Basel Digitalisierung birgt viel Potenzial

Basel - Erneut mehr Umsatz und Gewinn: Die Endress+Hauser­-Gruppe mit Sitz in Reinach hat nach einem erfolgreichen Jahr 2017 seinen Wachstumskurs fortgesetzt, wie es gestern im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz hieß. E+H ist vergangenes Jahr über alle Regionen, Branchen und Produktbereiche kräftig gewachsen und hat allein im Dreiländereck rund 200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Weitere Investitionen stehen an.

„Nach unseren Maßstäben war es ein neues bestes Jahr“, sagte Klaus Endress, Präsident des Verwaltungsrats. Das sei dann der Fall, wenn das Familienunternehmen bei Auftragseingang, Nettoumsatz, Gewinn und Beschäftigung neue Höchstwerte erreicht –­ ein Fazit, das er auch für 2017 ziehen konnte, nachdem das international tätige Unternehmen eine zweijährige Durststrecke überwunden hatte.

Geschäftsergebnis

Trotz internationaler politischer Herausforderungen und ungünstiger Wechselkurse steigerte E + H den Nettoumsatz um 9,5 Prozent auf 2,455 Milliarden Euro, wobei die starke Konjunktur in der Prozessautomatisierung, der anhaltend hohe Privatkonsum, wie auch die Erholung der Öl- und Rohstoffpreise zur guten Entwicklung beitrugen, sagte Firmenchef Matthias Altendorf.

Deutschland habe einstellig zugelegt, die USA und China sogar zweistellig. „Vor allem in Amerika ist es so gut gelaufen, dass die USA nach 65 Jahren Deutschland als unseren größten Absatzmarkt abgelöst haben“, erklärte Altendorf. Doch schon bald könnte China die neue Nummer eins sein.

Das Betriebsergebnis stieg um 31,4 Prozent auf 330,6 Millionen Euro. Obwohl 2018 – anders als im Vorjahr – keine einmaligen Erlöse zu verbuchen waren, wuchs das Ergebnis vor Steuern erneut an um 14,6 Prozent auf 315,7 Millionen Euro. Entsprechend habe sich die Umsatzrendite auf 12,9 Prozent verbessert, was für die Branche ein guter Wert sei, meinte Finanzchef Luc Schultheiss. Europa sei gut gewachsen. Vor allem die exportorientierten Länder hätten sich gut entwickelt, darunter Deutschland und die Schweiz. Verhaltener sei das Wachstum in Frankreich gewesen, und in Großbritannien hat der Wertverlust des Pfunds als Folge des Brexits dem Unternehmen zu schaffen gemacht.

Industrie 4.0

Bei den Produktbereichen zeigte die Durchflussmesstechnik die größte Dynamik, so Altendorf. „Das spiegelt die starke Entwicklung von Branchen wie Chemie, Öl und Gas wider. Und das überdurchschnittliche Wachstum der Flüssigkeitsanalyse verdanke E+H der steigenden Nachfrage der Wasser- und Abwasserbranche.

Im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz wurde auch deutlich, dass die Digitalisierung und Industrie 4.0 eine immer wichtiger werdende Rolle spielt. Gut ein Drittel der neuen Patente betrifft diese Sparte. „Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche“, betonte der Unternehmenschef. Auf die Frage, ob hierbei mit der zunehmenden Automatisierung Arbeitsplätze wegfallen, erklärte Altendorf, dass er das Gegenteil erwarte. „Wir wollen eine Quelle zum Sprudeln bringen“, verwies er auf die Ausschöpfung der Möglichkeiten im Rahmen des industriellen Internets der Dinge.

Arbeitsplätze

Die positive Entwicklung schlug sich auch in zahlreichen neuen Arbeitsplätzen nieder, vor allem in den produktionsnahen Bereichen sowie im Service. Alleine im Dreiländereck um Basel kamen rund 200 neue Arbeitsplätze hinzu. Unter anderem kam es in Maulburg zu einem Plus von 50 Stellen bei 1796 Mitarbeitern, bei InfoServe in Weil am Rhein indes zu einem Abbau von sieben Stellen bei insgesamt 174 Arbeitsplätzen. Am Hauptsitz in Reinach wurden 74 neue Stellen geschaffen. In der Region Basel sei die Zahl der Stellen auch aufgrund der Übernahme der Auszubildenden gestiegen, erklärte Schultheiss. Weltweit arbeiteten Ende vergangenen Jahres 13 928 Mitarbeiter für die Unternehmensgruppe. Dabei sei es schwierig geworden, qualifizierte Ingenieure zu finden. So konnten Planstellen nicht besetzt werden.

Weiter hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, den Frauenanteil in Schlüsselpositionen bei E+H zu erhöhen. „Wir möchten mehr Frauen in Expertenrollen, in Projektverantwortung und in Führungspositionen“, verwies Altendorf auf eine bereits gestartete Initiative.

Investitionen

Für 2019 sind Investitionen in Höhe von 260 Millionen Euro geplant, wobei mehr als die Hälfte in das Dreiländereck fließen wird. E+H verfolgt hier die zwei größten Bauprojekte. In Reinach wird in den nächsten Jahren für 60 Millionen Euro das Kompetenzzentrum für Durchflussmesstechnik erweitert, ebenso werden die Werke für Durchflussmesstechnik im elsässischen Cernay fit für die Zukunft gemacht, und 46 Millionen Euro fließen ins Maulburger Kompetenzzentrum für Füllstand- und Druckmesstechnik. Investiert wird auch in die Modernisierung des Gebäudes der Vertriebsgesellschaft in Weil am Rhein. Hierfür nimmt E+H zwölf Millionen Euro in die Hand.

Ausblick

E+H ist gut ins laufende Jahr gestartet. Die Gruppe liegt bei Auftragseingang und Umsatz derzeit deutlich über dem Vorjahr, sagte der Finanzchef. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Unternehmen eine Abschwächung der Entwicklung: „Wir haben klare Anzeichen für eine Abkühlung der globalen Wirtschaft“, sagte Altendorf, der dennoch anspruchsvolle Ziele ankündigte: „Wir wollen den Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern.“ Man erwarte ein geringeres Wachstum im Vergleich zum Vorjahr, aber ein solides. Dem Finanzchef zufolge sind neben den bereits erwähnten Investitionen von 260 Millionen Euro bei einem guten Geschäftsgang weltweit rund 500 neue Stellen geplant.

Klaus Endress betonte abschließend, dass man mit der Familiencharta dafür sorgen werde, dass es mit dem Familienunternehmen gut weitergehe.

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