis sich die Sonne der Platte aufgrund der Erdrotation entzieht. Um dem entgegenzuwirken, besitzt das Teleskop einen Motor, der seine Nachführung übernimmt, damit der Refraktor bei der Beobachtung auf den Himmelskörper ausgerichtet bleibt.

Nicht das einzige Teleskop

Der lange Refraktor, der sich in der Kuppel befindet, ist dabei aber nicht das einzige Teleskop, das auf dem Gelände der Sternwarte stationiert ist. In unmittelbarer Nähe des großen Kuppelgebäudes betreten Fischer und Jörg, der für die Werkstatt und den Teleskopbau zuständig ist, ein Hüttchen auf dem Areal, das auf zwei Gleisen steht. Beide schieben es in zwei Hälften auseinander, und zum Vorschein kommt das 35-Zentimeter-Spiegelteleskop C14, das elektronisch gesteuert ist. „Dieses Teleskop eignet sich für die Beobachtung von diffusen Objekten, Nebelflecken, Sternhaufen und Galaxien“, erklärt Fischer mit einem Lächeln. Um diese Uhrzeit sollte man aber auf keinen Fall einen Blick durchs Okular werfen, weil das Sonnenlicht auf direktem Wege ins Auge geleitet werden würde.

Starke Lichtverschmutzung

Vom Bahnhof SBB sind es etwa 15 Minuten den Hügel zur Sternwarte hinauf. Unterhalb des Astronomischen Vereins befindet sich der Margarethenpark und in mittelbarer Nähe die Kunsteisbahn Margarethen, die bei ihrer Nutzung hell erleuchtet ist. „Hier in Basel haben wir massiv Lichtverschmutzung“, entgegnet Fischer auf die Frage, ob man mit dem Problem konfrontiert ist. Man sei nah am Publikum. Mit dem Betreiber habe man sich aber, laut Fischer, einigen können, das Licht so weit zu dimmen, dass die Himmelsbeobachtung nachts ungestört möglich ist. Außerdem könne der Astronomische Verein vier der Straßenlaternen der Venusstraße abstellen.

Damit jedoch der Blick in die Sterne überhaupt möglich ist, müssen die Komponenten eines Teleskops einwandfrei her- und aufeinander eingestellt sein. Hierzu gibt Jörg in der Werkstatt der Sternwarte eine Einführung in den Bau von Spiegelteleskopen.

Spiegel ist Herzstück

Das Herzstück eines solchen Instruments sei der leicht konkave Spiegel. Hier fertigt Jörg ihn in Handarbeit an. Ihm zufolge braucht es für den groben Schliff etwa 100 Stunden und für das feine Polieren wieder 50 Stunden Arbeit. Am Ende sollte es ein Spiegel sein, der das Licht schön zentriert, damit man es ins Okular leiten kann. In den vergangenen Jahren habe Jörg hier 40 Spiegel geschliffen und 35 Rohre gebaut, die auch an verschiedene Kunden geschickt wurden, die die Sternwarte mit dem Teleskopbau beauftragt haben. Für Jörg sei es eine Hobbybeschäftigung nach der Pensionierung. Am Freitagabend ist die Sternwarte für die Allgemeinheit geöffnet. Es werden auch Führungen für Schulklassen und Gruppen angeboten. Infos unter www.astronomie-basel.ch

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