Basel Eigenheim kein Garant für Glück

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Der Erwerb von Wohneigentum steigert die Lebenszufriedenheit weniger stark, als es die Käufer erwarten. Das haben jetzt Wissenschaftler der Uni Basel herausgefunden. Foto: zVg/Universität

Wir wissen gar nicht so genau, was uns wirklich glücklich macht. Das unterstreicht eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Basel, die jetzt veröffentlicht wurde. Sie haben untersucht, wie sich der Erwerb einer eigenen Immobilie auf die Lebenszufriedenheit auswirkt. Das Ergebnis: Der positive Effekt auf die Zufriedenheit hält weniger lange an, als die Leute erwarten.

Basel. Ein großer Garten, mehr Platz oder die Bewunderung von Freunden und Familie: Die Gründe für ein Eigenheim mögen unterschiedlich sein. Das Ziel deckt sich jedoch: Letztendlich soll die Investition glücklicher machen.

Prof. Alois Stutzer und Reto Odermatt von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel haben untersucht, ob sich die erwartete höhere Lebenszufriedenheit mit dem Umzug in die eigenen vier Wände tatsächlich einstellt. Über ihre Erkenntnisse berichten sie in der Fachzeitschrift „Journal of Happiness Studies“.

Die Autoren werteten die Aussagen von mehr als 800 zukünftigen Eigenheimbesitzern in Deutschland aus, die im German Socio-Economic Pales (GSOEP) erfasst sind. Dieser Datensatz enthält Informationen zur erwarteten und tatsächlichen Lebenszufriedenheit von Menschen. Auf einer Skala von 0 bis 10 müssen die Befragten angeben, wie zufrieden sie aktuell sind und wo sie sich auf der Glücksskala in fünf Jahren sehen. Das Ergebnis: Zwar macht das Eigenheim im Durchschnitt glücklicher, allerdings nicht in dem von den zukünftigen Wohneigentümern selbst prognostizierten Maß.

Der Zeitpunkt der Befragungen zur zukünftigen Zufriedenheit war so gewählt, dass schon klar war, wie das neue Zuhause aussieht: zwischen drei Monaten vor und bis zu einem Jahr nach dem Umzug. Die Vorstellungen zum neuen Zuhause waren damit konkret, der Gewöhnungseffekt aber noch nicht eingetreten.

Gewöhnungseffekt wird häufig unterschätzt

„Die Gewöhnung relativiert die Lebenszufriedenheit“, weiß Odermatt. „Bei der Prognose der zukünftigen Zufriedenheit nach dem Umzug ins Eigenheim scheinen die Leute die Gewöhnung hingegen ganz außer Acht zu lassen.“ Entsprechend schätzten die Auskunftspersonen den mittelfristigen Mehrwert eines Eigenheims zu hoch ein.

Unterschiede gab es dennoch: „Es zeigte sich, dass vor allem statusorientierte Menschen, denen Geld und Erfolg besonders wichtig sind, den Zugewinn an Lebenszufriedenheit durch den Immobilienerwerb überschätzen. Intrinsisch orientierte Menschen, denen Familie und Freundschaften relativ wichtiger sind, hingegen nicht“, sagt Odermatt.

Das unterstreicht, dass Menschen in ihren Entscheidungen nicht zwangsläufig ihren eigenen Präferenzen folgen, sondern vielmehr ihren – mitunter verzerrten – Vorstellungen von den eigenen Präferenzen. Diese Vorstellungen sind womöglich durch äußere Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise durch Sozialisierung, die Eltern oder Werte, die in der Werbung vermittelt werden.

Mehr darüber zu wissen, wie derartige Einflüsse die persönlichen Einschätzungen und entsprechend die Entscheidungen beeinflussen, könne politisch hilfreich sein, um Manipulationen etwa seitens kommerzieller Akteure entgegenzuwirken, sagt Odermatt.

„In der Ökonomie geht man allgemein von der Konsumentensouveränität aus. Dass wir also wissen, was gut für uns ist.“ Die Studie zeige aber, dass Menschen unter Umständen den Glücksfaktor einer Entscheidung falsch einschätzten und dadurch nicht zu ihrem Besten handelten.

Wertevorstellungen hinterfragen

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, lohnt es sich, die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen, insbesondere bevor man weitreichende Entscheidungen trifft, so der Vorschlag. „Materielle Werte werden tendenziell überschätzt und führen eher zu Fehlprognosen. Intrinsische Werte scheinen daher ein besserer Kompass auf der Suche nach dem Lebensglück“, bilanziert der Forscher.

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