Basel Durch Realität und Fiktion spazieren

Das kreative Duo Isabelle Stoffel (vorne) und Mona Petri verwandelt während eines Audio-Video-Rundgangs das ehemalige Zollfreilager in Basel in eine Bühne vor utopischer Kulisse. Foto: zVg/Recycled Illusions/Alex Urosevic (Involt)

Basel - Mit Kopfhörern und Tablet ausgerüstet, läuft der Betrachter einer weiblichen, sanft sprechenden Stimme auf Band folgend vorbei an einer utopisch anmutenden Kulisse. Wie durch einen Traum geführt, begleitet von der mystischen Magie der anbrechenden Nacht, wandelt er alleine zwischen Realität und Fiktion auf dem in Szene gesetzten Industrie-Parcours im ehemaligen Basler Zollfreilager.

Freizone Dreispitz“ ist ein leises Theaterstück, erzählt und gespielt von „Experten des Alltags“, wie Schauspielerin und Regisseurin Isabelle Stoffel im Gespräch mit unserer Zeitung die Bewohner und Gewerbetreibenden auf dem Transformationsareal am Basler Dreispitz bezeichnet.

Sie bezeugen skurrile Geschichten, die sich im Laufe des architektonischen Wandels hier ereignet haben. Durch persönliche Begegnungen mit diesen realen Figuren wird der Zuschauer während der 90 Minuten langen Zeitreise immer wieder aufs Neue überrascht. „Als Kind bin ich oft an diesem Areal vorbeigelaufen“, erzählt Stoffel, die zum Audio-Video-Walk die Regie, den Text und ihre Stimme beigesteuert hat.

Innerhalb der ehemaligen Mauern des verschlossenen Zollfreilagers vermutete sie damals etwas Gespenstisches. Heute koexistieren hier Alltagsleben, Kunst und Industriegewerbe. Wo früher Konsumgüter wie Zigarren und Zigaretten, Rum und Autos gelagert wurden, wird heute Kunst im sozialen Kontext studiert.

Neben den Lagerhallen internationaler Logistikfirmen werden Bauten von Herzog & de Meuron oder Bjarke Ingels bewohnt, und während noch immer vollbepackte Lastwagen mit Konsumgütern durch die Straßen fahren, entsteht in Leerräumen und im Dazwischen Platz für Neues. Wenn ein Ort mehr als 80 Jahre der Gesellschaft verschlossen war, löst seine Öffnung dann so etwas wie ein Vakuum aus?, fragt sich die Regisseurin.

In Klangwelten versinken

Unterwegs versinken die Zuschauer in Klangwelten und werden von Mitspielern, die am Wegrand auftauchen, in ihre Welt entführt. Neben der Schauspielerin Mona Petri treffen sie auf weitere elf Zeitzeugen, deren Biografien eng mit dem Areal verbunden sind. Die Erinnerungen des ehemaligen Kranführers an das Containerstapeln fließen über in die Gedanken der Designstudentin zur Zukunft von Transportwegen.

Auf die Begegnung mit einem Food-Truck-Betreiber folgt der Besuch in der Kantine, in der seit Jahrzehnten Lastwagenfahrer jeden Morgen Kaffee trinken.

Mit Stimmen und Geräuschen, Bildern und Videosequenzen erzählt „Freizone Dreispitz“ die Geschichten hinter dem ersten Eindruck, stellt das bisher Unerzählte ins Rampenlicht und widmet sich den Mikrokosmen auf dem Dreispitz, die Einblick in unterschiedlichste Lebensrealitäten gewähren.

Der von dem Theaterkollektiv „Recycled Illusions“ kreierte Parcours wird durch die persönlichen Begegnungen mit den Mitspielern zu einem ganz individuellen Ausflug, der das Gestern, Heute und Morgen zwischen menschlichen Erfahrungswelten und konsumpolitischen Fragen oszillieren lässt. „Es ist ein kleines filmisches Erlebnis, das man alleine bestreitet und genießt“, erklärt Stoffel, die mit ihrem Team zwei Jahre an dessen Umsetzung gearbeitet hat. Beim Stichwort „allein“ schmunzelt die Basler Schauspielerin und meint: „In Zeiten des Abstandhaltens erlebt dieses Format gerade seine Hochblütezeit.“

Info: Individuelle Audio-Video-Rundgänge sind bis zum 18. Oktober jeweils von Donnerstag bis Sonntag, von 18 bis 19.30 Uhr möglich, buchbar unter https://www.recycled-illusions.com/projekte/freizone-dreispitz.

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